Ab­schied im Sta­di­on

Trau­er­fei­er für ver­un­glück­te Fuß­bal­ler

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Cha­pecó. Von sol­chen Last­wa­gen ju­beln nor­ma­ler­wei­se Fuß­bal­ler ih­ren Fans zu. Jetzt fah­ren die of­fe­ne Last­wa­gen mit 50 Sär­gen durch die Stra­ßen der bra­si­lia­ni­schen Stadt Cha­pecó. Es reg­net in Strö­men, den gan­zen Tag. Die Leu­te wei­nen, Zehn­tau­sen­de ste­hen Spa­lier und win­ken mit Tü­chern. Die Lei­chen ih­rer Ido­le keh­ren heim, zum letz­ten Ge­leit im Sta­di­on.

Sie star­ben, weil ihr Flug­zeug zu we­nig Sprit hat­te. Auf dem Weg zum bis­her größ­ten Spiel ih­res Ver­eins AF Cha­pe­co­en­se. In Ko­lum­bi­en soll­te das Fi­nal­hin­spiel um die Co­pa Su­dame­ri­ca­na statt­fin­den. Klei­ner Trost: Der Ver­ein soll nun den Ti­tel be­kom­men, samt zwei Mil­lio­nen Dol­lar Preis­geld.

Nach der Last­wa­gen-Fahrt tra­gen Sol­da­ten die Sär­ge auf das Spiel­feld der Are­na Con­dá, es rol­len über­all Trä­nen. Aber es gibt auch „Cha­pe, Cha­pe“-Ru­fe der rund 20 000 Trau­ern­den. Die Sär­ge mit den Lei­chen von Spie­lern, Trai­nern und Be­treu­ern wa­ren zu­vor von Bra­si­li­ens Luft­waf­fe in Ko­lum­bi­en ab­ge­holt wor­den. Vie­le Men­schen in Re­gen-Ca­pes fal­len ei­ne­n­ader in die Ar­me. In der von eu­ro­päi­schen Ein­wan­de­rern ge­präg­ten Stadt kennt man sich, der Club ist für vie­le wie ei­ne zwei­te Fa­mi­lie.

Die Na­men der To­ten wer­den vor­ge­le­sen, für je­des Op­fer steigt ein ein­zel­ner wei­ßer Bal­lon in den Him­mel. Fo­to­gra­fi­en der Spie­ler ste­hen vor den Sär­gen, klei­ne Kin­der lie­gen schluch­zend auf ih­nen, kön­nen nicht fas­sen, dass dar­in der to­te Va­ter liegt. Das grü­ne Wap­pen des Clubs liegt im Mit­tel­kreis, ein­ge­rahmt von ei­nem wei­ßen Blu­men­meer.

Cha­pecó ist über­wäl­tigt von der An­teil­nah­me. 50 000 Men­schen wa­ren in Me­del­lín in Weiß und mit Ker­zen im Sta­di­on, zu der Zeit, als am Mitt­woch das Fi­na­le hät­te statt­fin­den sol­len. Der Hash­tag #For­çaCha­pe wur­de zum welt­wei­ten Zei­chen der So­li­da­ri­tät, über­all wur­de das grü­ne Wap­pen des erst 1973 ge­grün­de­ten, oft als Pro­vinz­club be­lä­chel­ten Ver­eins schwarz ein­ge­färbt. Bei Fuß­ball­spie­len welt­weit gab es ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te. In ei­ner Wo­che stün­de ei­gent­lich das letz­te Sai­son­spiel an, ge­gen At­lé­ti­co Min­ei­ro aus Be­lo Ho­ri­zon­te. Auf dem Spiel­feld, wo jetzt die Sär­ge stan­den. Ge­org Is­mar

LETZ­TE EH­RE IM DAUERREGEN: Sol­da­ten tra­gen ei­nen der ins­ge­samt 50 Sär­ge ins Sta­di­on von Cha­pecó. Die­je­ni­gen Ein­woh­ner, die kei­nen Platz auf den Rän­gen be­ka­men, hat­ten zu­vor in den Stra­ßen der Stadt für den Trau­er­zug Spa­lier ge­stan­den. Fo­to: epa

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