Uni­ty­me­dia stellt Ana­log-TV ein

Was Kun­den des Ka­bel­fern­seh­an­bie­ters im Süd­wes­ten wis­sen müs­sen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Chris­ti­an Schä­fer

Karls­ru­he/Köln. Der Ka­bel­netz­be­trei­ber Uni­ty­me­dia (ehe­mals Ka­bel BW) for­ciert den Aus­bau sei­nes di­gi­ta­len Pro­gramm­an­ge­bots. Bis zum 30. Ju­ni 2017 schal­tet der An­bie­ter schritt­wei­se al­le Fern­seh­ka­nä­le ab, die er bis­lang im al­ten Ana­log­ver­fah­ren ein­speist. Da­bei gibt es für Kun­den des Ka­bel­an­bie­ters ei­ni­ges zu be­ach­ten. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten:

War­um stellt der Ka­bel­netz­be­trei­ber sein An­ge­bot um?

We­gen der zu­neh­men­den di­gi­ta­len Nut­zung und ver­än­der­ter Seh­ge­wohn­hei­ten der Fern­seh­kon­su­men­ten. Über die frei wer­den­den Über­tra­gungs­ka­pa­zi­tä­ten will Uni­ty­me­dia mehr di­gi­ta­le Fern­seh­pro­gram­me an­bie­ten so­wie die Te­le­fon- und In­ter­net­über­tra­gung aus­bau­en. Nach An­ga­ben der Uni­ty­me­dia se­hen 85 Pro­zent der Ka­bel­kun­den di­gi­tal fern.

Sind Zu­schau­er be­trof­fen, die ih­ren Fern­se­her an ei­ne Sat-Schüs­sel oder An­ten­ne an­ge­schlos­sen ha­ben?

Nein. Die Ana­log­ab­schal­tung be­trifft nur Ka­bel­kun­den. Über Sa­tel­lit sen­den die Pro­gram­me seit 2012 aus­schließ­lich di­gi­tal, eben­so über die klas­si­sche Haus- oder Zim­mer­an­ten­ne.

Wird Uni­ty­me­dia ARD, ZDF und das SWR-Fernsehen zu­erst ab­schal­ten?

Nein. Der An­bie­ter hat be­reits die Ana­log­ver­brei­tung der Spar­ten­ka­nä­le CNN, Pho­enix und BBC World ein­ge­stellt. Ab 26. April ent­fällt das Bayerische Fernsehen. Die öf­fent­lich-recht­li­chen und pri­va­ten Haupt­pro­gram­me wer­den erst am 30. Ju­ni 2017 ab­ge­schal­tet.

Kann ich die ab­ge­schal­te­ten Pro­gram­me wei­ter­hin di­gi­tal emp­fan­gen? Ja. Uni­ty­me­dia wird al­le Pro­gram­me wei­ter­hin di­gi­tal ver­brei­ten. Dar­über hin­aus kom­men zu­sätz­li­che Pro­gram­me hin­zu, die der Netz­be­trei­ber im Ana­log­ver­fah­ren bis­lang noch nicht ein­ge­speist hat­te, so Uni­ty­me­dia-Spre­che­rin EvaMa­ria Rit­ter auf BNN-An­fra­ge.

Brau­che ich ei­nen neu­en Fern­se­her?

Nein. Im Han­del gibt es ab 17 Eu­ro Zu­satz­ge­rä­te, so ge­nann­te Re­cei­ver, die das di­gi­ta­le Si­gnal emp­fan­gen. „Der Ka­bel­netz­be­trei­ber stellt sei­nen Kun­den ei­nen Di­gi­tal­re­cei­ver kos­ten­frei zur Ver­fü­gung. Die­ser emp­fängt die di­gi­ta­len Si­gna­le und gibt sie an den Fern­se­her wei­ter, er­klärt Pe­tra Schul­ze, tech­ni­sche Be­ra­te­rin beim Ver­band der Elek­tro­tech­nik, Elek­tro­nik und In­for­ma­ti­ons­tech­nik VDE. Im Han­del gibt es ab 120 Eu­ro Fern­se­her mit ei­nem in­te­grier­ten Di­gi­tal­emp­fän­ger. Wich­tig ist, dass der Fern­se­her oder der Di­gi­tal­re­cei­ver mit der Auf­schrift DVB-C (Di­gi­tal Vi­deo Broad­cast Ca­ble) ver­se­hen ist. „Das Zei­chen be­stä­tigt, dass das Ge­rät über das Ka­bel­netz di­gi­ta­le Fern­seh­pro­gram­me emp­fan­gen kann“, so Schul­ze.

Wel­chen Vor­teil bringt die Um­stel­lung für Fern­seh­zu­schau­er?

Das di­gi­ta­le Fernsehen bie­tet ei­ne grö­ße­re Pro­gramm­viel­falt. Wäh­rend auf ei­ner Fre­quenz nur ein ana­lo­ges Pro­gramm aus­ge­strahlt wer­den konn­te, pas­sen meh­re­re Di­gi­tal­pro­gram­me auf ei­nen Ka­nal. Die Pro­gram­me wer­den di­gi­tal im Stan­dard­ver­fah­ren (SD) oder hoch­auf­lö­send (HD) ver­brei­tet. Das Bild ist in HD schär­fer und de­tail­lier­ter als im SD- oder Ana­log­ver­fah­ren.

Be­kom­me ich dann al­le Pro­gram­me in HD?

Nein. Über Uni­ty­me­dia sind Das Ers­te, ZDF, SWR-Fernsehen und ei­ni­ge öf­fent­lich-recht­li­che und pri­va­te Spar­ten­pro­gram­me im hoch­auf­lö­sen­den For­mat frei emp­fang­bar. Ab Som­mer sol­len wei­te­re Spar­ten­pro­gram­me so­wie die Drit­ten Pro­gram­me der ARD in das freie HD-Pa­ket hin­zu­kom­men.

War­um bleibt der Bild­schirm bei RTL und Sat.1 in HD schwarz?

Die Sen­der­fa­mi­li­en RTL und Pro7Sat.1 so­wie ei­ni­ge wei­te­re Pri­vat­sen­der ver­lan­gen für den Kon­sum ih­rer HD-Pro­gram­me ei­ne zu­sätz­li­che Ge­bühr. Wer das Pa­ket „HD-Op­ti­on“bucht, für den schal­tet Uni­ty­me­dia die Sen­der frei. In SD sind die Pri­vat­pro­gram­me oh­ne Zu­satz­kos­ten frei emp­fang­bar. „Da sind uns als Ka­bel­netz­be­trei­ber die Hän­de ge­bun­den. Wir müs­sen die Si­gna­le so wei­ter­ver­brei­ten, wie es die Pro­gramm­an­bie­ter ver­lan­gen“, be­dau­ert Rit­ter.

Be­trifft die Ana­log­ab­schal­tung auch Ra­dio­pro­gram­me?

Nein. Wer sei­ne Ste­reo­an­la­ge an die Ka­b­el­emp­fangs­do­se an­ge­schlos­sen hat, kann wei­ter­hin Ra­dio hö­ren. Die UKWF­re­quen­zen blei­ben über das Ka­bel­netz mit Ra­dio­pro­gram­men be­legt, da der Netz­be­trei­ber die­sen Be­reich nicht für di­gi­ta­le Di­ens­te nut­zen kann. Über die Ra­dio-Funk­ti­on neu­er Flach­bild­schir­me und DVB-C-Emp­fän­ger sind mehr Ra­dio­pro­gram­me ver­füg­bar.

Wer­de ich wei­ter­hin das el­säs­si­sche Fern­seh­pro­gramm Fran­ce 3 Al­sace emp­fan­gen?

Das öf­fent­lich-recht­li­che fran­zö­si­sche Re­gio­nal­pro­gramm bleibt nach Aus­kunft von Uni­ty­me­dia-Spre­che­rin EvaMa­ria Rit­ter bis zum 30. Ju­ni 2017 im ana­lo­gen Netz. Dann wer­de Fran­ce 3 zwi­schen Karls­ru­he und Lör­rach un­ver­schlüs­selt in SD aus­ge­strahlt. Wei­te­re fran­zö­si­sche TV-Pro­gram­me gibt es bei Uni­ty­me­dia aus recht­li­chen Grün­den nur im kos­ten­pflich­ti­gen „Frank­reichPa­ket“.

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