Vor­stoß verpufft

Bund will kein Geld in „Re­si­denz­bahn“ste­cken

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Enz­kreis/Pforz­heim (ko). Weil halb­wegs par­al­lel zur Bahn-Stamm­stre­cke zwi­schen Karls­ru­he und Stutt­gart die ICE-Schnell­fahr­stre­cke über Bruch­sal ver­läuft, sieht der Bund kei­ne aku­te Ver­an­las­sung, die al­te Stre­cke über Pforz­heim und Mühl­acker grund­le­gend aus­zu­bau­en. Die­se so­ge­nann­te „Re­si­denz­bahn“ha­be nur re­gio­na­len Cha­rak­ter, ver­brei­te­te der Vor­sit­zen­de des Re­gio­nal­ver­bands Nord­schwarz­wald, Jür­gen Kurz, ges­tern ei­ne ak­tu­el­le In­for­ma­ti­on aus Ber­lin. Im re­gio­na­len Pla­nungs­aus­schuss, der ges­tern in Bir­ken­feld tag­te, mach­te sich nun voll­ends Er­nüch­te­rung breit, nach­dem schon im Au­gust be­kannt wur­de, dass das Bun­des­ka­bi­nett die Fort­schrei­bung des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans oh­ne das Pro­jekt Karls­ru­he – Pforz­heim – Stutt­gart be­schlos­sen hat­te. Zwar hat­te der Pla­nungs­aus­schuss in sei­ner Sit­zung im Sep­tem­ber ei­ne Re­so­lu­ti­on an die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Re­gi­on ver­ab­schie­det, mit der Druck ge­macht wer­den soll­te, den Aus­bau der Re­si­denz­bahn mit Kur­ven­be­gra­di­gun­gen und Op­ti­mie­rung der Si­gnal­tech­nik ins Bun­des­bau­pro­gramm auf­zu­neh­men. Auch der Staats­se­kre­tär im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, Nor­bert Barth­le, er­hielt die­ses Pa­pier aus Pforz­heim.

Doch die­ser Vor­stoß ver­puff­te of­fen­bar, so dass nach ak­tu­el­lem Stand der Bund für den Schie­nen­aus­bau von Karls­ru­he in Rich­tung Stutt­gart bis 2030 kei­ne Mit­tel be­reit­stel­len wird. Auch auf die Ein­hal­tung ei­nes fast 30 Jah­re al­ten Ver­trags zwi­schen Land, Re­gi­on, Kom­mu­nen und Bund zu po­chen, scheint mitt­ler­wei­le die Grund­la­ge ent­zo­gen. Sei­ner­zeit war ver­ein­bart wor­den, dass die Bahn­stre­cke Karls­ru­he – Vai­hin­gen aus­zu­bau­en wä­re, nach­dem die­se Stamm­stre­cke durch die In­be­trieb­nah­me der Schnell­bahn­stre­cke Mann­heim – Stutt­gart vom Fern­ver­kehr ab­ge­hängt wur­de. Jetzt heißt es aus Ber­lin: Eben durch die­se ICE-Stre­cke sei­en die eins­ti­gen Re­si­denz­städ­te von Ba­den und Würt­tem­berg hin­rei­chend an Fern­ver­kehrs­li­ni­en an­ge­bun­den. Die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Kat­ja Mast prä­zi­sier­te auf An­fra­ge die beim Re­gio­nal­ver­band vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen da­hin­ge­hend, dass das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um all je­ne Schie­nen­stre­cken aus dem Ver­fah­ren ge­nom­men ha­be, die „nur“ei­ne re­gio­na­le Be­deu­tung, al­so „kei­nen Nut­zen für den über­re­gio­na­len Ver­kehr“be­sä­ßen, was Bun­des­mit­tel recht­fer­ti­gen kön­ne.

Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ha­be in die­sem Zu­sam­men­hang auf Mit­tel nach dem Ge­mein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (GVFG) ver­wie­sen, die erst vor kur­zem dau­er­haft ver­ste­tigt wor­den sei­en und von den Län­dern ver­ge­ben wür­den. Die­se dien­ten da­zu, re­gio­na­le Ver­kehrs­pro­jek­te aus­zu­bau­en. Für Mast ist die­se Vor­ge­hens­wei­se un­er­freu­lich, weil es sich bei al­len Schie­nen­we­gen um sol­che des Bun­des han­de­le. Die DB-Netz AG will nicht un­tä­tig blei­ben und hat für das Jahr 2018 um­fang­rei­che Gleis­ar­bei­ten zwi­schen Dur­lach und Mühl­acker ein­schließ­lich Wei­chen­um­bau­ten im Bahn­hof Mühl­acker ge­plant. Die­se sol­len sich dann von Mai bis No­vem­ber er­stre­cken und mit ab­schnitts­wei­sen To­tal­sper­run­gen auf der Stre­cke ver­bun­den sein, wie aus ei­ner Pu­bli­ka­ti­on der Bahn im In­ter­net her­vor­geht.

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