Auf Ef­fi­zi­enz ge­trimmt

Die Karls­ru­her In­ge­nieur­ge­sell­schaft Trip­pe und Part­ner hat sich auf die Pla­nung von Re­chen­zen­tren spe­zia­li­siert

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Karls­ru­he. An die Pla­nung sei­nes ers­ten Re­chen­zen­trums kann sich Jörg Trip­pe noch ganz genau er­in­nern. „Schon da­mals spiel­te Ener­gie­ef­fi­zi­enz ei­ne wich­ti­ge Rol­le“, be­schreibt der Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer der Trip­pe und Part­ner In­ge­nieur­ge­sell­schaft mbH (T.P.I.) ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen beim Bau des Re­chen­zen­trums für die 1&1 In­ter­net AG vor et­wa 15 Jah­ren. „Und wenn we­ni­ger als 50 Pro­zent des ver­brauch­ten Stroms für die Küh­lung der Com­pu­ter be­nö­tigt wur­den, wa­ren al­le rund­um zu­frie­den.“Die en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Küh­lung von Hoch­leis­tungs­com­pu­tern ist laut Trip­pe seit­her „ein wich­ti­ges Stand­bein“des 1989 ge­grün­de­ten Pla­nungs­bü­ros. Mitt­ler­wei­le zeich­net T.P.I. in ganz Deutsch­land für den Bau von gro­ßen Re­chen­zen­tren ver­ant­wort­lich.

Ein re­gel­rech­ter Quan­ten­sprung in Sa­chen Ener­gie­ef­fi­zi­enz war im ver­gan­ge­nen Jahr der Bau des „Gre­en IT Cu­be“für das GSI Helm­holtz­zen­trum für Schwer­io­nen­for­schung in Darm­stadt. Ge­mein­sam mit den Frank­fur­ter Re­chen­zen­trums­ex­per­ten der e3 com­pu­ting Gm­bH kon­zi­pier­ten die Karls­ru­her Pla­nungs­spe­zia­lis­ten ei­nen funk­tio­na­len Ku­bus für 768 was­ser­ge­kühl­te Rech­ner­racks. Dank der Was­ser­küh­lung kann auf die sonst üb­li­chen me­cha­ni­schen An­la­gen ver­zich­tet wer­den, und des­halb be­nö­tigt der „Gre­en IT Cu­be“le­dig­lich fünf Pro­zent des Strom­be­darfs für die Küh­lung der Hoch­leis­tungs­rech­ner. Für das in­no­va­ti­ve Kon­zept er­hiel­ten die bei­den be­tei­lig­ten Bü­ros in die­sem Jahr den Ener­gy Award des „Han­dels­blatt“. Und auch für die Be­trei­ber macht sich die nach­hal­ti­ge Pla­nung be­zahlt: Durch den Ein­satz der Was­ser­küh­lung wer­den jähr­lich rund vier Mil­lio­nen Eu­ro an Strom­kos­ten ein­ge­spart. Durch den Ver­zicht auf her­kömm­li­che Kühl­tech­nik und den ge­rin­ge­ren Platz­be­darf wa­ren zu­dem die Bau­kos­ten um zehn Mil­lio­nen Eu­ro güns­ti­ger.

Mit dem preis­ge­krön­ten Pro­jekt be­tra­ten die Pla­ner in mehr­fa­cher Hin­sicht Neu­land. „Ei­gent­lich wol­len die Be­trei­ber in ih­ren Re­chen­zen­tren we­gen mög­li­cher Schä­den kei­ne Was­ser­küh­lung ha­ben“, sagt der tech­ni­sche T.P.I.-Ge­schäfts­füh­rer Mar­kus Betz, doch mit ei­nem spe­zi­el­len Le­cka­ge-Warn­sys­tem und hoch­wer­ti­gen Edel­stahl­roh­ren konn­ten sämt­li­che Be­den­ken we­gen ei­nes un­kon­trol­lier­ten Was­ser­aus­tritts zer­streut wer­den. Au­ßer­dem herrscht im grü­nen ITWür­fel ei­ne et­was hö­he­re Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur als in me­cha­nisch ge­kühl­ten Ge­bäu­den. „Com­pu­ter kön­nen an hei­ßen Ta­gen Tem­pe­ra­tur­spit­zen von bis zu 32 Grad Cel­si­us sehr gut ver­tra­gen“, so Betz, „aber in der Bran­che muss sich die­ses Be­wusst­sein erst ver­an­kern“.

Durch das Me­dien­echo nach der Preis­ver­lei­hung sei das In­ter­es­se an solch in­no­va­ti­ven Lö­sun­gen je­doch sprung­haft an­ge­stie­gen. Mitt­ler­wei­le lä­gen schon ers­te An­fra­gen von re­nom­mier­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen vor. Der gu­te Ruf ist für Trip­pe oh­ne­hin die bes­te Vi­si­ten­kar­ten. „Wir be­trei­ben kaum Ak­qui­se und ar­bei­ten zu 80 Pro­zent für lang­jäh­ri­ge Stamm­kun­den“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer, das zeu­ge von „ho­her Kun­den­zu­frie­den­heit“. Ener­gie­ef­fi­zi­enz ist da­bei das größ­te Ste­cken­pferd des Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieurs, der sich be­reits 1989 mit zwei Part­nern selbst­stän­dig mach­te. Auch zahl­rei­che Re­chen­zen­tren nam­haf­ter Un­ter­neh­men hier in der Re­gi­on wur­den von T.P.I. kon­zi­piert, wie et­wa das des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­mens Tele­ma­xX, das Hoch­si­cher­heits-Re­chen­zen­tren für Ge­wer­be -und In­dus­trie­kun­den an­bie­tet.

„Üb­li­cher­wei­se be­rech­nen wir die Kos­ten für die Ver­mei­dung pro Ton­ne Koh­len­di­oxid“, ver­rät Trip­pe ein Er­folgs­re­zept sei­nes Un­ter­neh­mens, „und na­tür­lich müs­sen sich die In­ves­ti­tio­nen durch ent­spre­chen­de Ein­spa­run­gen auch in ei­ner über­schau­ba­ren Zeit amor­ti­sie­ren“.

„Gre­en IT Cu­be“als in­no­va­ti­ves Kon­zept „Ener­gie­ef­fi­zi­enz wird an Be­deu­tung ge­win­nen“

Für ei­ne gründ­li­che Ana­ly­se und das Aus­schöp­fen von en­er­ge­ti­schen Ein­spar­po­ten­zia­len brau­che es ge­ball­tes Ex­per­ten­wis­sen, stellt Trip­pe klar, „und das ha­ben wir uns im Lau­fe der Jah­re an­ge­eig­net“. Ei­ni­ge Pro­jek­te sei­en we­gen der kom­ple­xen Auf­ga­be­stel­lung so­gar zum „Mi­nus­ge­schäft“ge­wor­den, aber das da­bei ge­ne­rier­te Wis­sen ma­che sich heu­te noch be­zahlt. Vor der Zu­kunft ist Trip­pe des­halb nicht ban­ge, schließ­lich sei die Ener­gie­wen­de erst jetzt so rich­tig ins Rol­len ge­kom­men. Trotz­dem setzt T.P.I. nur auf ein „äu­ßerst mo­de­ra­tes Wachs­tum“, be­tont der Fir­men­chef.

Die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Re­chen­zen­tren wird nach Trip­pes Ein­schät­zung üb­ri­gens künf­tig so­gar noch an Be­deu­tung ge­win­nen. „Über zwei Pro­zent des welt­wei­ten Aus­sto­ßes von Koh­len­di­oxid wird von Re­chen­zen­tren ver­ur­sacht“, macht Trip­pe deut­lich, „das ist un­ge­fähr ge­nau­so hoch wie der An­teil durch den Flug­ver­kehr“.

GUT GE­KÜHLT: Die­ter Ket­ter­mann, Chef von Tele­ma­xX, mit Jörg Trip­pe (rechts) und Mar­kus Betz (Mit­te) vor den Käl­te­ma­schi­nen des Tele­ma­xX-Re­chen­zen­trums. Fo­to: pr

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