Ban­ge Bli­cke nach Rom

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

GER­HARD WINDSCHEID

Wer hoch po­kert, kann viel ver­lie­ren. Da­von kann nicht nur der frü­he­re bri­ti­sche Pre­mier Da­vid Ca­me­ron ein Lied sin­gen. Sein Br­ex­it-Re­fe­ren­dum schei­ter­te kläg­lich. Auch Mat­teo Ren­zi po­ker­te hoch und steht jetzt vor ei­nem Scher­ben­hau­fen. Sein Re­fe­ren­dum über ei­ne Ver­fas­sungs­re­form wur­de zu ei­nem Ple­bis­zit ge­gen die Re­gie­rung in Rom. Noch zei­gen sich die Bör­sen und die Ban­ken­welt un­be­ein­druckt von dem po­li­ti­schen Be­ben in Ita­li­en. Das Land hat in der Ver­gan­gen­heit schon so man­che Re­gie­rungs­kri­se ge­meis­tert oder bes­ser ge­sagt aus­ge­ses­sen.

Soll­te sich Ita­li­en al­ler­dings gänz­lich vom ein­ge­schla­ge­nen Re­form­kurs ver­ab­schie­den, wä­ren neue Tur­bu­len­zen rund um den Eu­ro un­ver­meid­lich. Die Ban­ken­kri­se hat Rom voll im Griff. Wenn die Groß­bank Mon­te dei Pa­schi di Sie­na nicht bald fri­sches Geld be­kommt, ist sie plei­te. Der dann zu er­war­ten­de Do­mi­no­ef­fekt hät­te un­ge­ahn­te Fol­gen für die Ban­ken­land­schaft in der Eu­ro­zo­ne. Bis

zu den er­war­te­ten Neu­wah­len wird ver­mut­lich ei­ne tech­no­kra­ti­sche Über­gangs­re­gie­rung die Ge­schäf­te in Rom füh­ren. Die­se Ex­per­ten-Re­gie­rung ist viel­leicht nicht die schlech­tes­te Lö­sung für das ge­beu­tel­te Land. Das neue Ka­bi­nett könn­te den ein­ge­schla­ge­nen Kon­so­li­die­rungs­kurs zu­min­dest ein paar Mo­na­te lang kon­se­quent wei­ter­ge­hen und da­mit Pf­lö­cke ein­schla­gen.

Die Ge­fahr ist groß, dass aus Neu­wah­len die po­pu­lis­ti­sche Fünf-Ster­ne-Be­we­gung als ein­deu­ti­ger Sie­ger her­vor­ge­hen könn­te. Mit ih­ren ein­gän­gi­gen Pa­ro­len fi­schen die Fünf-Ster­ne-Leu­te im Wäh­ler­re­ser­voir der eta­blier­ten Par­tei­en. Sie ver­spre­chen das Blaue vom Him­mel, nur ge­lie­fert ha­ben die Po­pu­lis­ten bis­lang we­nig. Die neue Fünf-Ster­ne-Ober­bür­ger­meis­te­rin in Rom hat nichts für die Stadt am Ti­ber ge­tan. Schö­ne Sprü­che sind kein Er­satz für so­li­de po­li­ti­sche Ar­beit. Hät­te dies auch Mat­teo Ren­zi im­mer be­her­zigt, hät­te sein Po­ker­spiel ei­nen an­de­ren Ver­lauf ge­nom­men.

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