Wech­sel­fäl­le ei­ner Vio­li­ne

Sch­lich­tungs­stel­le schlägt Ver­gleich mit Er­ben des jü­di­schen Vor­be­sit­zers vor

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Im Fall ei­ner mög­li­cher­wei­se von den Na­zis ge­raub­ten wert­vol­len Gei­ge hat die Sch­lich­tungs­stel­le vor­ge­schla­gen, dass die Er­ben des frü­he­ren Be­sit­zers 100 000 Eu­ro er­hal­ten sol­len. Das gab ges­tern das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg be­kannt. Das In­stru­ment des Gei­gen­bau­meis­ters Gi­u­sep­pe Guar­ne­ri hat­te dem jü­di­schen In­stru­men­ten­händ­ler Fe­lix Hil­des­hei­mer aus Spey­er ge­hört. Er und sei­ne Fa­mi­lie sei­en durch die ras­sis­ti­sche Ver­fol­gung wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in den Tod bzw. in die Emi­gra­ti­on ge­trie­ben wor­den, heißt es in der Emp­feh­lung der be­ra­ten­den Kom­mis­si­on für die Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern, die ih­ren jü­di­schen Be­sit­zern von den Na­zis ge­raubt wor­den wa­ren. Es lie­ge na­he, dass das In­stru­ment der Fa­mi­lie durch Zwangs­ver­kauf oder Be­schlag­nah­mung ge­nom­men wor­den sei.

Der­zeit ist die Gei­ge im Be­sitz der Franz Hof­mann und So­phie Ha­ge­mann Stif­tung mit Sitz in Nürn­berg, die das In­stru­ment hoch­be­gab­ten Stu­den­ten der Nürn­ber­ger Hoch­schu­le für Mu­sik zur Ver­fü­gung stel­len will. Die Nach­wuchs­mu­si­ker sol­len ver­pflich­tet wer­den, mit Kon­zer­ten in Spey­er an die Ge­schich­te der Fa­mi­lie Hil­des­hei­mer zu er­in­nern. Die Kom­mis­si­on emp­fiehlt, dass die Gei­ge in der Stif­tung bleibt und die­se zum Aus­gleich 100 000 Eu­ro an die Er­ben Hil­des­hei­mers zahlt. Denn der Markt­wert des In­stru­ments lie­ge bei et­wa 150 000 Eu­ro. Da­von sei­en aber noch die drin­gend nö­ti­gen Re­pa­ra­tur­kos­ten von et­wa 50 000 Eu­ro ab­zu­zie­hen.

Die Stif­tung hat­te gro­ßen Auf­wand be­trie­ben, um die frü­he­ren Be­sit­zer der Gei­ge aus dem Jahr 1706 zu fin­den. Hil­des­hei­mer hat­te das In­stru­ment im Jahr 1938 ge­kauft. Im Jahr dar­auf nahm er sich das Le­ben. Sei­ne Frau He­le­ne wur­de 1940 nach Gurs in Süd­frank­reich de­por­tiert, ihr Ei­gen­tum wur­de von der Gesta­po be­schlag­nahmt. 1941 ge­lang es ihr, in die USA zu flüch­ten. Im Jahr 1974 kauf­te dann die Nürn­ber­ger Gei­ge­rin So­phie Ha­ge­mann das In­stru­ment in Köln. Wo die Gei­ge in der Zwi­schen­zeit war, ist un­be­kannt. Noch dem Tod Ha­ge­manns 2010 ging die Vio­li­ne in den Be­sitz der Stif­tung über.

An­fang 2014 trat nach in­ter­na­tio­na­ler Be­richt­er­stat­tung über den Fall ei­ne der Töch­ter des Speye­rers Fe­lix Hil­des­hei­mer mit der Stif­tung in Kon­takt – die da­mals 100 Jah­re al­te Mar­tha Strauss, die in den USA leb­te. Auch sie ist in­zwi­schen ge­stor­ben. Die recht­mä­ßi­gen Er­ben sind ih­re Kin­der und ih­re Schwes­ter. dpa

Fe­lix Hil­des­hei­mer war ein Bür­ger aus Spey­er

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