Teu­res Ur­teil

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Für die Strom­kon­zer­ne hat sich der Gang nach Karls­ru­he ge­lohnt. Die Vor­in­stan­zen lie­ßen die Atom­mei­ler-Be­trei­ber ab­blit­zen, aber das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gab der Kla­ge von Eon & Co. ges­tern zu­min­dest in Tei­len recht. Den Strom­gi­gan­ten steht ei­ne Ent­schä­di­gung zu, weil sie nach dem von der Bun­des­re­gie­rung ver­ord­ne­ten Atom­aus­stieg die äl­te­ren Re­ak­to­ren vor dem ei­gent­li­chen Lauf­zeit-En­de vom Netz neh­men muss­ten.

Wie hoch die Ent­schä­di­gung ist, die den Atom­kon­zer­nen zu­steht, dar­über schwie­gen sich die Karls­ru­her Rich­ter aus. Aber aus der Por­to­kas­se wird sich die Sum­me nicht fi­nan­zie­ren las­sen. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le wie­gel­te be­reits ab. Er sieht kei­ne

gro­ßen Pro­ble­me für den Bun­des­haus­halt durch den Rich­ter­spruch. Ex­per­ten ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass der Bund kräf­tig blu­ten muss, um die Strom­fir­men zu­frie­den­zu­stel­len. Zwar spricht Karls­ru­he nicht von ei­ner Ent­eig­nung, son­dern von ei­ner zu­läs­si­gen Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung im Fol­ge der Re­ak­tor­ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma. Zum Null­ta­rif ist die­ser Sin­nes­wan­del der Mer­kel-Trup­pe al­ler­dings nicht zu ha­ben. Nach Fu­kus­hi­ma hat sich die Ge­fähr­dungs­la­ge für die Re­ak­to­ren nicht ge­än­dert. Sie wa­ren ge­nau­so si­cher oder un­si­cher wie vor dem Un­glück im fer­nen Ja­pan. Die Be­völ­ke­rung hat sei­ner­zeit die Ent­schei­dung mehr­heit­lich be­grüßt. Jetzt wird sie auch die bit­te­re Mil­li­ar­den-Pil­le schlu­cken müs­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.