Un­ter­schlupf im St­ein­bruch

Laich­tüm­pel für sel­te­ne Gelb­bau­chun­ken fällt nun nicht mehr tro­cken

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Mar­ti­na Er­hard

Im St­ein­bruch Schäfer in Grün­wet­ters­bach wird seit Jah­ren kein Sand­stein mehr ab­ge­baut. Auf dem Ge­län­de ist mit der Zeit ein Tüm­pel ent­stan­den, in dem sich Gelb­bau­chun­ken an­ge­sie­delt ha­ben. Leuch­tend gel­be Fle­cken auf der Bauch­sei­te ge­ben den nur vier bis fünf Zen­ti­me­ter gro­ßen Hüp­fern ih­ren Na­men. „Die Gelb­bau­chun­ke ist ei­ne hoch­be­droh­te Am­phi­bi­en­art, die im Raum Karls­ru­he nur in die­sem St­ein­bruch und im Wein­gar­te­ner Moor vor­kommt“, er­klärt Ar­tur Bos­sert, der Vor­sit­zen­de der Grup­pe Karls­ru­he im Na­tur­schutz­bund (Na­bu).

Doch der Tüm­pel wu­chert zu, was den Le­bens­raum der Un­ken ein­schränkt, so Bos­sert. Nun wur­de die krö­ten­taug­li­che Was­ser­flä­che wie­der frei­ge­legt. Mit ei­nem Bag­ger schob der Fah­rer Ma­ik Lin­hart Sand und Schlamm bei­sei­te und ent­fern­te üp­pig wu­chern­des Schilf­gras. Fi­nan­ziert wird die Maß­nah­me durch 1 500 Eu­ro aus dem För­der­pro­gramm „Im­puls für die Viel­falt des Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens EnBW“. „Das Schilf­gras saugt ex­trem viel Was­ser und trägt so da­zu bei, dass der Tüm­pel im Som­mer sehr schnell aus­trock­net“, er­klärt Bos­sert. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren zo­gen die Gelb­bau­chun­ken wäh­rend der „Tro­cken­zeit“in ei­nen Fo­li­en­teich um, den der St­ein­bruch­be­sit­zer Jür­gen Schäfer ei­gens an­ge­legt hat­te. „Trotz die­ses En­ga­ge­ments ging die Po­pu­la­ti­on stän­dig zu­rück“, be­rich­tet Bos­sert. Er schätzt, dass ak­tu­ell noch et­wa 30 Ex­em­pla­re auf dem St­ein­bruch­ge­län­de le­ben.

„Die Tie­re brau­chen ein fla­ches, son­ni­ges Ge­wäs­ser, in dem sie im Früh­ling ih­ren Laich ab­le­gen kön­nen“, er­klärt der Na­bu-Ex­per­te. Ge­mein­sam mit St­ein­bruch­be­sit­zer Schäfer, dem Bio­lo­gen Ha­rald Brün­ner und Micha­el Waitz­mann von der Lan­des­an­stalt für Um­welt, Mes­sun­gen und Na­tur­schutz Ba­den-Würt­tem­berg (LUBW) ha­be man ei­ne Lö­sung für das Pro­blem ge­sucht, so Bos­sert. Das Aus­bag­gern des rund 100 Qua­drat­me­ter gro­ßen Was­ser­lochs wer­de die Si­tua­ti­on ver­bes­sern. „Wir ge­hen da­von aus, dass sich der Tüm­pel nach den Bag­ger­ar­bei­ten von selbst wie­der mit Was­ser fül­len wird“, sagt Bos­sert. Ei­gent­lich sei­en nun auch die Vor­aus­set­zun­gen da­für ge­schaf­fen, dass der Tüm­pel selbst an hei­ßen Som­mer­ta­gen nicht mehr kom­plett aus­trock­nen kön­ne, meint er.

Im Mo­ment be­fin­den sich die Gelb­bau­chun­ken im Win­ter­schlaf.

Auf dem Ge­län­de des St­ein­bruchs fin­den sie ge­nug Plät­ze, um sich zu ver­krie­chen und die kal­te Jah­res­zeit zu über­ste­hen.

DIE GELB­BAU­CHUN­KE ist sehr sel­ten ge­wor­den. Aus­ge­wach­sen wird sie nicht grö­ßer als fünf Zen­ti­me­ter. Fo­to: Pe­ter Stef­fen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.