Äl­tes­te Deut­sche lebt in Karls­ru­he

Edel­gard Hu­ber von Gers­dorff fei­ert geis­tig wach ih­ren 111. Ge­burts­tag

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin In­grid Voll­mer

Karls­ru­he. Die wohl äl­tes­te Frau Deutsch­lands wohnt in Karls­ru­he. Edel­gard Hu­ber von Gers­dorff fei­ert am 7. De­zem­ber in der Fä­cher­stadt ih­ren 111. Ge­burts­tag. Ba­den-Würt­tem­berg scheint oh­ne­hin ein gu­tes Pflas­ter für Al­ters­re­kor­de zu sein. Nur neun Ta­ge nach Hu­ber von Gers­dorff jährt sich im schwä­bi­schen Met­zin­gen Pau­li­ne Reiß­les Ge­burts­tag zum 111. Mal. 112 Jah­re und 362 Ta­ge be­trägt das bis­lang höchs­te in Deutsch­land er­reich­te Le­bens­al­ter. Auf die­se stol­zen 4 1269 Le­bens­ta­ge brach­te es die Ma­ria Laqua, die 2002 in Rhein­land-Pfalz starb.

Of­fi­zi­el­le Sta­tis­ti­ken über die äl­tes­ten Men­schen gibt es nicht. Selbst das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt hat dar­über kei­ne ver­läss­li­chen, ak­tu­el­len Auf­zeich­nun­gen. Lis­ten im In­ter­net, die ei­nen zeit­na­hen Cha­rak­ter auf­wei­sen, stel­len die Karls­ru­he­rin Hu­ber von Gers­dorff je­den­falls mo­men­tan auf Platz eins der äl­tes­ten Men­schen, die in Deutsch­land le­ben.

Die Ju­bi­la­rin, die ei­ner al­ten Karls­ru­her Fa­mi­lie ent­stammt, er­lebt die­sen Tag in er­staun­li­cher geis­ti­ger Fri­sche. „Ich freue mich auf den Ge­burts­tag“, sagt sie. „Ich er­war­te an die 20 Per­so­nen.“Nie ha­be sie dar­über nach­ge­dacht, wie alt sie ei­gent­lich sei. „Das kam so auf mich zu“, sagt sie und fügt hu­mor­voll an „und dann bin ich er­schro­cken, dass ich so ne al­te Schach­tel bin.“Edel­gard Hu­ber von Gers­dorff lebt mit Hil­fe ei­ner Rund-um-die-Uhr-Be­treu­ung in ih­rer ei­ge­nen Woh­nung. Auch wenn Au­gen und Oh­ren sie mehr und mehr im Stich las­sen, ist sie sehr in­ter­es­siert am ta­ges­ak­tu­el­len Ge­sche­hen. Sie lässt sich die Zei­tung vor­le­sen und in­for­miert sich im Ra­dio und Fern­se­hen. Ihr Cre­do: Man kann nie ge­nug ler­nen. „Fuß­ball in­ter­es­siert mich in keins­ter Wei­se“, sagt sie, „die Flücht­lings­kri­se hin­ge­gen enorm.“Im­mer­hin, fügt sie an, muss­ten auch ih­re Ur­groß­el­tern vom Co­mer See des Glau­bens we­gen nach Deutsch­land flüch­ten. Schon im­mer hat­te die jetzt kör­per­lich sehr ge­schwäch­te Da­me ih­re ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen vom Le­ben. Sie trieb in der Ju­gend lei­den­schaft­lich Sport und stu­dier­te Che­mie, bis die Kin­der­läh­mung ih­re Le­bens­plä­ne über den Hau­fen warf. Sie sat­tel­te um auf Ju­ra und ar­bei­te­te bis zur Ren­te als Jus­ti­tia­rin bei ei­ner Bank. Ihr Mann starb 1987.

Wenn Edel­gard Hu­ber von Gers­dorff auf ih­re 111 Le­bens­jah­re zu­rück­blickt sagt sie: „Die Ju­gend­zeit war die wohl in­ter­es­san­tes­te.“Der Kai­ser ha­be sie da­mals we­ni­ger in­ter­es­siert, viel­mehr die neue Klei­dung, die das Schnü­ren nicht mehr vor­schrieb und die Be­we­gung der Wan­der­vö­gel, der sie sich ger­ne an­schloss. „Po­li­tik ist heu­te in viel stär­ke­rem Ma­ße Ge­gen­stand des täg­li­chen Den­kens“, re­sü­miert die Karls­ru­he­rin. Und er­gänzt: „Scha­de nur, dass ich in letz­ter Zeit man­ches lei­der et­was schnell ver­ges­se.“

AUF 40 515 LE­BENS­TA­GE blickt Edel­gard Hu­ber von Gers­dorff zu­rück. Die Karls­ru­he­rin ist 111 Jah­re alt. Fo­to: ivo-press

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.