„Der Raub der Sa­bi­ne­rin­nen“in Rem­chin­ger Kul­tur­hal­le pro­mi­nent be­setzt

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Hier wird kei­ner ge­raubt und es heißt auch nie­mand Sa­bi­ne. Trotz­dem er­freut „Der Raub der Sa­bi­ne­rin­nen“seit in­zwi­schen mehr als 125 Jah­ren im­mer wie­der das Pu­bli­kum. Im Jah­re 1883 wur­de das Thea­ter­stück von Franz und Paul Schönt­han ge­schrie­ben und 1884 in Stet­tin ur­auf­ge­führt. Seit­dem wur­de die Ge­schich­te nicht nur in zahl­rei­chen Thea­tern ge­spielt und 1954 von Curt Goetz über­ar­bei­tet, son­dern auch sie­ben­mal als Hör­spiel auf­ge­führt, ei­ne Mu­si­cal­fas­sung ge­schaf­fen und mehr­fach ver­filmt. Nun wur­de das Stück um den Thea­ter­di­rek­tor Strie­se, der ver­sucht, Gym­na­si­al­pro­fes­sor Goll­witz zu über­re­den, ihm sein Thea­ter­stück zu über­las­sen, am Di­ens­tag in der Kul­tur­hal­le in Rem­chin­gen auf­ge­führt. Kat­ha­ri­na Thal­bach ver­kör­pert mit Ema­nu­el Strie­se und sei­ner Frau Lui­se, gleich zwei Rol­len und füllt die­se auch kom­plett aus. Sie spielt mit ei­ner In­ten­si­tät und emo­tio­na­len Ur­ge­walt. Man nimmt ihr den klei­nen, di­cken und lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­di­rek­tor, der mit Leib und See­le für sein Thea­ter kämpft, zu hun­dert Pro­zent ab. Durch ihr star­kes Spiel, bei dem man stel­len­wei­se ver­gisst, dass sie kein Mann ist, ge­lingt es ihr zu­dem, die an­de­ren Rol­len auf­zu­wer­ten. Dies merkt man be­son­ders deut­lich bei Ron­ny Miersch, der Emil Gross, auch „Ster­neck“ge­nannt, spielt. Er­scheint er im ers­ten und zwei­ten Akt noch et­was blass und fah­rig, so wan­delt sich das schlag­ar­tig bei der Sze­ne mit Lui­se Strie­se. Be­son­ders im Zu­sam­men­spiel mit Nel­lie Thal­bach, die die jüngs­te Toch­ter des Pro­fes­sors spielt, er­blüht er in Spiel­freu­de. Of­fen­bar ge­ben ihm star­ke Part­ne­rin­nen die nö­ti­ge Si­cher­heit, um sein Spiel voll ent­fal­ten zu kön­nen. Nel­lie Thal­bach spielt Pau­la Goll­witz nicht, sie ist Pau­la Goll­witz. Süß, un­schul­dig, be­rech­nend und ex­trem smart. Je­de Fa­cet­te ih­rer Rol­le trifft sie auf den Punkt und spielt ab­so­lut glaub­wür­dig. Hier reift ei­ne Schau­spie­le­rin her­an, der es zu­zu­trau­en ist, dass sie ih­re Groß­mut­ter in ab­seh­ba­rer Zeit so­gar über­flü­geln kann. An­na Thal­bach, die Toch­ter von Kat­ha­ri­na Thal­bach und Mut­ter von Nel­lie, spielt Ma­ri­an­ne Ne­u­meis­ter. Oder bes­ser ge­sagt, sie schreit Ma­ri­an­ne Ne­u­meis­ter. Laut, hek­tisch und an­sons­ten ziem­lich in­halts­los, teilt sie sich die­ses Schick­sal mit der nicht min­der lau­ten und über­dreh­ten Son­ja Hil­ber­ger als Frie­de­ri­ke Goll­witz. So hu­schen die bei­den Ehefu­ri­en ab und an durch das stim­mungs­vol­le Büh­nen­bild. Im­mer­hin hat man mit Richard Ba­ren­berg als Dok­tor Leo­pold Ne­u­meis­ter ei­nen Ehe­mann be­setzt, der sei­ner Büh­nen­e­he­frau in nichts nach­steht. Sieg­fried Ka­dow wirkt als Karl Gross za­ckig wie ein al­ter preu­ßi­scher Ge­ne­ral. Wür­de­voll und dis­tin­gu­iert geht er nicht über die Büh­ne, er schrei­tet. In sei­nen we­ni­gen Sze­nen spielt er au­then­tisch und stark. Dass Mar­kus Völ­len­klee nicht wirk­lich ein al­ter Mann ist, merkt man in sei­ner Rol­le als Pro­fes­sor Mar­tin Goll­witz nicht. Oft­mals er­in­nert er stark an den von Erich Pon­to 1944 ge­spiel­ten Pro­fes­sor Crey aus der Feu­er­zan­gen­bow­le. Dies ver­leiht sei­nem Büh­nen­cha­rak­ter ei­ne sehr sym­pa­thi­sche Aus­strah­lung. Lach­te das Pu­bli­kum in Akt eins und zwei noch meis­tens bei den Auf­trit­ten von Kat­ha­ri­na Thal­bach, so stei­ger­te sich dies in Akt drei von Sze­ne zu Sze­ne. Dies lag vor al­lem dar­an, dass die Schau­spie­ler im letz­ten Akt noch­mal ei­ne deut­li­che Schip­pe drauf­leg­ten. Am En­de gab es mi­nu­ten­lan­gen Ap­plaus.

Ron Tee­ger

MIT EMO­TIO­NA­LER UR­GE­WALT spiel­te Kat­ha­ri­na Thal­bach, hier in der Rol­le der Di­rek­tors­gat­tin Lui­se Strie­se (links), so­wohl Ehe­frau als auch Ehe­mann Ema­nu­el Strie­se. Ne­ben ihr: Ron­ny Miersch als Emil Gross. Fo­to: rt

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