Ent­schei­der fin­den den Stopp-Knopf

Oral beim KSC nach 156 Ta­gen Ge­schich­te – Nach­wuchs-Coach Kwas­ni­ok über­nimmt bis Jah­res­en­de

Pforzheimer Kurier - - FERNSEHEN - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied René Dankert Fo­to: GES

Karls­ru­he. Der Sams­tag war oh­ne Nach­richt ver­gan­gen und der Sonn­tag nicht mehr jung, als der Trai­ner To­mas Oral beim Karls­ru­her SC doch noch fal­len ge­las­sen wur­de. Ar­mi­nia Bie­le­feld hat­te sich zwi­schen­zeit­lich die drei Punk­te ge­gen den VfL Bochum ge­schnappt, der KSC da­durch wie­der den Re­le­ga­ti­ons­platz in­ne. Schwe­rer als das wog bei der An­hän­ger­schaft des Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten die ver­meint­lich ru­hen­de See vor der Ku­lis­se ei­nes Sturms. Fans hat­ten be­gon­nen, ih­ren Groll auf den Vor­stand um­zu­lei­ten. Im Netz wur­den Pro­test-Ak­tio­nen ko­or­di­niert, Be­schwer­de-Eti­ket­ten lan­de­ten in den Post­fä­chern des Prä­si­di­ums. Wut misch­te sich dar­in mit Re­si­gna­ti­on. Vor al­lem aber mit der Angst, die Ent­schei­der könn­ten wirt­schaft­li­che Be­den­ken wei­ter stär­ker wä­gen als die schwe­rer ge­wor­de­ne sport­li­che Hy­po­thek. Nur noch zwei Spie­le blei­ben den Blau-Wei­ßen vor der Win­ter­pau­se, am Frei­tag in Dres­den und am 17. De­zem­ber ge­gen Braun­schweig. Die Rei­hung von vier He­implei­ten in Fol­ge, die am Frei­tag ge­gen die Spvgg Greu­ther Fürth (1:2) er­reicht war, stellt ver­eins­his­to­risch ein No­vum dar, das in das Er­schei­nungs­bild des ak­tu­el­len KSC pass­te. Längst war der Rück­schritt nicht mehr als Mo­ment­auf­nah­me zu ver­kau­fen, son­dern das Stand­bild als Fol­ge fa­ta­ler Feh­l­ein­schät­zun­gen im Früh­jahr und Som­mer.

Nur noch knapp über 10 000 Zu­schau­er hat­ten das vor­letz­te Heim­spiel des Jah­res im Wild­park am Frei­tag­abend se­hen wol­len. Der Haupt­schul­di­ge war für die meis­ten in To­mas Oral aus­ge­macht, der sich aber­mals laut­star­ker Ver­wün­schun­gen aus­ge­setzt sah. Für den Club war er zur Be­las­tung ge­wor­den. Den­noch schien das Prä­si­di­um ge­willt, bis zur Win­ter­pau­se an ihm fest­zu­hal­ten. Ge­rüch­te­wei­se ein Kal­kül mit Blick auf den Haus­halt. Denn dar­in wer­den die Ver­gü­tun­gen für Oral nun wohl für die ver­ein­bar­te Ver­trags­lauf­dau­er bis 2019 bi­lan­zi­ell nie­der­schla­gen. Ei­ne Lö­sung für die­ses Pro­blem ge­gen­über der DFL schien ge­fun­den zu sein, als der Ta­bel­len-16. ges­tern schließ­lich doch den Stopp-Knopf be­tä­tig­te: Oral und des­sen As­sis­tent Bernd Win­ter wur­den be­ur­laubt. „Die sport­li­che Si­tua­ti­on hat sich durch un­se­re Nie­der­la­ge ge­gen Greu­ther Fürth und die Er­geb­nis­se der Kon­kur­renz am Wo­che­n­en­de noch ein­mal ver­schärft. Des­halb muss­ten wir han­deln und wol­len mit dem Trai­ner­wech­sel ei­nen neu­en Im­puls set­zen“, wur­de Sport­di­rek­tor Oli­ver Kreu­zer in der Pres­se­mit­tei­lung zi­tiert. In den Spie­len ge­gen Dres­den und Braun­schweig wird U-19-Trai­ner Lu­kas Kwas­ni­ok als In­te­rims­trai­ner die Pro­fis ein­stel­len. In de­ren Rei­hen hat­te sich nach der sieb­ten Sai­son­nie­der­la­ge die Zahl der Ver­letz­ten po­ten­ziert. Auf neun kam Club-Arzt Mar­cus Schwei­zer, den Re­kon­va­les­zen­ten Gaé­tan Krebs ein­ge­rech­net. Am schlimms­ten er­wisch­te es En­ri­co Va­len­ti­ni, der mit ei­nem In­nen­band­riss acht Wo­chen aus­fal­len wird. Ma­rin Sver­ko er­litt ei­nen Mus­kel­fa­ser­riss. Und war Tor­wart Dirk Or­lis­hau­sen we­gen Ad­duk­to­ren­schmer­zen noch am Mor­gen des Spiel­tags aus­ge­fal­len, klag­ten da­nach Flo­ri­an Kam­be­ri, Mar­tin Stoll und Yann Rolim über Knie­be­schwer­den, Gri­scha Prö­mel über Sprung­ge­lenk­pro­ble­me. Ein zu­ge­schwol­le­nes Au­ge hat Bjar­ne Tho­el­ke.

Auch oh­ne die fri­schen Hi­obs­bot­schaf­ten herrscht im Ka­der des Ab­stiegs­kan­di­da­ten ge­nug heil­lo­ses Durch­ein­an­der. Oral hat­te dar­in wäh­rend sei­ner 156-tä­gi­gen Ver­ant­wort­lich­keit kei­nen St­ein auf dem an­de­ren be­las­sen. Er war Übungs­lei­ter ei­nes Ka­ders, aus dem er kein Team zu for­men ver­stand. Vor al­lem die­ser Ein­druck ist es, der sei­nem Nach­fol­ger im neu­en Jahr ech­te Her­ku­les­auf­ga­ben be­sche­ren wird.

Oral selbst hat­te zu­letzt die Op­fer­rol­le ge­wählt. Un­ter dem fri­schen Ein­druck des Fürth-Spiels äu­ßer­te er, dass zu vie­le ins Sta­di­on kä­men, „um mich fal­len zu se­hen“. Noch bit­te­rer war die gan­ze Wahr­heit: Die meis­ten glau­ben nicht mehr dar­an, dass das ei­ne noch oh­ne das an­de­re et­was bringt. Ei­ni­ge hat­ten am Sams­tag beim Trai­ning vor­bei­ge­schaut, um zu er­for­schen, ob Oral „noch da“sei. Er war es, wenn auch nicht kör­per­lich. Sei­ne As­sis­ten­ten Win­ter und Marc Fo­the­ring­ham lei­te­ten das Trai­ning der Re­ser­vis­ten. Oral war der­weil mit dem zwei Ta­ge zu­vor ins Cha­os ein­ge­tre­te­nen Kreu­zer nach Mün­chen ge­reist, wo er die Dres­de­ner bei Kreu­zers vor­ma­li­gem Geld­ge­ber TSV 1860 mit 0:1 ver­lie­ren sah. Die Kom­pe­tenz, den Zeit­punkt ei­nes Trai­ner­wech­sels zu er­wäh­len, hat­te Club­chef In­go Wel­len­reu­ther ja Jens Todts Nach­fol­ger zu­ge­wie­sen. Mar­tin Stoll, mit 33 Jah­ren äl­tes­ter Feld­spie­ler im Ka­der, kniff am Sams­tag auf die Fra­ge, ob ein Trai­ner­wech­sel Ver­klem­mun­gen be­sei­ti­gen hel­fe. „Da­zu kann ich nichts sa­gen“, mein­te der In­nen­ver­tei­di­ger, der sich in den ers­ten 25 Mi­nu­ten ge­gen Fürth wie in ei­ner „Schü­ler­mann­schaft“ vor­kam. Mit ihm wies die Start­elf Orals ein Al­ters­schnitt von 23,6 Jah­ren auf. Sie bot ih­ren Fans leid­voll Ver­trau­tes: Nach vor­ne fehl­te die Durch­schlags­kraft, nach hin­ten die Fes­tig­keit. Kha­led Na­rey (6.) und Ma­this Bol­ly (24.) dank­ten. Die Für­ther ta­ten da­nach we­nig, hät­ten da­für fast die Quit­tung kas­siert. Hät­te Di­mi­tris Dia­man­ta­kos ge­gen Balász Me­gye­ri, sei­nen frü­he­ren Mit­spie­ler bei Olym­pia­kos Pi­rä­us, auch sei­nen zwei­ten El­fer ver­senkt, wä­re Orals Gna­den­frist wohl ver­län­gert wor­den. So hin­ter­lässt der Coach ei­nen Punk­te­schnitt von 0,8. Nur beim 2011 von Kreu­zer ein­ge­setz­ten Jörn An­der­sen ging wäh­rend Wel­len­reu­thers Prä­si­dent­schaft sport­lich noch we­ni­ger.

Hier ist der KSC al­so, in ver­flix­ter La­ge. Am vor­läu­fi­gen Tief­punkt ei­nes Irr­kur­ses, der sei­nen Aus­gang im Herbst 2015 hat, als man es ver­säum­te, dem Er­folgs­trai­ner Mar­kus Kauc­zin­ski das Ver­trau­en zu schen­ken, wel­ches der ver­dient zu ha­ben glaub­te. Ei­ni­gen Pro­fis ver­miss­ten sel­bi­ges bei Oral. Ma­nu­el Tor­res ist so ei­ner. Zu sei­ner Aus­mus­te­rung woll­te der Spa­nier „nichts sa­gen“. Sein Ge­sicht sag­te: Es war bes­ser so.

DIE VIER­TE HEIM­NIE­DER­LA­GE in Fol­ge war für To­mas Oral gleich­zei­tig die letz­te als Chef­trai­ner des Karls­ru­her SC.

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