Pe­ter Le­hel Quar­tett wid­met sich im Do­mi­ci­le in Pforz­heim ei­nem der Mo­to­ren des Jazz

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Als er ihn zum ers­ten Mal ge­hört ha­be, sei ihm ge­we­sen, als ha­be ihn der Blitz ge­trof­fen. Pe­ter Le­hel hielt ei­nen Mo­ment in­ne, so als wür­de auf Re­ak­tio­nen war­ten. Dann wie­der­hol­te der Karls­ru­her Sa­xo­fo­nist den Satz, noch stär­ker be­tont. Kei­nem, der am Mon­tag­abend ins Do­mi­ci­le ge­kom­men war, dürf­te der Na­me, um den es ging, un­be­kannt ge­we­sen sein: John Col­tra­ne. Für Ken­ner ist er ei­ner der Be­woh­ner des Jaz­zOlymp. Col­tra­nes Le­ben ver­lief wie im Zei­t­raf­fer (1926 bis 1967): schnel­ler Auf­stieg, Dro­gen­ex­zes­se und frü­her Tod im Al­ter von 40 Jah­ren. Bis da­hin spiel­te der Sa­xo­fo­nist zahl­rei­che Al­ben ein. „Je­des mar­kier­te ei­nen Ent­wick­lungs­schritt, nie blieb er ste­hen“.

Col­tra­nes Ent­wick­lung mün­de­te schließ­lich et­wa zwei Jah­re vor sei­nem Tod in ei­ner Pha­se des Free-Jazz – Mu­sik, die kaum noch zu­gäng­lich war, Lärm in den Oh­ren der meis­ten, selbst für Jaz­zer wie Le­hel ei­ne Hör-Her­aus­for­de­rung. Die Ti­tel, die das Pe­ter Le­hel Quar­tett spiel­ten, aber wa­ren über­wie­gend Bal­la­den. „My Fa­vo­ri­te Things“ zum Bei­spiel, ei­ner der größ­ten Hits Col­tra­nes mit ei­ner be­stim­men­den er­he­ben­den Me­lo­die und breit an­ge­leg­ten So­li aus hef­tig zwit­schern­den und kra­ckelen­den im­pro­vi­sier­ten Läu­fen auf dem Sa­xo­fon. Oder „Nai­ma“– Col­tra­ne wid­me­te es sei­ner ers­ten Frau Jua­ni­ta Nai­ma Grubb. Spä­ter wag­ten sich dann die vier Jaz­zer an die viel­leicht be­deu­tends­te Kom­po­si­ti­on Col­tra­nes: „A Lo­ve Su­pre­me“– 24 Mi­nu­ten lang! Le­hel sprach vom Ver­mächt­nis Col­tra­nes. Mit der Kom­po­si­ti­on, in der auch des­sen tie­fe Re­li­gio­si­tät zum Aus­druck kommt, spreng­te der Mu­si­ker die bis da­hin gül­ti­gen Kon­ven­tio­nen, in­dem er afri­ka­ni­sche und ori­en­ta­li­sche Ein­flüs­se auf­nahm. John Col­tra­ne wä­re am 23. Sep­tem­ber 90 Jah­re alt ge­wor­den.

Das Le­hel-Quar­tett kam ins gut be­such­te Do­mi­ci­le oh­ne Stamm­spie­ler Ul­li Möck am Pia­no. Ger­not Zieg­ler sprang ein. Le­hel lausch­te des­sen aus­ge­dehn­ten So­li mit an­däch­ti­gem Lä­cheln, of­fen­sicht­lich zu­frie­den mit dem, was er hör­te. Zieg­ler voll­zog den Stil von McCoy Ty­ner, der das John Col­tra­ne Quar­tett maß­geb­lich präg­te, stim­mig nach. An­sons­ten trat das Quar­tett, das 2016 sein 20-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert, mit Stamm­be­set­zung an: Mi­ni Schulz am Kon­tra­bass, Die­ter Schu­ma­cher am Schlag­zeug. Pe­ter Le­hels Oeu­vre ist breit an­ge­legt. 1965 in Karls­ru­he ge­bo­ren, ist der preis­ge­krön­te Mu­si­ker un­ter an­de­rem be­ein­flusst von klas­si­schen Kom­po­nis­ten wie Be­la Bar­tok, Ra­vel oder De­bus­sy so­wie von Rock à la King Crim­son, Pink Floyd und den Doors, de­nen er ei­ne ei­ge­ne CD wid­me­te. Ha­rald Bott

SA­XO­FO­NIST PE­TER LE­HEL folg­te mit sei­nem Quar­tett den mu­si­ka­li­schen Spu­ren des Jazz-Gotts John Col­tra­ne. Das Kon­zert im Do­mi­ci­le war gut be­sucht. Fo­to: Wa­cker

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