Ver­bün­de­te und Freun­de

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - T. de Mai­ziè­re M. Grüt­ters

Es­sen. Ei­gent­lich muss An­ge­la Mer­kel nur ei­nen fürch­ten. Wolf­gang Schäu­b­le saß noch mit den EU-Fi­nanz­mi­nis­tern in Brüs­sel zu­sam­men, als die De­le­gier­ten des CDU-Par­tei­ta­ges ihn in Ab­we­sen­heit wie­der ins Prä­si­di­um ih­rer Par­tei wähl­ten. Mit ei­nem Er­geb­nis von 88,7 Pro­zent, nur knapp un­ter dem der Vor­sit­zen­den, schnitt er bes­ser ab als auf­stre­ben­de Nach­wuchs­kräf­te wie die rhein­land-pfäl­zi­sche Op­po­si­ti­ons­füh­re­rin Ju­lia Klöck­ner oder der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jens Spahn. Sei­nen in­of­fi­zi­el­len Ti­tel als Re­ser­vekanz­ler dürf­te der 74-jäh­ri­ge so ver­tei­digt ha­ben. An­ge­la Mer­kel kann da­mit gut le­ben. Ob­wohl ih­re Par­tei ihr mit ei­nem Wah­l­er­geb­nis von „nur“89,5 Pro­zent in Es­sen ei­nen klei­nen Denk­zet­tel ver­passt hat, ist die Kanz­le­rin die ei­gent­li­che Ge­win­ne­rin die­ses Par­tei­ta­ges. Ju­lia Klöck­ner, vor zwei Jah­ren noch mit knapp 97 Pro­zent in den Adels­stand ei­ner po­li­ti­schen Kron­prin­zes­sin er­ho­ben? Sie ver­lor sat­te zehn Pro­zent­punk­te. Tho­mas Strobl, ba­den­würt­tem­ber­gi­scher In­nen­mi­nis­ter und eben­falls stell­ver­tre­ten­der Par­tei­vor­sit­zen­der? Er pro­fi­liert sich neu­er­dings als kon­ser­va­ti­ver Hard­li­ner, wur­de da­für aber nicht be­lohnt, son­dern büß­te so­gar ei­nen gu­ten Pro­zent­punkt ein. Spahn, auf dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se ei­ner der pro­mi­nen­tes­ten und prä­sen­tes­ten Kri­ti­ker der Kanz­le­rin? Er ge­wann zwar leicht da­zu, aber bei wei­tem nicht so stark, dass man sein Wah­l­er­geb­nis als ver­kapp­tes Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen An­ge­la Mer­kel deu­ten könn­te. Im Par­tei­prä­si­di­um, dem in­ne­ren Zir­kel der CDU, sit­zen auch in den nächs­ten bei­den Jah­ren fast aus­nahms­los Ver­bün­de­te und Ver­trau­te der Vor­sit­zen­den - von ei­ner lang­jäh­ri­gen Mit­strei­te­rin wie der saar­län­di­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er bis zu In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re und der Ber­li­ner Lan­des­vor­sit­zen­den Mo­ni­ka Grüt­ters (Fo­tos: dpa), die in Es­sen bei­de neu in den CDU-Olymp ge­wählt wur­den. Auch bei den Wah­len zum Bun­des­vor­stand, dem er­wei­ter­ten Füh­rungs­kreis, er­ziel­te mit Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er ein al­ter Mer­kel-In­ti­mus das mit Ab­stand bes­te Er­geb­nis. Ru­di Wais

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