„Frei­burg ist kein süd­deut­sches Bul­ler­bü“

Der grü­ne OB Die­ter Sa­lo­mon ver­weist auf den trau­ri­gen Ti­tel der Ver­bre­chens­hoch­burg

Pforzheimer Kurier - - DER FALL FREIBURG - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Ruf

Das töd­li­che Se­xu­al­ver­bre­chen an der Stu­den­tin Ma­ria L. und die Fest­nah­me ei­nes 17-jäh­ri­gen Tat­ver­däch­ti­gen wer­fen ein dunk­les Licht auf Frei­burg. Die süd­lichs­te Groß­stadt Deutsch­lands ist in Un­ru­he – und zeigt ih­re dunk­len Sei­ten. Das Bild in der Öf­fent­lich­keit ist von je­her po­si­tiv ge­prägt: Frei­burg ist grün und welt­of­fen, jung und le­ben­dig, be­schenkt mit Se­hens­wür­dig­kei­ten und ei­ner schö­nen Land­schaft so­wie ver­wöhnt von meist gu­tem Wet­ter. Gleich­zei­tig ver­un­si­chern schwe­re Ver­bre­chen die Stadt am Ran­de des Schwarz­walds. „Die Stim­mung ver­än­dert sich“, sagt ei­ne jun­ge Frau, die un­weit des Tat­orts zum Jog­gen auf­bricht. „Ich hät­te frü­her nie ge­dacht, dass man sich hier in Frei­burg mal Ge­dan­ken ma­chen muss, ob man bei Dun­kel­heit noch si­cher un­ter­wegs sein kann.“

Das Bild der viert­größ­ten Stadt in Ba­den-Würt­tem­berg ver­än­dert sich. Die ho­he Le­bens­qua­li­tät steht nun plötz­lich nicht mehr im Fo­kus. „Frei­burg ist kein süd­deut­sches Bul­ler­bü“, sagt Frei­burgs Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Sa­lo­mon (Grü­ne). „Es gibt vie­le Ti­tel, auf die Frei­burg stolz ist. Auf die­sen sind wir es nicht: „Frei­burg ist seit vie­len Jah­ren die Kri­mi­na­li­täts­hoch­burg in Ba­den-Würt­tem­berg.“

So ka­men im Jahr 2015 auf 100 000 Ein­woh­ner laut Po­li­zei 12 296 Straf­ta­ten; in der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart wa­ren es hin­ge­gen le­dig­lich 10 850. Die Grenz­nä­he zu Frank­reich und zur Schweiz und die Tat­sa­che, dass Frei­burg vor al­lem bei jun­gen Leu­ten in­zwi­schen als Sze­ne-Stadt gilt – dies al­les lockt auch Kri­mi­nel­le an, wie der Staats­se­kre­tär im Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­um, Mar­tin Jä­ger, sagt. Hin­zu kommt nun seit Wo­chen ei­ne Se­rie schwe­rer Ver­bre­chen. Der ge­walt­sa­me Tod der 19 Jah­re al­ten Stu­den­tin Ma­ria L, die Mit­te Ok­to­ber nachts am Ufer des Flus­ses Drei­sam ver­ge­wal­tigt wur­de und starb, lös­te in der Be­völ­ke­rung Ängs­te aus. Die Fest­nah­me des Tat­ver­däch­ti­gen, ei­nes 17-Jäh­ri­gen aus Af­gha­nis­tan, ent­fach­te ei­ne De­bat­te über die deut­sche Flücht­lings­po­li­tik.

Hin­zu kommt ein wei­te­rer un­ge­klär­ter Frau­en­mord in En­din­gen bei Frei­burg so­wie wei­te­re töd­li­che Ver­bre­chen, die sich zeit­lich häuf­ten. So starb im Ok­to­ber ein Mann, der auf ei­nem Platz in der In­nen­stadt von zwei Män­nern ge­schla­gen wor­den war, nach­dem er öf­fent­lich uri­niert hat­te. Es gab, eben­falls in der Stadt, mehr­fach Über­grif­fe auf Frau­en. Mit­te No­vem­ber er­stach ein 39-Jäh­ri­ger sei­nen 21 Jah­re al­ten Nef­fen.

„Wir ha­ben es mit ei­nem Phä­no­men zu tun, das uns al­le her­aus­for­dert“, sagt Frei­burgs Po­li­zei­prä­si­dent Bern­hard Rot­zin­ger. Die Häu­fung solch schwe­rer Ver­bre­chen sei zu­fäl­lig, es han­de­le sich um Ein­zel­ta­ten. „Frei­burg ist sta­tis­tisch ge­se­hen nicht un­si­che­rer als frü­her“, sagt der Po­li­zei­prä­si­dent. Aber emp­fun­den wer­de dies vor Ort der­zeit an­ders.

Fo­to: See­ger

EIN TRAUERENGEL er­in­nert am Ufer der Drei­sam an die ver­ge­wal­tig­te Stu­den­tin Ma­ria L., de­ren Leich­nam im Was­ser ge­fun­den wur­de. Doch nicht erst mit die­sem Ver­bre­chen be­kam die Idyl­le der Breis­gau­me­tro­po­le Frei­burg kräf­ti­ge Ris­se.

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