Was bringt ei­ne Re­form?

Die Bun­des­re­gie­rung plant Än­de­run­gen bei der Be­triebs­ren­te

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin. Das Ren­ten­ni­veau sinkt. Für ei­nen aus­kömm­li­chem Ru­he­stand sind zu­neh­mend pri­va­te Vor­sor­ge und Ab­si­che­rung über den Ar­beit­ge­ber ge­fragt. Die Ko­ali­ti­on will die Be­triebs­ren­te stär­ken. Ob das ge­lingt, ist aus Sicht von Kri­ti­kern al­ler­dings frag­lich. Un­se­re Mit­ar­bei­te­rin Frie­de­ri­ke Marx gibt Ant­wor­ten auf Fra­gen da­zu:

War­um soll die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung ge­stärkt wer­den?

We­ni­ger als 60 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten ha­ben ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge. Vor al­lem Ge­ring­ver­die­ner und Mit­ar­bei­ter klei­ne­rer Un­ter­neh­men ste­hen häu­fi­ger oh­ne Be­triebs­ren­te da.

Was ist der Kern der Re­form?

Un­ter­neh­men sol­len die Hö­he der Be­triebs­ren­te nicht mehr ga­ran­tie­ren müs­sen. Sie sol­len le­dig­lich zu­sa­gen, die Bei­trä­ge der Be­schäf­tig­ten an Pen­si­ons­kas­sen, Pen­si­ons­fonds oder Ver­si­che­run­gen ab­zu­füh­ren. 15 Pro­zent des um­ge­wan­del­ten Ent­gelts müs­sen Ar­beit­ge­ber als Zu­schuss an die Pen­si­ons­ein­rich­tung zah­len. Die Hö­he des Zu­satz­plus im Al­ter hängt von der Ver­mö­gens­ent­wick­lung der Ein­rich­tun­gen ab. Auch sie sol­len kei­ne fes­ten Zu­sa­gen ma­chen. Vor­aus­set­zung ist, dass sich Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaf­ten in Ta­rif­ver­trä­gen auf das vor­ge­schla­ge­ne So­zi­al­part­ner­mo­dell ei­ni­gen.

Was be­deu­tet der Vor­schlag für die Be­schäf­tig­ten?

Sie wis­sen nicht, wie hoch das Zu­satz­plus im Al­ter aus­fällt. Für die ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge und de­ren Ver­zin­sung gibt es kei­ne Ga­ran­tie. We­der ihr Un­ter­neh­men noch die Pen­si­ons­ein­rich­tun­gen sol­len die Hö­he der Be­triebs­ren­te bei dem Mo­dell fest zu­sa­gen. Die Ent­haf­tung der Ar­beit­ge­ber dür­fe „nicht zu Las­ten der Be­schäf­tig­ten und auf de­ren Ri­si­ko“er­fol­gen, for­dert der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB). Was heißt das für Un­ter­neh­men?

„Die Ein­füh­rung ei­ner rei­nen Bei­trags­zu­sa­ge oh­ne Ga­ran­tie­leis­tun­gen im Rah­men von Ta­rif­ver­trä­gen führt zu Kos­ten­si­cher­heit und zum Weg­fall der Haf­tung für Ar­beit­ge­ber“, so Be­triebs­ren­ten-Ex­per­te Uwe Bu­chem vom Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Mer­cer. „Ob das Mo­dell ein Er­folg wird, hängt letzt­lich von den Ta­rif­part­nern ab.“Für ein­zel­ne Ge­werk­schaf­ten könn­te es in­ter­es­sant sein, ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen mit­zu­ge­stal­ten. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA sieht zwar Chan­cen, mehr Un­ter­neh­men mit ins Boot zu ho­len. Er warnt aber da­vor, die Mög­lich­keit durch zu vie­le Vor­aus­set­zun­gen zu ver­spie­len. Klei­ne­re und mitt­le­re Un­ter­neh­men sei­en oft nicht ta­rif­ge­bun­den und wür­den da­her nicht pro­fi­tie­ren.

Wie­so sind fes­te Zu­sa­gen ein Pro­blem?

Die ho­hen Zu­sa­gen der Ver­gan­gen­heit las­sen sich an­ge­sichts der Nied­rig­zin­sen am Ka­pi­tal­markt kaum noch er­wirt­schaf­ten. Dar­un­ter lei­den Ver­si­che­rer, Pen­si­ons­kas­sen und Co aber auch die Un­ter­neh­men selbst. Kürzt bei­spiels­wei­se ei­ne Pen­si­ons­kas­se die Ver­zin­sung künf­ti­ger Bei­trä­ge, dann muss der Ar­beit­ge­ber ein­sprin­gen, der sei­nen Be­schäf­tig­ten die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung an­bie­tet.

Wie be­ur­tei­len Ver­si­che­rer die Plä­ne?

Die Bran­che stößt sich vor al­lem dar­an, dass auch Pen­si­ons­kas­sen, -fonds und Ver­si­che­rer kei­ne Ga­ran­ti­en mehr ge­ben dür­fen. Da­mit wä­re die Zu­sa­ge ei­ner Min­dest­ren­te im Al­ter nicht mehr mög­lich, ar­gu­men­tiert der Bran­chen­ver­band GDV. Auch Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­ker der ein­fluss­rei­chen Deut­schen Ak­tuar­ver­ei­ni­gung hal­ten das Ver­bot von Ga­ran­tie­zu­sa­gen „we­der für er­for­der­lich, noch hilf­reich für die ver­stärk­te Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge“.

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