Kon­zept für Karls­ba­der Stra­ße ge­for­dert

Rem­chin­ger Grü­nen-Ge­mein­de­rä­te se­hen Nöt­tin­ger Orts­teil­ver­bin­dungs­stra­ße kri­tisch

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Rem­chin­gen-Nöt­tin­gen (zac). Nach­dem die Rem­chin­ger CDU-Frak­ti­on ih­ren vol­len Zu­spruch für den ge­plan­ten drit­ten Ab­schnitt der Orts­teil­ver­bin­dungs­stra­ße west­lich um Nöt­tin­gen her­um be­kun­det hat­te, wand­ten sich auch die bei­den Grü­nen-Ge­mein­de­rä­te Till Sie­gen­tha­ler und Klaus Fin­ger­hut an die Re­dak­ti­on. In ei­ner Pres­se­mit­tei­lung rie­fen sie da­zu auf, „genau hin­zu­schau­en“und „die weit­rei­chen­den Aus­wir­kun­gen“des Mil­lio­nen­pro­jekts im Blick zu ha­ben.

„Es geht nicht al­lein um die Ver­kehrsund Lärm­be­las­tung in der Karls­ba­der Stra­ße“, er­in­nern die bei­den Rä­te dar­in und den­ken an al­le Ein­woh­ner, an die Ge­schäf­te und die In­fra­struk­tur, Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer. Im Hin­blick auf den Stra­ßen­bau und das in Be­rei­chen zwi­schen Stra­ße und Orts­be­bau­ung an­ge­dach­te Bau­ge­biet stel­len Sie­gen­tha­ler und Fin­ger­hut fest: „Es geht auch um end­gül­ti­gen Flä­chen- und Land­schafts­ver­brauch, um Le­ben und Le­bens­raum von Tie­ren und Pflan­zen. Acker­flä­che und Na­tur­räu­me wür­den von Stra­ßen, Häu­sern und Ge­wer­be­flä­chen er­setzt.“Ein klar de­fi­nier­ter Nut­zen sol­le da­her die Schä­den über­wie­gen.

Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten sei­en wich­tig, aber Rem­chin­gen wach­se seit Jah­ren in der Flä­che, oh­ne dass die Be­völ­ke­rung nen­nens­wert zu­neh­me: „Wo bleibt die viel be­schwo­re­ne Re­duk­ti­on des Flä­chen­ver­brauchs? Wo sind die An­rei­ze, be­ste­hen­de Bau­lü­cken zu be­bau­en, Woh­nungs­leer­stand zu be­sei­ti­gen und in­ner­ört­li­che La­gen at­trak­ti­ver zu ma­chen und nach­zu­ver­dich­ten?“Bei kon­se­quen­te­rer Nut­zung der vor­han­de­nen Flä­chen und Wohn­räu­me wä­re die Er­schlie­ßung neu­er Bau­ge­bie­te nicht er­for­der­lich. Au­ßer­dem sei­en sie skep­tisch, dass täg­lich meh­re­re tau­send Fahr­zeug­fah­rer oder gar der ge­sam­te bis­he­ri­ge Durch­gangs­ver­kehr die et­wa an­dert­halb­mal län­ge­re Orts­teil­ver­bin­dung dem di­rek­ten Weg durch den Ort (trotz dort dann Tem­po 30) vor­zie­hen. Trotz er­war­ten­den Ent­las­tun­gen an der Karls­ba­der Stra­ße lau­tet ih­re Pro­gno­se: „Die mit hö­he­ren Ge­schwin­dig­kei­ten be­fahr­ba­re neue Stra­ße wür­de be­ste­hen­den Lärm teil­wei­se ver­la­gern, er­zeugt aber zugleich ent­lang der ge­sam­ten Stre­cke neu­en, al­so mehr Lärm.“Ob Tem­po 30, wenn ge­neh­migt, die er­hoff­te Lärm­re­du­zie­rung er­brin­ge, müs­se der Lärm­ak­ti­ons­plan für Nöt­tin­gen be­ant­wor­ten, der aber wie­der­um noch nicht vor­lie­ge: „Und wenn es ge­län­ge, den ge­sam­ten Durch­gangs­ver­kehr zu ver­la­gern und Ru­he ein­kehrt – wie wirkt sich das auf die Ge­schäf­te in Nöt­tin­gen aus?“

Die Grü­nen schla­gen da­her ein schritt­wei­ses Vor­ge­hen vor und for­dern – im Ge­gen­satz zum Plan der Ver­wal­tung – zu­nächst die Ent­wick­lung ei­nes Kon­zepts für die Karls­ba­der Stra­ße mit po­ten­zi­ell un­ter­schied­li­chen Maß­nah­men wie Tem­po 30, ei­nem neu­en (Flüs­ter-)Be­lag, zu­ver­läs­si­gen Que­rungs­mög­lich­kei­ten für Fuß­gän­ger, fuß­läu­fig von den Ge­schäf­ten er­reich­ba­ren Park­mög­lich­kei­ten, Nacht­fahr­ver­bo­ten für Lkw oder An­he­bun­gen von Bord­stei­nen: „Dort, wo der Schuh drückt, muss be­gon­nen wer­den.“

Wenn sich an­de­re Maß­nah­men als un­zu­rei­chend er­wei­sen wür­den und man wis­se, dass der Be­stand der Ge­schäf­te und an­de­rer le­bens­wer­ter In­fra­struk­tur in Nöt­tin­gen ge­si­chert sei, kön­ne man im­mer noch ei­ne Er­schlie­ßungs­stra­ße auf der West­sei­te bau­en.

Wird Lärm auf neu­er Stra­ße nur ver­la­gert?

VOR EI­NER ZU­STIM­MUNG zum drit­ten Ab­schnitt der ge­plan­ten Nöt­tin­ger Orts­teil­ver­bin­dungs­stra­ße wol­len die Grü­nen-Ge­mein­de­rä­te Till Sie­gen­tha­ler (links) und Klaus Fin­ger­hut ge­klärt wis­sen, dass die Schä­den den Vor­tei­len über­wie­gen. Fo­to: Archiv/Zach­mann

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