Töd­li­che Ablen­kung

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

JU­LI­US SAND­MANN

„Dun­ge­on Hun­ter 5“: Der Na­me die­ses Fan­ta­sy-Spiels für Smart­pho­nes wird für im­mer mit ei­nem der schlimms­ten Zug­un­glü­cke in Deutsch­land zu­sam­men­hän­gen – dem von Bad Ai­b­ling. Denn das Land­ge­richt in Traun­stein hat ges­tern ge­ur­teilt, dass der Fahr­dienst­lei­ter am 9. Fe­bru­ar die­ses Jah­res durch das Spiel der­art ab­ge­lenkt war, dass er meh­re­re fal­sche Ent­schei­dun­gen traf, die schließ­lich zum Tod von zwölf Men­schen führ­ten, mehr als 80 wur­den ver­letzt. Der 40-Jäh­ri­ge war ge­stän­dig und zeig­te Reue. Kein kalt­blü­ti­ger Kri­mi­nel­ler al­so, son­dern ein Mensch, der gro­ße Schuld auf sich ge­la­den hat.

Die­ser Fall führt vor Au­gen, wel­che schreck­li­chen Kon­se­quen­zen di­gi­ta­le Ablen­kung ha­ben kann. Zwar trug der

Fahr­dienst­lei­ter ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung, je­doch trifft das auch auf je­den Au­to­fah­rer zu, der sich nur mal kurz sein Smart­pho­ne schnappt und schaut, ob er ei­ne wich­ti­ge Nach­richt be­kom­men hat – und da­durch viel­leicht ei­nen Fuß­gän­ger oder ein Stau­en­de über­sieht.

Das Un­glück von Bad Ai­b­ling führt hof­fent­lich da­zu, dass Vie­le vor die­sem Griff in­ne hal­ten und sich über­le­gen, ob der Blick auf das Dis­play nicht Zeit bis nach der Fahrt hat. Denn manch­mal reicht es, nur ei­ne Se­kun­de ab­ge­lenkt zu sein, um das ei­ge­ne Le­ben und das vie­ler an­de­rer Men­schen dau­er­haft zu ver­än­dern – oder so­gar zu be­en­den. Bei „Dun­ge­on Hun­ter 5“kann ein Spie­ler von vor­ne be­gin­nen. In der Rea­li­tät geht das lei­der nicht.

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