Frau­en­bünd­nis warnt vor Al­ters­ar­mut

Mit­glie­der aus Pforz­heim und dem Enz­kreis for­dern ei­nen Kurs­wech­sel in der Ren­ten­po­li­tik

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

PK – „Ei­ne Frau in Ba­den-Würt­tem­berg er­hält ei­ne durch­schnitt­li­che Ren­te von 636 Eu­ro im Mo­nat. Das ist deut­lich zu we­nig zum Le­ben und da­mit ist be­reits je­de fünf­te Frau im Land arm.“Dies klä­ren die Spre­che­rin­nen des Frau­en­bünd­nis­ses Pforz­heim/Enz­kreis Su­san­ne Nit­tel, Ma­ri­ja Ma­du­nic und Si­byl­le Fi­scher in ei­ner von der ört­li­chen DGB-Grup­pe ver­sand­ten Pres­se­mit­tei­lung. Die lan­des­wei­te Ar­muts­quo­te von Frau­en liegt bei knapp 20 Pro­zent.

„Auch in Pforz­heim und dem Enz­kreis sind Frau­en viel stär­ker von Al­ters­ar­mut be­trof­fen als Män­ner“, lenkt Nit­tel dar­in den Blick auf die lo­ka­le Si­tua­ti­on. So be­trä­ge die durch­schnitt­li­che Ren­te ei­nes Man­nes in Pforz­heim knapp 1 000 Eu­ro und im Enz­kreis 1 211 Eu­ro. Ei­ne Rent­ne­rin in Pforz­heim kön­ne aber nur mit 715 Eu­ro und im Enz­kreis mit 714 Eu­ro rech­nen. Des­halb for­der­ten die Mit­glie­der des Frau­en­bünd­nis­ses Rah­men­be­din­gun­gen, die al­len Frau­en ei­ne ei­gen­stän­di­ge Exis­tenz­si­che­rung er­mög­li­chen.

Da­zu ge­hö­ren ei­ne An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­po­li­tik, da­mit Frau­en am Ar­beits­markt nicht län­ger benach­tei­ligt wer­den, ei­ne Um­wand­lung von Mi­ni­jobs in so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung ab der ers­ten St­un­de und ein ge­setz­li­ches Rück­kehr­recht von Teil­zeit in Voll­zeit. „Die Ab­schaf­fung des Ehe­gat­ten­split­tings, die Auf­wer­tung so­ge­nann­ter Frau­en­be­ru­fe so­wie fa­mi­li­en­freund­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen und Kin­der­be­treu­un­gen sind in die­sem Zu­sam­men­hang eben­falls von be­son­de­rer Be­deu­tung“wird Bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüs­s­ler als Bünd­nis­part­ne­rin zi­tiert.

Nied­rig­löh­ne, der Gen­der Pay Gap, fa­mi­li­en­be­din­ge Er­werbs­un­ter­bre­chun­gen, Mi­ni­jobs und ent­spre­chend klei­ne­re Ein­kom­men sei­en für Frau­en Ne­ga­tiv­fak­to­ren, die am En­de ei­nes Be­rufs­le­bens zu ei­ner nicht aus­kömm­li­chen Ren­te füh­ren. „Die­se Si­tua­ti­on wird sich noch ver­schär­fen, wenn das Ren­ten­ni­veau von der­zeit cir­ca 48 Pro­zent bis zum Jahr 2030 auf 43 Pro­zent sin­ken soll“, wahrnt Nit­tel. Vor den Ren­ten­re­for­men ha­be das Ren­ten­ni­veau im Jahr 2000 bei un­ge­fähr 53 Pro­zent ge­le­gen.

Ein Um­den­ken in der Ren­ten­po­li­tik sei des­halb ge­fragt. Da­zu ge­hö­re ei­ne Sta­bi­li­sie­rung des Ren­ten­ni­veaus so­wie lang­fris­tig ei­ne Er­hö­hung. Als Bei­spiel führt der DGB auf, dass ei­ne Kö­chin mit 2 250 Eu­ro Mo­nats­lohn im Jahr 2030 nach 40 Ar­beits­jah­ren 820 Eu­ro Ren­te be­kom­me. Wür­de die Kö­chin heu­te nach 40 Bei­trags­jah­ren in Ren­te ge­hen, wä­ren es im­mer­hin noch 890 Eu­ro. Und vor den Ren­ten­re­for­men wä­ren es noch 980 Eu­ro ge­we­sen. „Für im­mer mehr Men­schen ist Al­ters­ar­mut trotz Voll­zeit­job pro­gram­miert“, sagt Enz­kreis-Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te Mar­ti­na Klöp­fer. Ins­be­son­de­re Frau­en sei­en be­trof­fen. Das Frau­en­bünd­nis for­der­te die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Kat­ja Mast und Gun­ter Krich­baum des­halb in ei­nem Brief auf, die Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­rung „Rechts­an­spruch von Teil­zeit auf Voll­zeit nach ei­ner Fa­mi­li­en­pau­se“um­zu­set­zen.

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