Ein Ele­fant spa­ziert durch den Zoo

Früh­sport für Nan­da: Vor der Öff­nung des Tier­gar­tens dreht die Dick­häu­te­rin ei­ne gro­ße Run­de auf den Be­su­cher­we­gen

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Su­san­ne Jock

Die Mor­gen­tem­pe­ra­tur ist noch un­ter dem Ge­frier­punkt, und den See über­zieht ei­ne dün­ne Eis­schicht. Hin­aus in die Käl­te, und dann auch noch zum Früh­sport? Ele­fan­ten­kuh Nan­da kos­tet dies kei­ne Über­win­dung, im Ge­gen­teil: Ein biss­chen un­ge­dul­dig steht sie auf der Wie­se ge­gen­über des Dick­häu­ter­hau­ses, wo sonst Zwerg­po­nys oder Al­pa­kas gra­sen. Zu ei­nem Spa­zier­gang durch den Stadt­gar­ten wird Nan­da gleich star­ten – ei­ne Ex­tra­tour, die man dem Tier drei­mal die Wo­che an­ge­dei­hen lässt, er­klärt Zoo­chef Mat­thi­as Rein­schmidt den vie­len Jour­na­lis­ten, die Nan­da an die­sem Mor­gen be­glei­ten wol­len. Die zu­sätz­li­che Por­ti­on Be­we­gung soll der Ar­thro­se vor­beu­gen, die Nan­da – an­ders als ih­re Art­ge­nos­sin­nen Ra­ni und Shan­ti – glück­li­cher­wei­se noch nicht zu­setzt, führt Re­vier­lei­ter Ro­bert Scholz aus. Mit Brot­stü­cken hal­ten er und sein Kol­le­ge Se­bas­ti­an Stritt die Ele­fan­ten­kuh bei Lau­ne – und dann darf sie loss­pa­zie­ren.

Nan­da plagt der Graue Star

Be­däch­tig und ein biss­chen schwan­kend setzt sie Fuß hin­ter Fuß und folgt ih­rem Rüs­sel, der im­mer wie­der über den Bo­den tas­tet. Der Graue Star plagt die graue Rie­sin, so dass sie kaum noch et­was sieht, er­klärt Scholz. Frei­wil­lig lau­fe sie da­her im Ge­he­ge nur we­nig. Schnel­ler wird Nan­da, als Scholz und Stritt sie mit der Hand in der Stoß­zahn­ta­sche füh­ren – of­fen­sicht­lich ist, welch gro­ßes Ver­trau­en die Ele­fan­ten­kuh ih­ren Pfle­gern ent­ge­gen bringt. Ge­ra­de so passt sie mit ih­ren zwei­ein­halb Me­tern Kör­per­grö­ße un­ter der Stadt­gar­ten­brü­cke hin­durch. Dann geht es auf dem Be­su­cher­weg nach links Rich­tung See. Ein biss­chen Rüs­seln und Schnup­pern, das Laub auf dem Bo­den bei­sei­te­schie­ben – der Aus­flug bie­tet un­ge­wohn­te Ge­rü­che und Ein­drü­cke. Die sich im Früh­ling, wenn Kräu­ter, Blu­men, Stau­den und Bäu­me blü­hen, ver­viel­fa­chen wer­den. 1 100 Qua­drat­me­ter groß ist die Au­ßen­an­la­ge der Ele­fan­ten der­zeit, auf 3 000 soll sie im kom­men­den Jahr wach­sen. „Nun ist Nan­das Le­bens­raum auf 20 Hekt­ar ver­grö­ßert“, meint der Zoo­chef.

Zu schwer für die Brü­cke

Die Holz­brü­cke über den Ka­nal ist nicht ele­fan­ten­taug­lich: Auf 1,5 Ton­nen ist sie aus­ge­legt, Nan­da bringt lo­cker 3,5 auf die Waage. Al­so schlen­dern Nan­da, Scholz und Stritt am Stadt­gar­ten­see ent­lang Rich­tung Nor­den. Im­mer mal wie­der ma­chen die Pfle­ger der Ele­fan­ten­kuh den Spa­zier­gang mit ei­nem Le­cker­li schmack­haft. Di­rekt vor ih­ren Fü­ßen plat­zie­ren sie die Brot­stü­cke, da­mit Nan­da sie spürt und sich dann mit dem Rüs­sel auf die Su­che ma­chen kann. Aus dem Ei­mer, den Se­bas­ti­an Stritt trägt, darf sie das Fut­ter nicht sti­bit­zen – was sie aber nicht da­von ab­hält, es im­mer mal wie­der zu ver­su­chen.

In Hö­he der Boots­an­le­ge­stel­le gibt Nan­da dann al­les: Wie im täg­li­chen Trai­ning auf der Ele­fan­ten­an­la­ge hebt sie den Rüs­sel und ein Vor­der­bein. Schließ­lich ist ja Früh­sport an­ge­sagt. Die Ka­me­ras kli­cken. Und Nan­da kas­siert das nächs­te Le­cker­li.

Zu­se­hen nur von au­ßen

Beim Strei­chel­zoo, des­sen Be­woh­ner noch in ih­ren Stäl­len sind, ist der Wen­de­punkt. Auf dem Weg zwi­schen dem Spiel­platz und den Pa­vil­lons der Schach­spie­ler spa­ziert die Dick­häu­te­rin zu­rück Rich­tung Ele­fan­ten­haus. Auf der Zoo­brü­cke be­ob­ach­ten die ers­ten Pas­san­ten den Aus­flug. Da­mit Nan­da ih­re Aus­flü­ge wei­ter­hin un­ge­stört ge­nie­ßen kann, wird das Pu­bli­kum sie auch künf­tig nur von dort oben se­hen kön­nen. „Nan­da ist ein sehr lie­ber Ele­fant und nicht ge­fähr­lich – aber nicht je­der Zoo­be­su­cher ver­hält sich ver­nünf­tig“, be­grün­det Ro­bert Scholz, war­um der „Ele­phant-Walk“vor der Öff­nung des Zoos statt­fin­det. Aus Si­cher­heits­grün­den sind auch im­mer zwei Pfle­ger mit Nan­da un­ter­wegs und ha­ben für den Not­fall den Ele­fan­ten­ha­ken da­bei.

Vor dem Ele­fan­ten­haus gibt es für Nan­da et­was zu knab­bern und wei­te­re Be­schäf­ti­gung: Äs­te zer­klei­nert sie mit dem Fuß und dem Rüs­sel, dann ver­leibt sie sich das Fut­ter mit Genuss ein.

Kei­ne en­ge Be­zie­hung

Ei­ne hal­be St­un­de war sie letzt­lich un­ter­wegs, ei­nen knap­pen Ki­lo­me­ter hat sie nun in den Bei­nen. Sehn­sucht nach ih­ren Art­ge­nos­sin­nen hat sie kei­ne, und auch die­se ver­mis­sen Nan­da nicht. „So eng ist die Be­zie­hung zwi­schen ih­nen nicht“, weiß der Re­vier­lei­ter.

Fros­ti­ge Tem­pe­ra­tu­ren sind üb­ri­gens auch kein Grund, auf den Spa­zier­gang zu ver­zich­ten, stellt Scholz klar. Le­dig­lich Glatt­eis sei für die Dick­häu­ter ge­fähr­lich. Ei­ne St­un­de Käl­te hal­ten aber auch die emp­find­li­chen Ele­fan­te­n­oh­ren völ­lig pro­blem­los aus. Nur soll­te es an­schlie­ßend ins War­me ge­hen. Und so en­det auch Nan­das gest­ri­ger Früh­sport: Zu­rück ins Dick­häu­ter­haus, ab un­ter die Du­sche, und dann ein rich­ti­ges Früh­stück. bnn.de

Fo­to: jo­do

ELE­FANT AUF EX­TRA­TOUR: Ei­nen Rund­gang durch den Zoo un­ter­nimmt das frü­he­re Zir­kus­tier Nan­da re­gel­mä­ßig mit den Pfle­gern Ro­bert Scholz (rechts) und Se­bas­ti­an Stritt. Ges­tern spa­zier­ten vie­le Jour­na­lis­ten und Zoo­chef Mat­thi­as Rein­schmidt (links) mit.

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