Fest­es­sen Fehl­an­zei­ge

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Das war mein denk­wür­digs­tes Weih­nachts­fest ... „Das Weih­nachts­fest 1945, das die Fa­mi­lie mit Groß­va­ters selbst ge­bas­tel­ter Krip­pe und ge­schmück­tem Tan­nen­baum in der Kü­che fei­er­te, wer­de ich nie ver­ges­sen“, er­zählt Win­fried Scheu­er­mann. „Mei­ne El­tern hat­ten ge­hofft, dass Mut­ter und ich vor Flie­ger­an­grif­fen, wie wir sie wäh­rend des Krie­ges in Mann­heim er­lebt hat­ten, bei den Groß­el­tern in Ras­tatt si­cher sei­en und wa­ren zu ih­nen ge­zo­gen. Doch auch hier fie­len in den letz­ten Kriegs­ta­gen noch Bom­ben und das Haus, in dem wir zu­sam­men wohn­ten, wur­de sehr be­schä­digt. Heil ge­blie­ben war nur die Kü­che, in der sich dann das ge­sam­te Fa­mi­li­en­le­ben ab­spiel­te.“Der 78-jäh­ri­ge Il­lin­ger er­in­ne­re sich noch ge­nau, dass der Win­ter 1945 sehr kalt und die Koh­le knapp war. „Doch wir sa­ßen im War­men vor un­se­rer Krip­pe, denn die vier of­fe­nen Flam­men des Gas­her­des nutz­ten wir auch als Hei­zung.“Fest­es­sen und vie­le Ge­schen­ke? Fehl­an­zei­ge.

Die Mut­ter sei froh ge­we­sen, dass sie et­was War­mes zum An­zie­hen für ihn hat­te, da­zu noch ein Buch. „Das war dann das Höchs­te“, er­in­nert sich das ehe­ma­li­ge Land­tags­mit­glied und denkt kurz dar­über nach, wie­so er sich als klei­ner Bub mit den we­ni­gen Ga­ben so glück­lich ge­fühlt ha­be. „Da wir al­le nichts hat­ten, gab es auch nichts, das ich ver­mis­sen konn­te. So ein­fach war das da­mals.“

Mit Win­fried Scheu­er­mann, der seit 1971 Mit­glied im Il­lin­ger Ge­mein­de­rat ist und seit 1979 im Kreis­tag sitzt, sprach Eva Fi­litz.

EIN BUCH ALS GE­SCHENK hat Win­fried Scheu­er­mann an Weih­nach­ten 1945 glück­lich ge­macht. Fo­to: ef

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.