Per Hub­schrau­ber ka­men die Spu­ren ins La­bor

Die Kri­mi­nal­tech­ni­ker im LKA hat­ten er­heb­li­chen An­teil am Er­folg der Frei­bur­ger Soko Drei­sam

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. „Soko Drei­sam“steht an ei­nem hal­ben Dut­zend Tü­ren im ers­ten Ober­ge­schoss des grau­en Be­ton­ge­bäu­des in der Stutt­gar­ter Tau­ben­heim­stra­ße Auf ei­ner Flä­che von rund 7 000 Qua­drat­me­tern re­si­diert hier das Kri­mi­nal­tech­ni­sche In­sti­tut des Lan­des­kri­mi­nal­amts (KTI). In den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen hat­ten die dort tä­ti­gen Ex­per­ten al­le Hän­de voll zu tun.

Hin­ter die­sen Tü­ren ha­ben sie kleins­te Spu­ren ge­sich­tet, um dem Mör­der der 19-jäh­ri­gen Stu­den­tin in Frei­burg auf die Spur zu kom­men. Hier fand auch die akri­bi­sche Un­ter­su­chung je­ner Brom­beer­he­cke statt, in de­ren Ge­strüpp man am En­de das op­tisch mar­kan­te Haar des mut­maß­li­chen Tä­ters fand. Zwei­ein­halb Ta­ge brau­chen die Fach­leu­te, um den ge­ne­ti­schen Co­de zu kna­cken, „und wir ha­ben so schnell wie mög­lich ge­ar­bei­tet“, er­klärt Andre­as Sten­ger, der Chef von 270 Mit­ar­bei­tern, dar­un­ter 80 pro­mo­vier­te Na­tur­wis­sen­schaft­ler. Na­tür­lich ge­he Sorg­falt vor Schnel­lig­keit, fügt er an. Mög­li­che Spu­ren­trä­ger von Tat­ort­nä­he wur­den mehr­fach per Po­li­zei­hub­schrau­ber von Frei­burg nach Stutt­gart ge­flo­gen, wo sich die LKA-Ex­per­ten so­fort ans Werk mach­ten; stän­dig stan­den die Frei­bur­ger Kri­mi­na­lis­ten in te­le­fo­ni­schem Kon­takt mit den Kri­mi­nal­tech­ni­kern in Stutt­gart.

Dank mo­derns­ter na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­den und di­gi­ta­ler Tech­nik ge­nü­gen dem KTI heu­te be­reits ge­rings­te Spu­ren, um ver­wert­ba­re Aus­sa­gen über mut­maß­li­che Tä­ter tref­fen zu kön­nen. „Wir kön­nen heu­te Ta­ten klä­ren, bei de­nen es frü­her kei­nen Er­mitt­lungs­an­satz ge­ge­ben hät­te“, er­klärt KTI-Chef Sten­ger. Ne­ben ak­tu­el­len Kri­mi­nal­fäl­len be­schäf­ti­gen sich die Fach­leu­te in Stutt­gart des­halb auch mit so ge­nann­ten „Cold Ca­ses“. Sys­te­ma­tisch wer­den sol­che einst als un­ge­löst zu den Ak­ten ge­leg­ten Fäl­le dann er­neut auf­ge­ar­bei­tet – nicht sel­ten mit Er­folg.

Doch das braucht Zeit. Denn al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr muss­ten die Kri­mi­nal­tech­ni­ker und Wis­sen­schaft­ler rund 35 000 Un­ter­su­chungs­auf­trä­ge ab­ar­bei­ten und 2 300 Gut­ach­ten an­fer­ti­gen. Da­bei fie­len rund 110 000 As­ser­va­te an, 600 Mal wur­den die KTI-Leu­te an Tat­or­te ir­gend­wo im Land be­or­dert. Dort

Mit der Fall­kon­fe­renz be­ginnt die Ar­beit

wer­den Spu­ren ge­si­chert und un­ter­sucht, an­schlie­ßend fin­den sich die Er­mitt­ler meist zu ei­ner so ge­nann­ten mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren Fall­kon­fe­renz zu­sam­men. „Man muss kom­ple­xe Spu­ren ganz­heit­lich be­han­deln“, sagt Andre­as Sten­ger. Al­le Mög­lich­kei­ten ei­nes Tat­ver­laufs müs­sen al­so ein­kal­ku­liert, kein An­satz darf aus­ge­schlos­sen wer­den. Zu­dem ist äu­ßers­te Ak­ku­ra­tes­se ge­fragt, da­mit sich ein De­ba­kel wie das im Zu­sam­men­hang mit dem Heil­bron­ner Po­li­zis­ten­mord durch den NSU nicht wie­der­holt. Da­mals war­fen ver­un­rei­nig­te Wat­te­stäb­chen die Er­mitt­lun­gen zu­rück. Zwi­schen­zeit­lich heißt das Zau­ber­wort beim KTI Spu­ren­hy­gie­ne. Ho­he Qua­li­täts­stan­dards und neue Re­geln ma­chen die Spu­ren­ar­beit zu­ver­läs­si­ger denn je.

MIT DNA-UN­TER­SU­CHUN­GEN und an­de­ren Me­tho­den ha­ben die Kri­mi­nal­tech­ni­ker des Stutt­gar­ter Lan­des­kri­mi­nal­amts schon Licht in man­chen ver­wor­re­nen Fall ge­bracht. Auch im Frei­bur­ger Mord­fall ge­lang so der Durch­bruch. Fo­to: Krauf­mann

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