Chan­cen­gleich

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Ich ha­be es jetzt noch­mals nach­ge­le­sen: Chan­cen­gleich­heit, al­so die Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter, ist der Pro­zess tat­säch­li­cher Gleich­stel­lung von Ge­schlech­tern in recht­li­cher Hin­sicht und im Hin­blick auf ihr per­sön­li­ches und be­ruf­li­ches Ent­fal­tungs­po­ten­zi­al in ei­ner Ge­sell­schaft.

Al­so das Recht­li­che und Be­ruf­li­che will ich mal au­ßen vor las­sen, aber Gleich­stel­lung beim per­sön­li­chen Ent­fal­tungs­po­ten­zi­al, das kön­nen Sie echt ver­ges­sen. Das ha­be ich letz­te Wo­che wie­der fest­ge­stellt. Oder fin­den Sie es viel­leicht ge­recht, dass ich es als Frau bei je­der öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung kaum schaf­fe, mir ein Pau­sen­ge­tränk zu be­sor­gen, wäh­rend sich die Män­ner um die The­ke scha­ren? Und das liegt nicht dar­an, dass ich zu klein, zu lang­sam oder zu un­ge­schickt bin, son­dern le­dig­lich an der Aus­le­gung der Toi­let­ten­an­la­gen.

Die Auf­tei­lung dort ist – auch in neu ge­bau­ten Hal­len – zwar platz­mä­ßig ge­recht, aber kei­nes­falls be­darfs­ge­recht be­zie­hungs­wei­se durch­satz­ge­recht. Und so bil­den sich vor der Da­men­toi­let­te die üb­li­chen Schlan­gen, wäh­rend die Her­ren der Schöp­fung lä­chelnd an uns vor­bei ins stil­le Ört­chen rein und raus und da­nach ent­spannt an die Ge­trän­ke­aus­ga­be schlen­dern. Frau­en reicht es oft vor dem En­de der Pau­se gera­de zu­rück auf den Platz, von ei­nem Ge­tränk kann meis­tens nicht die Re­de sein – al­so wo da die Gleich­stel­lung beim tat­säch­lich per­sön­li­chen Ent­fal­tungs­po­ten­zi­al bleibt, kann ich echt nicht er­ken­nen. Der ein­zi­ge Ver­an­stal­tungs­ort, der mir be­kannt und an dem es nicht so ist, ist das Thea­ter Pforz­heim. Dort hat wohl je­mand das mit der Chan­cen­gleich­heit ver­stan­den. Na­ta­lie Viel­sack

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