Ka­ki ge­gen Oran­gen-Kri­se in Spa­ni­en

Die Zi­trus­früch­te sind zu Be­ginn der Sai­son in Deutsch­land wie­der sehr güns­tig

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Va­len­cia (dpa). Seit kur­zem sind sie in den deut­schen Lä­den und Su­per­märk­ten wie­der da, die spa­ni­schen Oran­gen. Von Kiel bis run­ter nach Mün­chen fei­ert der klas­si­sche Vit­amin-C-Lie­fe­rant im Win­ter Hoch­kon­junk­tur – zu­mal ein Ki­lo mit­un­ter für we­ni­ger als ei­nen Eu­ro zu ha­ben ist.

Der Land­wir­te-Ver­band in Va­len­cia „Unió de Llau­ra­dors“be­klagt, dass die Prei­se die­se Sai­son er­neut um rund 30 Pro­zent ge­fal­len sei­en. Ei­ne lan­ge Dür­re, die die Pro­duk­ti­ons­kos­ten stark er­höht hat­te, und das schwers­te Un­wet­ter seit 2007 samt Tor­na­do En­de No­vem­ber in Va­len­cia, das Schä­den von min­des­tens 14 Mil­lio­nen Eu­ro ver­ur­sach­te, trei­ben den Land­wir­ten der­zeit neue Sor­gen­fal­ten auf die Stirn. Ihr Ver­band spricht von ei­ner „ka­ta­stro­pha­len Sai­son“.

Zi­trus­früch­te, die mit ei­ner Jah­res­ern­te von durch­schnitt­lich gut drei Mil­lio­nen Ton­nen knapp die Hälf­te der Agrar­pro­duk­ti­on der Re­gi­on aus­ma­chen, wer­den in Va­len­cia nur noch auf rund 95 000 Hekt­ar an­ge­baut. Im­mer mehr su­chen ihr Heil in der Ka­ki, die in der Re­gi­on vor 15 Jah­ren noch kei­ne Rol­le spiel­te. Vor al­lem im Tal des Ju­car-Flus­ses in der Ge­mein­de L’Al­cu­dia, wo zu­letzt rund 15 000 Hekt­ar be­pflanzt wur­den. Für die Frucht be­kom­men die Land­wir­te bis zu 50 Cent pro Ki­lo. Die Zei­tung „El País“sprach von ei­ner „Ka­ki-Re­vo­lu­ti­on“– die aber die Pro­ble­me des Zi­trus-Sek­tors noch lan­ge nicht wett­macht.

Der Rück­gang des Zi­tru­s­an­baus hat Fol­gen: Der „Unió de Llau­ra­dors“warnt vor ei­nem sich im­mer wei­ter aus­brei­ten­den „brau­nen Tep­pich“, der in der Re­gi­on, die Spa­ni­ens größ­ter Land­wirt­schafts­ex­por­teur sei, nicht nur wirt­schaft­li­che Fol­gen mit Ar­beits­lo­sig­keit und Land­flucht ha­be. Auch die Um­welt wer­de in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Die Plan­ta­gen schütz­ten näm­lich vor Ero­si­on und Ver­ödung und üb­ten die Funk­ti­on ei­ner Feu­er­sper­re aus. Es ge­be da­her im­mer mehr Wald­brän­de.

SPOTT­BIL­LIG: Nicht nur auf dem Markt in Va­len­cia, son­dern auch in Deutsch­land sind Oran­gen sehr güns­tig – zum Leid­we­sen der Obst­bau­ern. Fo­to: dpa

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