Und plötz­lich ist die Hei­zung kalt

Kurz­fris­ti­ge Leer­stän­de von Öl­tanks / Opec ir­ri­tiert Kun­den / Mi­ne­ral­öl­händ­ler ha­ben gut zu tun

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er

Mann­heim/Pforz­heim/Karls­ru­he. Die Opec will doch tat­säch­lich mit der För­der­kür­zung Ernst ma­chen – und dann hat auch noch Vä­ter­chen Frost Ein­zug ins Ba­di­sche ge­hal­ten. Bei­des führt da­zu, dass die Mi­ne­ral­öl­händ­ler in der Re­gi­on gut zu tun ha­ben. „Bis zur St­un­de wird ge­kauft – we­gen der Nach­rich­ten von der Opec und un­ter­stützt durch die Tem­pe­ra­tu­ren“, sagt Wal­de­mar Ha­damus, Ver­triebs­lei­ter in Karls­ru­he der Fir­ma Scharr Wär­me. Von „ei­nem Dop­pe­lef­fekt“spricht auch Ru­di App, Chef der ZG Raiff­ei­sen Ener­gie (Karls­ru­he). „Die Las­ter sind in der Tat un­ter­wegs; es wird auf­fal­lend mehr ge­kauft.“

Von ver­un­si­cher­ten Ver­brau­chern, die rät­seln, wie die Opec-Be­schlüs­se grei­fen, be­rich­tet Pe­ter Stahl. Der Ge­schäfts­füh­rer des Pforz­hei­mer Mi­ne­ral­öl­händ­lers Mast + Oeh­lert kon­sta­tiert gu­te Ge­schäf­te.

Dumm ge­lau­fen: Wer die Füll­stands­an­zei­ge sei­nes Heiz­öl­tanks aus dem Blick ver­lo­ren hat­te, kommt an die­sen Käl­te­ta­gen mit­un­ter in die Bre­douil­le. „Es gibt je­den Tag kurz­fris­ti­ge Leer­stän­de. Den Leu­ten geht schlicht­weg das Heiz­öl aus“, be­rich­tet Händ­ler Stahl. „Man­che sind über­rascht“, so auch sein Kol­le­ge Ha­damus.

In Deutsch­land hei­zen fünf Mil­lio­nen Haus­hal­te mit Öl – die meis­ten ha­ben die­ses Pro­blem im Griff. An­ders schaut es hin­sicht­lich der Opec-Po­li­tik aus. Ob die be­schlos­se­ne För­der­kür­zung des Kar­tells ab Ja­nu­ar tat­säch­lich greift, dürf­te aber zu­min­dest un­ge­wiss sein.

Der Ver­band für Ener­gie­han­del Süd­west-Mit­te (VEH/Mann­heim) be­rich­tet von ei­nem „kur­zen, aber ra­pi­den An­stieg der Roh­öl­prei­se“– mit Aus­wir­kun­gen auf das Heiz­öl. Der Ver­band sieht aber kei­nen Grund zur Sor­ge. Und dies vor al­lem aus zwei Grün­den: Die Opec wird nur dann ih­re För­de­rung sen­ken, wenn Nicht-Opec-Mit­glie­der ih­re ÖlHäh­ne eben­falls et­was zu­dre­hen. Zu­dem lehrt die Ge­schich­te, dass sich die Mit­glieds­staa­ten häu­fig nicht an ih­re ver­ein­bar­ten Dros­se­lun­gen hal­ten. Gold­man-Ana­lyst Jef­frey Cur­rie sag­te jüngst: „Wir ha­ben sämt­li­che 17 För­der­kür­zun­gen zwi­schen 1982 und 2009 an­ge­schaut. Im Durch­schnitt wur­den die Be­schlüs­se le­dig­lich zu 60 Pro­zent um­ge­setzt.“

Falls es aber tat­säch­lich zu ei­nem deut­li­chen Preis­an­stieg kä­me, wä­ren an­de­re Ak­teu­re wie­der mit von der Par­tie – al­len vor­an die USA, de­ren Schie­fe­röl­pro­duk­ti­on sich dann wie­der rich­tig ren­tie­ren wür­de.

VEH-Ge­schäfts­füh­rer Hans-Jür­gen Fun­ke pro­gnos­ti­ziert: „Wir rech­nen mit­tel­fris­tig da­mit, dass der Preis für Roh­öl zwar steigt, aber mit­tel­fris­tig nicht über dem Ni­veau von 60 Dol­lar je Bar­rel bleibt. Der Ver­brau­cher wür­de bei sol­chen Roh­ölBör­sen­prei­sen un­ge­fähr 62 Eu­ro pro 100 Li­ter Heiz­öl ei­ner 3 000-Li­ter-Or­der zah­len. Ei­ne Rück­kehr zu Roh­öl­prei­sen jen­seits der 100-Dol­larMar­ke er­war­tet der­zeit kaum je­mand.“Ak­tu­ell lie­ge der Heiz­öl­preis bei 62 bis 65 Cent je Li­ter.

Pa­nik we­gen der Prei­se ist aus Ex­per­ten­sicht al­so fehl am Platz – nö­tig aber der re­gel­mä­ßi­ge Blick aufs Ther­mo­me­ter und auf den Füll­stands­an­zei­ger des hei­mi­schen Tanks.

„Ver­brau­cher, die Heiz­öl für den Win­ter noch tan­ken müs­sen, soll­ten nicht zu lan­ge zö­gern. Bei den kal­ten Tem­pe­ra­tu­ren häu­fen sich die Be­stel­lun­gen beim Heiz­öl­händ­ler, und die Lie­fer­zeit­räu­me kön­nen bis zu zwei Wo­chen oder län­ger be­tra­gen“, sagt Hen­rik Schä­fer, VEH-Vor­stands­mit­glied und Ge­schäfts­füh­rer von Süd­west­ener­gie in Pforz­heim.

Von Lie­fer­zei­ten von zwei bis drei Wo­chen spricht man bei Scharr Wär­me. Ein bis zwei Wo­chen sei­en es bei Mast + Oeh­lert und et­wa zwei Wo­chen bei der ZG Raiff­ei­sen.

NACH­SCHUB FÜR DEN ÖLTANK IM KEL­LER: Die Opec-Po­li­tik und der Käl­te­ein­bruch ha­ben da­zu ge­führt, dass Mi­ne­ral­öl­händ­ler auch in der Re­gi­on vol­le Auf­trags­bü­cher ha­ben. Fo­to: pr

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