„Wir punk­ten mit Qua­li­tät“

Wo­chen­märk­te im Wan­del der Zeit

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Mo­ni­ka John

Karls­ru­he. Der Han­del im In­ter­net macht auch vor Obst und Ge­mü­se nicht halt, Le­bens­mit­tel­dis­coun­ter bie­ten Fri­sche­sor­ti­men­te zu Nied­rig­prei­sen, Ein­kaufs­zen­tren in­te­grie­ren wo­chen­markt­ty­pi­sche Sor­ti­men­te, Obst- und Ge­mü­se­lä­den of­fe­rie­ren fri­sche Vit­ami­ne – der Wett­be­werb im Fri­sche­sek­tor ist hart. Den­noch: Die Wo­chen­märk­te le­ben.

„Okay, es hat sich viel ver­än­dert“, sagt Ru­dolf Pfir­mann, der sei­nen Obst- und Ge­mü­se­stand in der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on be­treibt. „Die Dis­coun­ter neh­men uns Kun­den weg, die Be­rufs­welt hat sich ver­än­dert und die jun­gen Leu­te wol­len nicht mehr ko­chen.“Das las­se sich an den rück­läu­fi­gen Um­sät­zen ab­le­sen. „Wir müs­sen uns ei­ni­ges ein­fal­len las­sen und In­ves­ti­tio­nen zu­rück­stel­len“, so Pfir­mann.

An­de­rer­seits stellt er fest, dass im­mer mehr Men­schen gro­ßen Wert auf re­gio­na­le Pro­duk­te le­gen. Das mo­ti­viert den 67-jäh­ri­gen Pfäl­zer. „Der Han­del auf dem Markt macht im­mer noch gro­ßen Spaß. Mein Sohn – die drit­te Ge­ne­ra­ti­on – ist eben­falls ein­ge­stie­gen“, sagt er stolz. „Man muss den Job halt wirk­lich mö­gen.“Mor­gens um vier Uhr auf­ste­hen, zum Er­zeu­ger­markt fah­ren, bei Wind und Wet­ter drau­ßen ste­hen und ver­kau­fen – und das an fünf Ta­gen in der Wo­che. „Es ist ein Kno­chen­job“, sagt Pfir­mann.

„Wir ha­ben in Karls­ru­he 16 Wo­chen­märk­te“, sagt Wirt­schafts­bür­ger­meis­te­rin Ga­b­rie­le Lucz­ak-Schwarz. Nach ih­rer Auf­fas­sung ist der Ein­kauf auf dem Wo­chen­markt et­was Be­son­de­res und nicht mit je­nem beim Dis­coun­ter zu ver­glei­chen. Schon gar nicht in Sa­chen per­sön­li­cher Be­ra­tung. Mit Blick auf ein stei­gen­des Ge­sund­heits­be­wusst­sein und Ve­r­un­si­che­run­gen et­wa durch che­mi­sche Dün­gung oder gen­tech­ni­sche ver­än­der­te Le­bens­mit­tel sieht Lucz­akSchwarz die Märk­te wei­ter­hin im Trend. Um das Er­folgs­mo­dell Wo­chen­markt wei­ter­hin zu stär­ken, ha­be man im Sep­tem­ber pro­be­wei­se ei­nen Abend­markt ins Le­ben ge­ru­fen. Zwei­mal wur­de er bis zum Herbst wie­der­holt und war laut der Bür­ger­meis­te­rin, die für das Markt­we­sen zu­stän­dig ist, „ein vol­ler Er­folg“.

Wo­chen­märk­te sind Or­te in­ten­si­ver Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ob beim Obst und Ge­mü­se, bei Ge­wür­zen, Blu­men oder am Ge­flü­gel­stand, im­mer ent­deckt man Grüpp­chen, die über Gott und die Welt dis­ku­tie­ren, Re­zep­te aus­tau­schen oder ih­re Er­fah­rung mit be­stimm­ten Pro­duk­ten kund­tun. Hel­ga Müns­ter, die Che­fin am Stand für Schwarz­wäl­der Spe­zia­li­tä­ten, ver­rät ih­re Mar­ke­ting­stra­te­gie: „Die ist ganz ein­fach: Wir punk­ten mit Qua­li­tät.“Die 63-Jäh­ri­ge aus Lan­dau

„Es ist ein Kno­chen­job“

bie­tet Schwarz­wäl­der Schin­ken, Ba­di­sches Schäu­fe­le, vor­ge­gar­te Och­sen­bäck­le, En­ten­brust und vie­les an­de­re an. „Ja klar, der Job hier ist Kno­chen­ar­beit. Die Ta­ge sind lang. Das Kas­sen­buch muss ge­führt wer­den und Be­stel­lun­gen ge­hö­ren auch da­zu.“Aber Hel­ga Müns­ter möch­te mit nie­man­dem tau­schen. „Das Markt­ge­sche­hen ist sehr spe­zi­ell und fas­zi­nie­rend“, sagt sie be­geis­tert.

Ein Ehe­paar aus Karls­ru­he be­stä­tigt die Aus­sa­ge: „Auf dem Markt kauft man nicht nur her­vor­ra­gend ein, man fin­det in der Re­gel auch gu­te Un­ter­hal­tung. Das schät­zen wir.“

„Wir schwät­ze’ halt mit den Kun­den“, er­zählt Chris­ti­ne Stro­bel vom el­säs­si­schen Back­stand La Minz­bru­eck. Das Ge­schäft mit Ba­guette, Tar­tes, Crois­sants und Eclairs läuft nach ih­ren Wor­ten gut. „Was uns in Karls­ru­he zu schaf­fen macht, das sind nur die Bau­stel­len“, sagt die Markt­frau.

BUN­TE VIEL­FALT: Al­lein Karls­ru­he bie­tet 16 Wo­chen­märk­te. Ein­kaufs­zen­tren, Dis­coun­ter und so­gar das In­ter­net sind ei­ne zu­neh­men­de Kon­kur­renz. Den Wo­chen­märk­ten kommt aber der an­hal­ten­de Trend zu re­gio­na­len Pro­duk­ten zu­pass. Fo­to: jo­do

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