Töd­li­cher Scha­ber­nack

Keas sind in Neu­see­land auch we­gen ih­rer Aben­teu­er­lust be­droht

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Che­ryl Nor­rie

Wel­ling­ton. Mit­fah­ren auf dem Au­to­dach, ab­hän­gen in Ski­ge­bie­ten oder mal ei­nen He­li­ko­pter zer­stö­ren: Keas lie­ben das Aben­teu­er. Die in den neu­see­län­di­schen Al­pen hei­mi­sche Pa­pa­gei­en­art ist hoch­in­tel­li­gent und hat kaum Scheu vor Men­schen. Mit ein Grund, war­um der Vo­gel mit sei­nem un­ver­kenn­ba­ren „Kea, Kea“-Ruf trotz sei­ner heu­ti­gen Be­liebt­heit vom Auss­ter­ben be­droht ist.

Der Kea-Be­stand im Nel­son-La­kesNa­tio­nal­park auf der Süd­in­sel Neu­see­lands sank in­ner­halb von zehn Jah­ren um 80 Pro­zent, be­rich­tet die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „Kea Con­ser­va­ti­on Trust“. Heu­te le­ben dem­nach nur noch et­wa 5 000 der um die 45 Zen­ti­me­ter gro­ßen oliv­far­be­nen Tie­re in ih­rem ins­ge­samt 3,5 Mil­lio­nen Hekt­ar gro­ßen Ver­brei­tungs­ge­biet. Auch die Welt­na­tur­schut­zu­ni­on IUCN stuft den Kea als be­droht ein. Seit Be­ginn der Be­sie­de­lung Neu­see­lands durch die Eu­ro­pä­er wur­den Keas ge­jagt. „Vie­le Men­schen hal­ten sie im­mer noch für Un­ge­zie­fer, Keas wer­den er­schos­sen oder ver­gif­tet“, sagt Tamsin Orr-Wal­ker vom „Kea Con­ser­va­ti­on Trust“. Aber auch ihr Spiel­trieb wird den Keas zum Ver­häng­nis. Vie­le Vö­gel er­lei­den et­wa ei­ne Blei­ver­gif­tung, denn sie rei­ßen Nä­gel und Ble­che von Dä­chern. Zu­min­dest ein Kea starb beim Sur­fen auf dem Dach ei­nes fah­ren­den Au­tos, er­zählt Orr-Wal­ker. „Die Vö­gel, die gut da­rin sind und star­ke Flie­ger sind, ha­ben echt Spaß, aber jun­ge Vö­gel, die nicht stark ge­nug sind, lan­den kopf­über auf der Stra­ße und ster­ben.“Keas sind spa­ßig und ner­vig zu­gleich: „Wenn man ver­sucht zu schla­fen und Vö­gel an dei­nem Zelt run­ter­rut­schen oder wenn sie St­ei­ne an die Fens­ter wer­fen oder Plas­tik­tei­le vom Au­to ab­rei­ßen, dann kön­nen sie ei­nen frus­trie­ren“, sagt Or­rWal­ker. Keas schlos­sen auch mal zwei Wan­de­rer in ei­ne Hüt­te ein. Die Vö­gel hat­ten den Tür­rie­gel vor­ge­scho­ben, wäh­rend sie drin­nen schlie­fen.

„Sie sind zer­stö­re­ri­sche klei­ne Quäl­geis­ter, aber wir sind in ih­rem Re­vier“, meint Richard Mills. Sein Un­ter­neh­men im Tou­ris­ten­ort Queen­s­town bie­tet Hub­schrau­ber­flü­ge in ent­le­ge­ne Ge­bie­te an. Er ver­sucht mit Sprink­lern, die Keas von sei­nen He­li­ko­ptern fern­zu­hal­ten. Die Vö­gel at­ta­ckie­ren sonst Gum­mi­tei­le an den Ro­to­ren und kön­nen schwe­re Schä­den an­rich­ten.

NEU­GIE­RIG: Ein Kea steht in Neu­see­land auf ei­nem Au­to­dach. Fo­to: dpa

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