Dau­er­hoch im Nor­den

Tor­frau Wol­te­ring glänzt

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Cla­ra Wol­te­ring

Kris­ti­an­stad (sid). In grau­er Jog­ging­ho­se und blau­en Turn­schu­hen schlurf­te Cla­ra Wol­te­ring (Fo­to: dpa) durch die Lob­by des Te­am­ho­tels und ließ sich in den nächs­ten Ses­sel fal­len. „Schlecht ge­schla­fen“, nu­schel­te die Tor­hü­te­rin des Deut­schen Hand­ball­bun­des (DHB) am Mit­tag nach der 20:22-Nie­der­la­ge ge­gen Frank­reich bei der EM in Schwe­den. Die un­ru­hi­ge Nacht muss­te Wol­te­ring je­doch schnell ab­ha­ken, denn die Deut­schen brau­chen heu­te (18.30 Uhr/ sport1.de) ge­gen Po­len ei­ne wei­te­re Glanz­leis­tung der 33-Jäh­ri­gen, um die Haupt­run­de zu er­rei­chen.

Wol­te­ring, mit 15 Pa­ra­den und 41 Pro­zent ge­block­ten Wür­fen zur bes­ten Spie­le­rin der Par­tie ge­wählt, woll­te gar nicht so sehr über sich selbst re­den. Das er­le­dig­ten ih­re Mit­spie­le­rin­nen für sie: „Wir hat­ten ei­ne über­ra­gen­de Cla­ra hin­ten drin“, lob­te Rück­raum­spie­le­rin Kim Naid­zi­nia­vici­us. Spiel­füh­re­rin An­na Lo­er­per sag­te, Wol­te­ring hal­te der Mann­schaft „den Rü­cken frei“.

Ähn­lich wie beim über­ra­schen­den Auf­takt­sieg ge­gen die Nie­der­lan­de zeig­ten die deut­schen Hand­bal­le­rin­nen ei­ne gu­te Vor­stel­lung, am En­de fehl­ten Klei­nig­kei­ten. „Der letz­te Kick, der ge­gen die Nie­der­lan­de noch da war, hat ge­gen Frank­reich nicht ge­klappt“, sag­te Wol­te­ring: „Wir ha­ben aber al­len ge­zeigt, was wir in der La­ge sind zu spie­len.“

Vier Jah­re lang spiel­te die 33-Jäh­ri­ge als Voll­pro­fi beim mon­te­ne­gri­ni­schen Spit­zen­club Bu­duc­nost Pod­go­ri­ca, ge­wann zwei­mal die Cham­pi­ons Le­ague. Im Som­mer 2015 wech­sel­te sie je­doch zu­rück in die Hei­mat zu Bo­rus­sia Dort­mund, da sie den Hof ih­rer El­tern über­nom­men hat­te. Im west­fä­li­schen Coes­feld ist sie nun Her­rin über 92 000 Hüh­ner und 250 Bul­len. „Mei­ne El­tern ha­ben mich all die Jah­re so gut un­ter­stützt, jetzt muss ich mal et­was zu­rück­ge­ben“, sag­te Wol­te­ring. Es kom­me schon mal vor, dass sie auf­grund ei­nes un­vor­her­ge­se­he­nen Vor­falls auf dem Hof ei­ne Trai­nings­ein­heit ver­pas­se, auf ihr Spiel hat das aber of­fen­bar kei­ne Aus­wir­kun­gen.

Schon vor dem Tur­nier hat­te Wol­te­ring ih­re be­son­de­re Rol­le in der Mann­schaft her­aus­ge­stellt. „In 60 Mi­nu­ten gibt es Hö­hen und Tie­fen“, sag­te sie: „Wenn mei­ne Ab­wehr ge­ra­de ein Tief hat und ich in dem Mo­ment das Hoch, wä­re das na­tür­lich die per­fek­te Er­gän­zung.“Ge­gen die Nie­der­lan­de und Frank­reich hat­te die Tor­hü­te­rin je­weils ei­ne 60-mi­nü­ti­ge Hoch­pha­se. Ge­gen die Fran­zö­sin­nen ha­be sich die DHB-Aus­wahl laut Wol­te­ring „ein paar Aus­zei­ten“ge­nom­men, sei an „ei­ge­nen Feh­lern ge­schei­tert“. Ge­gen Po­len müs­sen De­ckung und Rück­zug wie­der kon­stant funk­tio­nie­ren. Doch auch vor­ne muss es klap­pen, 20 ei­ge­ne To­re sind zu we­nig.

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