Für Plätz­chen­bä­cker wird’s teu­rer

Der Hun­ger nach Ge­wür­zen steigt / Kur­ku­ma im Kom­men / Ern­te­aus­fäl­le bei Va­nil­le

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Ste­fan Maue und Dirk Neu­bau­er

Neu Delhi/Karls­ru­he. Wenn ab Sep­tem­ber das Weih­nachts­ge­bäck in die Su­per­märk­te kommt, hat die Ar­beit dar­an be­reits vie­le Mo­na­te zu­vor be­gon­nen. Auf Plan­ta­gen in In­do­ne­si­en, In­di­en, Sri Lan­ka, Chi­na und Ma­da­gas­kar rei­fen oft schon im Vor­jahr die Ge­wür­ze her­an, die schließ­lich in deut­schen Zimt­ster­nen, Christ­stol­len und Leb­ku­chen lan­den. Nicht nur für die Weih­nachts­zeit gilt: Der Ge­würz­ver­brauch der Deut­schen ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ste­tig ge­stie­gen – so­wohl in der Men­ge als auch in der Viel­falt.

„Das The­ma „in­di­sches Ko­chen“wird zum Bei­spiel wich­ti­ger in Deutsch­land“, er­klärt Ole Stroh­schnie­der, ei­ner der Ge­schäfts­füh­rer des Ge­würz­händ­lers Just Spices in Düs­sel­dorf. „Da­bei braucht man in der Re­gel deut­lich mehr Ge­wür­ze als bei der tra­di­tio­nel­len deut­schen Kü­che.“Auch Trend­ge­wür­ze wie zum Bei­spiel die Ing­wer-Un­ter­art Kur­ku­ma wür­den lang­sam in Deutsch­land Fuß fas­sen. „In den USA gibt es schon je­de Men­ge Re­zep­te, wie man da­mit zum Bei­spiel Milch ver­fei­nern kann“, sagt Stroh­schnie­der. „Wie beim Ing­wer hilft auch hier, dass das Ge­würz au­ßer­dem noch als ge­sund gilt.“

Aus die­sem Grund sei Kur­ku­ma von Kun­den ih­rer Ge­würz­ma­nu­fak­tur schon seit lan­gem ge­fragt, sagt Lui­se Molz, In­ha­be­rin der Cu­li­na­ri­co Gm­bH & Co. KG in Karls­ru­he. Po­pu­lär sei­nen auch Mi­schun­gen. „Die Leu­te wol­len In­di­vi­dua­li­tät.“

Doch der Ge­würz­kon­sum steigt nicht nur in Deutsch­land, son­dern auch an­ders­wo. „Der In­lands­ver­brauch an Ge­wür­zen in Asi­en ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ge­stie­gen“, be­rich­tet Dirk Radermacher, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Fach­ver­bands der Ge­wür­z­in­dus­trie in Bonn. „Dort wach­sen die we­sent­li­chen Ge­wür­ze, auch für den deut­schen Markt. Es wird nicht ein­fa­cher, die Men­ge und Qua­li­tät an Ge­wür­zen ein­zu­kau­fen, die in Deutsch­land nach­ge­fragt wird.“

Ei­nen Trend zu Fri­sche und Re­gio­na­li­tät stellt Cu­li­na­ri­co-Che­fin Molz fest. Bei bio­lo­gi­schen Pro­duk­ten sei es wich­tig, dass ein Händ­ler den Ver­brau­chern et­was zu den Er­zeu­gern sa­gen kann. „Es gibt bio und bio“, sagt Molz. Auf den qua­li­ta­ti­ven Un­ter­schied kom­me es an. Der Kon­su­ment set­ze in die­sem Seg­ment be­son­ders auf Händ­ler sei­nes Ver­trau­ens.

Seit 2012 ist die Ge­würz­nach­fra­ge in Deutsch­land stän­dig ge­stie­gen, im vo­ri­gen Jahr wur­den mehr als 106 000 Ton­nen im­por­tiert. Noch viel stär­ker ge­stie­gen ist al­ler­dings der Preis der Ge­wür­ze: Rund ein Vier­tel mehr zahl­ten die Deut­schen für ih­re Ge­würz­im­por­te im Ver­gleich zu 2014, ob­wohl die Ein­fuhr­men­ge kaum zu­ge­nom­men hat­te.

Das liegt aber nur zum Teil an der ver­stärk­ten Nach­fra­ge in den Pro­du­zen­ten­län­dern. Zu­letzt lit­ten gleich meh­re­re Ge­würz­sor­ten un­ter schlech­tem Wetter. Der tro­cke­ne Som­mer in Eu­ro­pa sorg­te für mas­si­ve Ern­te­aus­fäl­le bei ver­schie­de­nen Kräu­tern. Auch der Pfef­fer­preis – das mit Ab­stand am meis­ten im­por­tier­te Ge­würz in Deutsch­land – lag his­to­risch hoch. Jah­re­lan­ge star­ke Nach­fra­ge so­wie schlech­te Pro­gno­sen für die Pfef­fer­ern­te in In­di­en und Sri Lan­ka hat­ten den Preis nach oben ge­trie­ben.

Aktuell zah­len vor al­lem Käu­fer von Va­nil­le­scho­ten viel. Auch hier führ­te ei­ne schlech­te Ern­te zu ei­ner Un­ter­ver­sor­gung. Lieb­ha­ber von va­nil­le­hal­ti­gem Weih­nachts­ge­bäck müs­sen trotz­dem zu­min­dest kurz­fris­tig nichts be­fürch­ten. „Ge­wür­ze sind lan­ge halt­bar“, sagt Radermacher. „In der Re­gel kau­fen die Un­ter­neh­men sehr vor­aus­schau­end. Gleich­wohl sei­en an­ge­sichts der stei­gen­den Nach­fra­ge und des ho­hen Qua­li­täts­an­spruchs Preis­sprün­ge je­der­zeit mög­lich. Ob dies dann im Su­per­markt zu Er­hö­hun­gen füh­re, sei nicht vor­aus­zu­sa­gen. „Der deut­sche Ein­zel­han­del ist sehr preis­sen­si­bel.“

Doch un­ge­ach­tet der sai­so­na­len Aus­wir­kun­gen dürf­te die Nach­fra­ge in den Pro­du­zen­ten­län­dern auch wei­ter­hin stei­gen. Ins­be­son­de­re die in­di­sche und die chi­ne­si­sche Mit­tel­schicht wach­sen jähr­lich um vie­le Mil­lio­nen Men­schen an. „Wir ha­ben gu­te Be­zie­hun­gen in die An­bau­län­der und schaf­fen es so bis­her, die deut­sche Nach­fra­ge sta­bil zu be­die­nen“, sagt Radermacher. „Aber die Si­gna­le ge­hen in die Rich­tung, dass das An­ge­bot knap­per wird.“

WÜR­ZIG: Jahr für Jahr ver­brau­chen die Deut­schen mehr Ge­wür­ze. Doch auch in den Pro­du­zen­ten­län­dern kauft die Mit­tel­schicht die Er­zeug­nis­se zu­neh­mend selbst. Fo­to: Fa­b­ry

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.