Im Kern­ge­schäft op­ti­mal ein­ge­stellt

Auf­stei­ger Dres­den liegt sport­lich mehr als im Soll – für Är­ger sorg­te nur der Ad­vents­ka­len­der

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Chris­toph Ruf

Dres­den. „Wer den Scha­den hat, braucht für den Spott nicht zu sor­gen“– an die­ses Sprich­wort dürf­ten sich die Mit­ar­bei­ter der Dresd­ner Mar­ke­ting­ab­tei­lung zu­letzt häu­fi­ger er­in­nert ge­fühlt ha­ben. Wie vie­le an­de­re Fuß­ball-Clubs ver­kauf­te auch der säch­si­sche Zweit­li­gist ei­nen Scho­ko-Ad­vents­ka­len­der an sei­ne Fans. Den hat­te der Gros­sist zwar mit dem rich­ti­gen Ver­eins­wap­pen be­druckt, al­ler­dings mit ei­ner sti­li­sier­ten Sky­line, die ne­ben der Frau­en­kir­che auch zwei ver­meint­li­che Dresd­ner Wahr­zei­chen ent­hielt, die gar kei­ne sind: die Düs­sel­dor­fer Rh­ein­knie­brü­cke und der Frank­fur­ter Eu­ro­pa­turm.

Dass die­se An­ek­do­te der größ­te Auf­re­ger im Säch­si­schen ist, sieht man dort al­ler­dings als po­si­ti­ves Zei­chen. Denn im ei­gent­li­chen Kern­ge­schäft fal­len die Schlag­zei­len po­si­tiv aus. Platz sie­ben be­legt man als Auf­stei­ger, mit 23 Punk­ten ist man der Ta­bel­len­spit­ze nä­her als den Ab­stiegs­rän­gen. Und das, ob­wohl man vor der Sai­son den Tor­schüt­zen­kö­nig der ver­gan­ge­nen Dritt­li­ga­sai­son, Jus­tin Ei­lers (Bre­men), eben­so ver­lor wie Ab­wehr­chef Micha­el He­fe­le (Hud­ders­field Town). Doch Dy­na­mo ist – ähn­lich wie der Ta­bel­len­vier­te Hei­den­heim – ei­ne Mann­schaft, die von ih­rem Trai­ner Uwe Neu­haus op­ti­mal auf die Er­for­der­nis­se der Zwei­ten Li­ga ein­ge­stellt wird: Mann­schaft­li­che Ge­schlos­sen­heit und ei­ne gu­te de­fen­si­ve Or­ga­ni­sa­ti­on ste­hen über al­lem, doch so­bald die Haus­auf­ga­ben er­le­digt sind, ent­wi­ckelt das Team auch of­fen­siv viel Spiel­freu­de.

Mit­te Ok­to­ber, beim 5:0 über den VfB Stutt­gart, er­leb­te man ei­ne Stern­stun­de. Und selbst beim 0:1 bei 1860 Mün­chen am ver­gan­ge­nen Sams­tag hät­te man als Sie­ger vom Platz ge­hen müs­sen – Dy­na­mo war das klar bes­se­re Team, Ro­bert Kutsch­ke (fünf Sai­son­tref­fer) und sei­ne Kol­le­gen ver­ga­ben aber auch bes­te Tor­ge­le­gen­hei­ten. Dass die Chan­cen­ver­wer­tung der­zeit die größ­te Schwä­che des Teams ist, weiß auch Ni­k­las Kreu­zer. „Dar­an müs­sen wir auf je­den Fall ar­bei­ten. Wir hät­ten uns die letz­ten Wo­chen noch leich­ter ge­tan, wenn wir frü­her das Tor ma­chen“, sag­te der Sohn des neu­en, al­ten KSC-Sport­di­rek­tors Oli­ver Kreu­zer den „Dresd­ner Neu­es­ten Nach­rich­ten“. Der 23 Jah­re al­te Ab­wehr­mann spielt im drit­ten Jahr bei Dy­na­mo und ist im Ge­gen­satz zum ehe­ma­li­gen Karls­ru­her Tor­wart Je­anFran­cois „Jeff“Kor­netz­ky Stamm­kraft. Mit sei­nem Va­ter hat er die­se Wo­che noch nicht te­le­fo­niert, erst nach dem Spiel am mor­gi­gen Frei­tag (18.30 Uhr) ge­gen den Ta­bel­len­dritt­letz­ten aus Karls­ru­he wol­len sich die bei­den wie­der aus­tau­schen.

„Viel­leicht ist es die Schwel­le, an der wir ste­hen, sol­che Spie­le für uns zu ent­schei­den“, sagt Trai­ner Neu­haus mit Blick auf die Par­tie in Mün­chen. Neu­haus muss in Dres­den der­zeit die Eu­pho­rie brem­sen. Nach dem Selbst­ver­ständ­nis der Fans ge­hört ihr Club mit­tel­fris­tig so­wie­so in die Ers­te Li­ga. Und zu­min­dest die 1860-Fans, die sich am Sams­tag ei­ner akus­ti­schen Über­macht von mehr als 15 000 mit­ge­reis­ten Dy­na­moAn­hän­gern ge­gen­über­sa­hen, dürf­ten das ähn­lich se­hen. „Es ist im­mer Wahn­sinn, wenn du aus­wärts das Ge­fühl hast, du hast ein Heim­spiel“, freu­te sich Ka­pi­tän Mar­co Hart­mann. Das ech­te Heim­spiel ge­gen den KSC ist – wen wun­dert es – wird na­he­zu aus­ver­kauft sein.

Fo­to: im­a­go

SOHN EMP­FÄNGT VA­TER: Dres­dens Ni­k­las Kreu­zer trifft auf den KSC, bei dem Oli­ver Kreu­zer wie­der Sport­chef ist.

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