Fest­li­che Über­ra­schung

„Wie­ner Klas­sik“in der Karls­ru­her Stadt­hal­le

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Wer die Kon­zer­te der lang­jäh­ri­gen Abon­ne­ment­kon­zert­rei­he „Wie­ner Klas­sik“der Klas­si­schen Phil­har­mo­nie Bonn im Brahms-Saal der Karls­ru­her Stadt­hal­le kennt, weiß, das die­se meist nach dem alt­be­währ­ten Sche­ma Ou­ver­tü­re – So­lis­ten­kon­zert – klas­si­sche Sin­fo­nie ge­stal­tet sind. Als um­so über­ra­schen­der er­wies sich das jüngs­te Gast­spiel un­ter dem Ti­tel „Fest­li­ches Weih­nachts­kon­zert“: Hier wur­de ein sehr bun­tes und ab­wechs­lungs­rei­ches Pro­gramm mit ei­ni­gen Ak­zen­ten aus der Ba­rock­mu­sik ge­bo­ten, fast nach Art der Orches­ter­kon­zer­te des 19. Jahr­hun­derts, in dem Sti­le und Wer­ke eben­so bunt ge­mischt prä­sen­tiert wur­den.

Zur Er­öff­nung er­klan­gen – dies­mal in deut­lich klei­ne­rer, dem Re­per­toire an­ge­pass­ter Be­set­zung – Jo­hann Pa­chel­bels be­rühm­ter D-Dur-Ka­non mit nach­fol­gen­der Gi­gue, ge­prägt von flie­ßen­den, aber zu­gleich gut durch­hör­ba­ren Klän­gen der Strei­cher. Die Lei­tung lag wie im­mer in den Hän­den He­ri­bert Beis­sels: Ob­wohl der Mu­si­ker das 80. Le­bens­jahr in­zwi­schen weit über­schrit­ten hat, agier­te er an dem Abend mit ei­ner ge­gen­über frü­he­ren Jah­ren nicht nach­las­sen­den und be­wun­derns­wer­ten Fri­sche und Spann­kraft.

Die ers­te So­lis­tin des Abends, die So­pra­nis­tin He­len Rohr­bach, bot im An­schluss Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs Arie „Scha­fe kön­nen si­cher wei­den“aus der „Jagd­kan­ta­te“BWV 208 dar; ihr vol­ler So­pran wirk­te raum­fül­lend, über­dies ge­fiel an He­len Rohr­bach, die aus­wen­dig sang, ih­re an­spre­chen­de ges­tischmi­mi­sche Kon­takt­auf­nah­me mit dem Pu­bli­kum.

Die Kon­zert­meis­te­rin Er­vis Ge­ga (Vio­li­ne) bot in ei­ner drei­sät­zi­gen, recht zü­gig und mar­kant vom Orches­ter in­ter­pre­tie­ren Sui­te mit Stü­cken aus Ge­org Fried­rich Hän­dels Oper „Xer­xes“das da­rin ent­hal­te­ne be­kann­te Lar­go mit fei­nem Ton und oh­ne über­trie­be­nes Es­pres­si­vo dar. Sehr apart, ja ge­ra­de­zu von hei­te­rem Ges­tus war das fol­gen­de „Lau­da­mus te“aus dem Glo­ria der c-Mol­lMes­se von Mo­zart (KV 427), er­neut mit He­len Rohr­bach als So­lis­tin. Eben­so ein­drucks­voll und ver­siert agier­te der Trom­pe­ter Nor­bert Vohn in Jo­hann Mel­chi­or Mol­ters D-dur-Trom­pe­ten­kon­zert; be­son­ders die schön aus­ge­bla­se­nen, fei­nen Me­lo­die­li­ni­en im Ad­a­gio an zwei­ter Stel­le rühr­ten das Pu­bli­kum an,.

Sehr ru­hig und ver­in­ner­licht bot He­len Rohr­bach nach der Pau­se Cé­sar Francks Mo­tet­te „Pa­nis an­ge­li­cus“dar, un­ter­stützt von ei­nem wei­chen Klang­tep­pich des Orches­ters. Er­vis Ge­ga war da­nach noch­mals als So­lis­tin zu hö­ren, näm­lich im Weih­nachts­kon­zert von An­to­nio Vi­val­di. Nach dem letz­ten Bei­trag He­len Rohr­bachs, dem ein­fühl­sa­men „Lau­da­te Do­mi­num“aus KV 339 von Mo­zart, bil­de­te die C-Dur-Sin­fo­nie (Nr. 28) des­sel­ben Kom­po­nis­ten ei­nen prä­gnan­ten und – im Fal­le des Fi­nal­sat­zes – vir­tuo­sen Ab­schluss des Abends. -hd

He­ri­bert Beis­sel voll Fri­sche und Spann­kraft

Ter­min

Das nächs­te Kon­zert der Rei­he fin­det am 21. Fe­bru­ar statt. Pro­gramm: Ot­to­ri­no Re­spighi, 3. Sui­te aus An­ti­che Dan­ze ed Arie; Jo­seph Haydn, Trom­pe­ten­kon­zert Es-Dur; Franz Schu­bert, Sym­pho­nie Nr. 5 B-Dur.

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