Wolf steht un­er­war­tet oft im Ram­pen­licht

Der Jus­tiz­mi­nis­ter und un­ter­le­ge­ne CDU-Her­aus­for­de­rer von Kret­sch­mann ist im Amt an­ge­kom­men

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. Wenn es nicht ge­ra­de zu mys­te­riö­sen To­des­fäl­len hin­ter Ge­fäng­nis­mau­ern kommt, hat ein Jus­tiz­mi­nis­ter von Ba­den-Würt­tem­berg in der Re­gel ei­nen be­re­chen­ba­ren Job ab­seits der gro­ßen Schlag­zei­len. Die Ar­beit von Rich­tern, Staats­an­wäl­ten und Rechts­pfle­gern geht meist ge­räusch­arm über die Büh­ne, wes­halb ihr Di­enst­herr im Ka­bi­nett tra­di­tio­nell nicht die ers­te Gei­ge spielt. Gui­do Wolf, ehe­dem Spit­zen­kan­di­dat der CDU und Her­aus­for­de­rer von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann, war das be­wusst, als er sich nach der ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Land­tags­wahl in die Pflicht neh­men ließ und in der grün-schwar­zen Ko­ali­ti­on den Jus­tiz­mi­nis­ter mach­te. Nicht nur für die Rechts­pfle­ge im Länd­le ist Wolf des­halb seit­her zu­stän­dig. Son­dern auch für die öf­fent­lich­keits­wirk­sa­me­ren The­men Eu­ro­pa und für Tou­ris­mus.

Die Sor­ge des Ober­schwa­ben, als NurJus­tiz­mi­nis­ter dem Des­in­ter­es­se von Me­di­en und Bür­gern an­heim­zu­fal­len, hat sich bis­lang frei­lich kaum als be­grün­det er­wie­sen – und das lag nicht aus­schließ­lich an Wolfs Sturz vom Moun­tain­bike, der ihn zeit­wei­se an die Krü­cken zwang.

Ak­tu­ell macht der frü­he­re Tutt­lin­ger Land­rat und Ex-Land­tags­prä­si­dent mit der For­de­rung über­re­gio­nal Schlag­zei­len, auch DNA-In­for­ma­tio­nen wie Au­gen-, Haut- und Haar­far­be kri­mi­na­lis­tisch nut­zen zu dür­fen – ei­ne For­de­rung, die im Rah­men des Frei­bur­ger Falls (sie­he ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel) Be­ach­tung fand. Und erst vor we­ni­gen Wo­chen mach­te sich Wolf an­ge­sichts ei­nes an­ders­lau­ten­den Spruchs des Ver­wal­tungs­ge­richts Augs­burg für ein Ver­bot des Kopf­tuchs für Rich­te­rin­nen und Staats­an­wäl­tin­nen stark.

Jetzt ver­hilft ei­ne denk­wür­di­ge Mah­nung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG)

Rich­ter war­nen vor Un­ter­be­set­zung

Karls­ru­he dem Nach­fol­ger von SPDMann Rai­ner Sti­ckel­ber­ger zu er­neu­ter Auf­merk­sam­keit. Die dor­ti­gen Rich­ter warn­ten un­längst vor ei­ner Un­ter­be­set­zung: Die man­geln­de Per­so­nal­aus­stat­tung der Ge­rich­te kön­ne da­zu füh­ren, dass das ver­fas­sungs­recht­li­che Ge­bot ei­ner funk­ti­ons­tüch­ti­gen Straf­rechts­pfle­ge aus­ge­he­belt wer­de. An­lass für die Rü­ge in Rich­tung des Haus­halts­ge­setz­ge­bers, sprich: des Land­tags, war der Fall ei­nes jus­tiz­be­kann­ten Dro­gen­dea­lers. Nach 14 Mo­na­ten Un­ter­su­chungs­haft kam der Mann auf frei­en Fuß, ob­schon die Rich­ter aus­drück­lich ei­ne Flucht­ge­fahr be­jah­ten. Der Um­stand, dass der Vor­sit­zen­de Rich­ter der zu­stän­di­gen Straf­kam­mer am Of­fen­bur­ger Land­ge­richt in den Ru­he­stand trat, soll maß­geb­lich zur Ver­zö­ge­rung des Ver­fah­rens bei­ge­tra­gen ha­ben. Vor drei Jah­ren be­reits muss­te das OLG Stutt­gart die Haft­be­feh­le ge­gen fünf Dro­gen­händ­ler au­ßer Kraft set­zen. Das Land­ge­richt Heil­bronn hat­te sich we­gen Über­las­tung nicht in der La­ge ge­se­hen, die Haupt­ver­hand­lung in­ner­halb ei­nes recht­lich ein­wand­frei­en Zei­t­raums statt­fin­den zu las­sen. Die Öf­fent­lich­keit re­agier­te mit Un­ver­ständ­nis.

Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf ver­set­zen sol­che Per­so­nal­eng­päs­se in ei­ne macht­vol­le Ver­hand­lungs­po­si­ti­on. Es ge­lang ihm, im Ent­wurf für den Lan­des­haus­halt des kom­men­den Jah­res die re­spek­ta­ble Zahl von 74 neu­en Stel­len für Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu ver­an­kern. Doch im Jus­tiz­dienst des Lan­des fehlt auch dann noch Per­so­nal in drei­stel­li­ger Hö­he. Bis 2020 müss­te es in­stal­liert sein, denn dann greift die Schul­den­brem­se und ver­ei­telt grö­ße­re Sprün­ge.

JUS­TIZ­MI­NIS­TER GUI­DO WOLF stockt die Zahl der Rich­ter und Staats­an­wäl­te im Land auf, um dem Ver­fas­sungs­ge­bot ei­ner funk­tio­nie­ren­den Straf­rechts­pfle­ge zu ent­spre­chen. Fo­to: Mu­rat

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