Bau­er warnt vor Be­ein­träch­ti­gun­gen

Kri­tik an neu­en Re­ge­lun­gen zum Ur­he­ber­recht

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. An vie­len Hoch­schu­len des Lan­des blickt man mit ban­ger Er­war­tung dem Jah­res­wech­sel ent­ge­gen. Ab Ja­nu­ar näm­lich soll ei­ne neue Pra­xis im Um­gang mit dem The­ma Ur­he­ber­recht grei­fen. Dar­auf hat­ten sich die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, der Bund und die in Mün­chen an­säs­si­ge Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft (VG) Wort ver­stän­digt. Die VG Wort ist ein Zu­sam­men­schluss von Au­to­ren und Ver­la­gen, der Tan­tie­men aus Zweit­nut­zungs­rech­ten ein­nimmt und an die Ur­he­ber wei­ter­gibt.

Ei­ner der zen­tra­len In­hal­te der Rah­men­ver­ein­ba­rung: In Vor­le­sun­gen, Übun­gen und Se­mi­na­ren dür­fen elek­tro­ni­sche Aus­zü­ge aus Bü­chern und wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrif­ten Stu­die­ren­den nur dann zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den, wenn je­der Text­aus­schnitt ein­zeln an die VG Wort ge­mel­det und mit ihr ab­ge­rech­net wird.

Dass das im wis­sen­schaft­li­chen All­tag Schwie­rig­kei­ten ma­chen kann, ist Prak­ti­kern spä­tes­tens seit ei­nem Pi­lot­pro­jekt zur Ein­zel­erfas­sung an der Uni­ver­si­tät Os­na­brück be­wusst. In der Ant­wort auf ei­ne par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge der Land­tags-Grü­nen be­fürch­tet Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er (Grü­ne) im Ein­zel­fall ei­nen un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand. So­fern die For­schungs­stät­ten we­gen die­ses Auf­wands die Mög­lich­kei­ten des Ur­he­ber­rechts für Un­ter­richt und For­schung nicht nut­zen könn­ten, „kann das Ri­si­ko ei­ner Be­ein­träch­ti­gung des Lehr- und For­schungs­be­triebs nicht ganz aus­ge­schlos­sen wer­den“, gibt die Mi­nis­te­rin zu be­den­ken. Die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz und wei­te­re Gre­mi­en ste­hen dem Rah­men­ver­trag ne­ga­tiv ge­gen­über. Laut Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Bau­er be­ab­sich­tigt kei­ne Hoch­schu­le des Lan­des Ba­denWürt­tem­berg dem Rah­men­ver­trag bei­zu­tre­ten.

Der Vor­sit­zen­de der Lan­des­rek­to­ren­kon­fe­renz, der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Stutt­gart, Wolf­ram Res­sel, spricht von ei­ner „bü­ro­kra­ti­schen Re­ge­lung, die für un­se­re Stu­die­ren­den gro­ße Nach­tei­le mit sich bringt.“Ähn­lich äu­ßert sich Bas­ti­an Kai­er, Vor­sit­zen­der der Hoch­schu­len für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten Ba­den-Würt­tem­berg. An­statt die Lehr­ma­te­ria­li­en für ih­re Se­mi­na­re mit we­ni­gen Maus­klicks ein­se­hen zu kön­nen, müss­ten die Stu­den­ten nun je­den Text selbst re­cher­chie­ren. Res­sel for­dert ra­sche Aus­we­ge. Ei­ner kön­ne sein, dass die VG Wort die Pau­scha­la­b­rech­nung wie­der zu­las­se. Ähn­lich sieht es auch der hoch­schul­po­li­ti­sche Spre­cher der Land­tags-Grü­nen, der Karls­ru­her Alex­an­der Sa­lo­mon. Man brau­che ein wis­sen­schafts­freund­li­ches Ur­he­ber­recht, so Sa­lo­mon. Die VG Wort zei­ge sich „ma­xi­mal un­fle­xi­bel“und ma­che so al­len das Le­ben schwer.

Sa­lo­mon plä­diert für „fai­re Pau­schal­ver­gü­tun­gen“, die den Au­to­ren ei­ne ge­rech­te Be­zah­lung si­cher­ten, die wis­sen­schaft­li­che Ar­beit er­leich­ter­ten und ei­ne di­gi­ta­le Lang­zeit­ar­chi­vie­rung er­mög­lich­ten.

Hoch­schul­rek­to­ren leh­nen die Rah­men­ver­ein­ba­rung ab

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