„Skru­pel­lo­se Haus­mu­sik“

Herrn Stump­fes Zieh und Zupf Ka­pel­le hat In­stru­men­te aus al­ler Welt im Ge­päck

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Die Schwa­ben sind ein ganz ei­ge­nes Völk­chen. Auf Au­ßen­ste­hen­de mö­gen sie oft­mals kühl und un­nah­bar wir­ken. Doch hin­ter die­ser Fas­sa­de ver­birgt sich so man­ches mal ein sau­mä­ßig ro­man­ti­scher Ker­le. Wer al­so erst ein­mal die schwä­bi­sche Aus­tern­scha­le ge­öff­net hat, wird mit ei­ner Per­le im In­ne­ren und was zum dran „rum­schlotza“be­lohnt.

Herrn Stump­fes Zieh und Zupf Ka­pel­le be­steht aus gleich vier die­ser Per­len. Seit 25 Jah­ren spie­len Ben­ny Ba­na­no, Man­fred „Man­ne“Arold, Micha­el „Flex“Flechs­ler und Mar­cel „Sel­le“Haf­ner zu­sam­men und tra­gen die Fah­ne der Mun­d­art­mu­sik auf ih­rer Welt­tour­nee stolz durchs Länd­le. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag nun prä­sen­tier­te der Pforz­hei­mer Ku­ri­er die vier Kult­schwa­ben mit ih­rer „Skru­pel­lo­sen Haus­mu­sik“im Kul­tur­haus Os­ter­feld.

Zu fast je­dem Lied gibt es ei­ne kur­ze, ein­lei­ten­de Ge­schich­te. Lie­der, die sie beim Gruscht im Kel­ler ge­fun­den ha­ben, wech­seln sich mit Ei­gen­kom­po­si­tio­nen und be­kann­ten Lie­dern aus Rock und Pop ab, die mit schwä­bi­schen Tex­ten ve­re­delt wur­den. Das Pu­bli­kum ist von der ers­ten Mi­nu­te voll da­bei und zeigt Klatsch-, Schun­kel- und am En­de so­gar Ge­s­angs­qua­li­tä­ten.

Man­ches Lied regt zum Nach­den­ken an. Wie zum Bei­spiel ei­nes über aus­ster­ben­de Wirt­schaf­ten in den Dör­fern und Omas, die nicht mehr ko­chen. Den über­wie­gen­den Teil des Pro­gramms, ma­chen je­doch fröh­li­che Lie­der aus, die meis­tens All­tags­si­tua­tio­nen, wie ein an­ge­schla­ge­nes „Bem­ber­le“the­ma­ti­sie­ren, oder au­gen­zwin­kernd mit dem Schwa­ben ent­ge­gen­ge­brach­ten Vor­ur­tei­len ko­ket­tie­ren. So wird Ben­ny bei­spiels­wei­se in ei­nem Lied von ei­ner Frau ver­las­sen. Sei­ne Trau­er hält sich aber in Gren­zen, da er noch ihr Spar­buch hat. „Für a Bon­bon­ba­bier­le, a Pär­le ro­de Sog­ge und a alts Ti­cket vom VFB“, ha­ben sie den Be­woh­nern von Up­fin­gen an­geb­lich ein Lied ab­ge­kauft. Bei die­sem zei­gen die vier Jungs, welch ei­ne Ur­ge­walt und was für ein Klang sich in ih­ren maul­ta­schen­ver­edel­ten Kör­pern ver­birgt. „A gua­der Fr­eind“ent­wi­ckelt stel­len­wei­se ei­nen ech­ten Gän­se­h­aut­fak­tor. Dar­über hin­aus fah­ren die schwä­bi­schen Ur­ge­stei­ne ei­ne schier wahn­wit­zi­ge An­zahl an Mu­sik­in­stru­men­ten auf. Ne­ben ei­nem Kla­vier, ei­nem Schlag­zeug, ei­nem Kon­tra­bass, ei­ner Tu­ba, ei­ner Po­sau­ne, ei­ner Kla­ri­net­te, ei­nem Ban­jo, ei­ner Man­do­li­ne und zwei Gi­tar­ren, fin­den auch In­stru­men­te Ver­wen­dung, die man eher nicht er­war­tet hät­te. Die Con­gas, afri­ka­ni­sche Tromeln, und die Lo­tus­flö­te dürf­ten dem ein oder an­de­ren noch be­kannt sein. Bei der Dor­bo, ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Re­so­na­t­or­gi­tar­re, spä­tes­tens aber bei der Lap-Steel, die auch Ha­wai­igi­tar­re ge­nannt wird, dürf­ten die er­staun­ten Ge­sich­ter zu­ge­nom­men ha­ben. Ein wei­te­rer Be­weis für die schwä­bi­sche Herz­lich­keit sind die selbst ge­schmier­ten But­ter­bro­te die die Vier kurz vor der Pau­se ins Pu­bli­kum wer­fen. Na­tür­lich in „Budda­b­rod­ba­bier“ver­packt. „Ich fand es ge­ni­al, sehr un­ter­halt­sam und über­ra­schungs­reich“, er­zähl­te Wer­ner Anderson nach dem Kon­zert. Nach dem Kon­zert schrie­ben Ben­ny, Flex, Man­ne und Sel­le noch flei­ßig Au­to­gram­me. Ron Tee­ger

VIEL BE­WE­GUNG gab es auf der klei­nen Büh­ne im Kul­tur­haus Os­ter­feld beim Lied „Kung Fu Feig­ling“. Die vier Mu­si­ker der For­ma­ti­on hat­ten ei­ni­ge Über­ra­schun­gen pa­rat. Fo­to: rt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.