Hom­mage an Gei­gen­grö­ße

Da­ni­el Ho­pe schlug in Ba­den-Ba­den den Bo­gen zum Brahms-Freund Joa­chim

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Et­was ganz Be­son­de­res hat­te der be­rühm­te bri­ti­sche Gei­ger Da­ni­el Hop bei sei­nem er­neu­ten Gast­spiel im Fest­spiel­haus im Ge­päck: In Be­glei­tung von Pia­nist Se­bas­ti­an Knau­er sol­len nicht nur „die schöns­ten Me­lo­di­en aus der ro­man­ti­schen Ära“er­klin­gen, je­des Stück hat auch sei­nen ganz ei­ge­nen Be­zug zu Jo­seph Joa­chim, „ei­nem der größ­ten Gei­ger der Welt.“

Im mit­tel­al­ter­li­chen Spa­ni­en galt die ur­sprüng­lich ge­sun­ge­ne Roman­ze als volks­tüm­li­ches und er­zäh­len­des Lied. Über Frank­reich in den deutsch­spra­chi­gen Raum ge­kom­men, ent­stand ihr in­stru­men­ta­les schwel­ge­ri­sches Ge­gen­stück, das spä­ter als der Schla­ger des 19. Jahr­hun­derts galt. Die gro­ßen Mu­si­ker die­ser Zeit Jo­han­nes Brahms, Jo­seph Joa­chim und Cla­ra Schu­mann ver­band ei­ne en­ge Freund­schaft, in de­ren Kon­text vie­le Stü­cke ent­stan­den. So be­ginnt der Abend mit dem Scher­zo aus der F-A-E-So­na­te von Jo­han­nes Brahms, die er mit Ro­bert Schu­mann und Al­bert Dietrich kom­po­nier­te und Joa­chim wid­me­te. Die wie­der­keh­ren­de Ton­fol­ge F-A-E steht au­ßer­dem für Joa­chims Mot­to „Frei aber ein­sam“– ein Zu­stand, wie er für die­ses be­rüh­ren­de Re­zi­tal nicht gel­ten kann. Ne­ben dem fest­lich il­lu­mi­nier­ten Weih­nachts­baum ste­hend, streicht Ho­pe sanft­mü­tig flüs­ternd über die Sai­ten, nur um im nächs­ten Mo­ment kraft­voll zu va­ri­ie­ren – der auf­brau­sen­de Ap­plaus spen­det be­wun­dern­de An­er­ken­nung.

Pia­nist Se­bas­ti­an Knau­er steht ihm am St­ein­way in nichts nach. Zärt­lich be­we­gen sich sei­ne Fin­ger über die Kla­via­tur, bis die Me­lo­di­en den Hö­rer lie­be­voll um­hül­len. Ein Glanz­licht des Abends bil­det Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dys „Auf Flü­geln des Ge­s­an­ges“, des­sen Me­lo­die durch die bei­den Spit­zen­mu­si­ker in den Saal hin­ein zu schwe­ben scheint. Das dicht da­nach fol­gen­de auf­brau­sen­de „He­xen­lied“, un­ter­streicht die herr­lich kon­trast­rei­che Aus­wahl des Pro­gramms.

Jo­seph Joa­chims ver­spiel­te Roman­ze folgt auf di­rek­tem Fu­ße: Pia­no und Vio­li­nen­klän­ge ver­bin­den sich zu ei­nem har­mo­ni­schen Gan­zen und schei­nen be­son­ders bei Ed­vard Griegs So­na­te Nr. 3 ge­mein­sam nach vorn zu drin­gen – wie zwei asyn­chron schla­gen­de Her­zen in ei­ner Brust. Dro­hend auf­ge­wühl­te An­schlä­ge ja­gen Schau­er über den Rü­cken, um mit­zu­rei­ßen und von be­zau­bernd ho­hen Tö­nen auf­ge­fan­gen zu wer­den. Eli­sa Wal­ker

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