Im Ki­no die Oper ent­deckt

Star­te­nor Jo­sé Car­re­ras fei­ert heu­te 70. Ge­burts­tag

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - JO­SÉ CAR­RE­RAS ist der­zeit auf Ab­schieds­tour. Fo­to: dpa

Jo­sé Car­re­ras kann es auch im rüs­ti­gen Ren­ten­al­ter nicht las­sen: Der spa­ni­sche Star­te­nor ist am Abend vor sei­nem heu­ti­gen 70. Ge­burts­tag mehr als 10 000 Ki­lo­me­ter von sei­ner Hei­mat ent­fernt in To­kio auf der Büh­ne ge­stan­den. „Es ist wun­der­voll, dass ich in die­sem Al­ter noch ar­bei­ten und mei­ne Ge­füh­le durch die Mu­sik trans­por­tie­ren kann“, sag­te der Sän­ger, der vor drei Jahr­zehn­ten ei­ne Leuk­ämie über­wand, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur im In­ter­view. Auf­hö­ren will er nicht. Aber er weiß, dass „auch die wun­der­bars­ten Din­ge im Le­ben ir­gend­wann en­den“müs­sen und star­te­te des­halb im Ok­to­ber in Deutsch­land ei­ne in­ter­na­tio­na­le Ab­schieds­tour­nee, die „zwei oder drei Jah­re“dau­ern soll.

Der Po­li­zis­ten­sohn, der im Fri­seur­la­den sei­ner Mut­ter die Kun­din­nen mit sei­ner Stim­me er­freu­te und da­für ein paar Mün­zen und viel Lob be­kam, ist zu ei­ner welt­wei­ten Mu­sik-Iko­ne ge­wor­den. 1947 in Bar­ce­lo­na ge­bo­ren, be­geis­ter­te sich Klein-Jo­sé schon als Sechs­jäh­ri­ger für die Oper, nach­dem er mit sei­nem Va­ter im Ki­no den Film „Der gro­ße Ca­ru­so“mit Ma­rio Lan­za ge­se­hen hat­te. Als Elf­jäh­ri­ger sang Car­re­ras ei­ne klei­ne Rol­le in der Oper sei­ner Hei­mat­stadt. Von da an ging es mit dem spä­te­ren Mit­be­grün­der der le­gen­dä­ren „Drei Te­nö­re“ra­pi­de berg­auf. 1970 fei­er­te Car­re­ras in Bar­ce­lo­na mit 24 Jah­ren sein De­büt als Pro­fi­sän­ger. Sei­ne ka­ta­la­ni­sche Lands­frau Mont­s­er­rat Ca­bal­lé, die da­mals schon als bes­te So­pra­nis­tin der Welt galt, wur­de zu ei­ner Art Men­to­rin. Mit Star­di­ri­gent Her­bert von Ka­ra­jan ar­bei­te­te er eng zu­sam­men. An der Wie­ner Staats­oper riss er 1977 mit Ka­ra­jan das Pu­bli­kum als Rudolf in Puc­ci­nis „La Bo­hè­me“35 Mi­nu­ten lang zu Bei­falls­stür­men hin.

Car­re­ras be­geis­ter­te mit dem be­son­de­ren Tim­bre, der ge­fühl­vol­len Aus­drucks­kraft und Ver­letz­lich­keit sei­ner Stim­me – und mit sei­ner per­sön­li­chen Aus­strah­lung. Car­re­ras ver­riet, dass Ka­ra­jan ihm ein­mal ge­sagt ha­be: „Weißt du, war­um du so gut bist? Weil je­der Opern­be­su­cher glaubt, du singst nur für ihn al­lei­ne.“Auf dem Gip­fel des Er­folgs im Som­mer 1987 dann der Schock: Blut­krebs. Nach ei­ner Kno­chen­mark­trans­plan­ta­ti­on konn­te er die Krank­heit be­sie­gen. 1988 grün­de­te er die Car­re­rasStif­tung, um Geld im Kampf ge­gen Leuk­ämie zu sam­meln. Bei sei­nen all­jähr­li­chen TV-Be­ne­fiz­shows in Deutsch­land ka­men schon Mil­lio­nen zu­sam­men. Am 14. De­zem­ber über­trägt Sat.1 Gold die 22. Ga­la. dpa

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