Tu­chel und das neue „Wir“

BVB-Trai­ner schlägt nach dem 4:1 über Glad­bach lieb­li­che­re Tö­ne an

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Dort­mund (sid). Ei­ne Lie­bes­er­klä­rung des Trai­ners, ein kla­rer Sieg – und bei Bo­rus­sia Dort­mund ist wie­der al­les gut. Tho­mas Tu­chel be­ton­te nach sei­ner har­schen Kri­tik in der Vor­wo­che auf­fäl­lig je­ne Emo­tio­nen, je­ne Wär­me, de­ren Feh­len ihm zum Vor­wurf ge­macht wor­den war. „Es ist ein ein­zi­ger Traum, al­le drei Ta­ge hier zu sein“, sag­te Tu­chel schon vor dem 4:1 (2:1) ge­gen Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach schwär­me­risch, „mit die­ser Mann­schaft, mit die­ser gel­ben Far­be, in die­sen Tri­kots Cham­pi­ons Le­ague zu coa­chen.“

Ist das The­ma da­mit be­en­det? Frag­lich. Es kann je­der­zeit wie­der auf­flam­men, aber nach dem Bo­rus­sen-Du­ell wa­ren kei­ne Hin­wei­se auf Ris­se im Ver­hält­nis zur Mann­schaft zu fin­den – trotz Tu­chels Ham­mer­schlag-Re­de nach dem 1:2 bei Ein­tracht Frank­furt. Ob der über­ra­gen­de Mar­co Reus, die Team­kol­le­gen oder Tu­chel selbst: al­le ga­ben sich ei­nig, dass der Trai­ner „je­des Recht“ha­be, die Mann­schaft zu kri­ti­sie­ren. Doch Tu­chel, so viel steht fest, wird sich nicht än­dern. „Ich ha­be mit­ge­nom­men, dass es sich nicht lohnt, auf Re­ak­tio­nen von au­ßen sein ei­ge­nes Tun zu re­flek­tie­ren“, sag­te er. „Wenn ich mich är­ge­re, kommt das zum Vor­schein.“

Tu­chels Lieb­lings­wort am Sams­tag? Ein­deu­tig „wir“. Sei­ne Kri­tik sei schließ­lich in der „Wir-Form“ge­wählt ge­we­sen – die Ent­rüs­tung dar­über, dass da ein Trai­ner auf sei­ne Mann­schaft ein­schlägt, sich selbst aber frei­hält, folg­lich un­an­ge­bracht. „Ich är­ge­re mich da grund­sätz­lich auch über mich selbst“, ver­si­cher­te er, im Kon­text sei­ner an­de­ren Aus­sa­gen al­ler­dings klang es mehr nach Recht­fer­ti­gung als nach Ein­sicht. „Das The­ma war ein viel­fach Klei­ne­res, als es au­ßen um uns her­um war.“

Ob der BVB trotz oder gera­de we­gen Tu­chels Wut­re­de wie­der stär­ker spiel­te, lässt sich kaum er­grün­den. Je­den­falls ließ sich nie­mand hän­gen, be­son­ders das Of­fen­siv-Trio Mar­co Reus, Ous­ma­ne Dem­be­le und Pier­re-Eme­rick Auba­meyang, der nun 15 To­re in 13 Li­ga-Spie­len er­zielt hat, zau­ber­te ge­gen teils wir­re Gäs­te. Reus auf Dem­be­le, Reus auf Auba­meyang (zwei­mal, ein­mal per Ha­cke) – es scheint, als ha­be Tu­chel sein ma­gi­sches Drei­eck ge­fun­den. Ma­rio Göt­ze saß hin­ge­gen eben­so auf der Bank wie An­dré Schürr­le.

Was die Wut­re­de sei­nes Trai­ners aus­ge­löst ha­be, wur­de Reus nach dem Spiel ge­fragt. Die Ant­wort: „Gar nichts.“An­schei­nend zu­min­dest nichts Ne­ga­ti­ves, so be­rich­te­ten es auch die Mit­spie­ler. Für Tu­chel war es ei­ne Freu­de, Reus zu­zu­se­hen. Der 27-Jäh­ri­ge spielt, als ha­be es das Elend sei­ner Ver­let­zungs­pau­se nicht ge­ge­ben. Schon beim ku­rio­sen Cham­pi­ons-Le­ague-Schüt­zen­fest ge­gen Le­gia War­schau (8:4) hat­te er drei To­re vor­be­rei­tet und zwei er­zielt, nun bril­lier­te er mit drei Vor­la­gen vom Feins­ten. „Es ist fan­tas­tisch, wie Mar­co zu­rück­ge­kom­men ist, mit wel­cher Per­sön­lich­keit und Aus­strah­lung, das ist ganz ein­zig­ar­tig“, sag­te Tu­chel.

NUR GU­TE LAUNE ver­sprüh­te Dort­munds Coach Tho­mas Tu­chel, hier mit Tor­wart Ro­man Wei­den­fel­ler, nach dem Kan­ter­sieg. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.