EZB ge­hen die Ar­gu­men­te aus

MA­RIO BELTSCHAK

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

In Frank­furt nichts Neu­es: Dass die Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) sich für ei­ne Fort­set­zung ih­rer ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik ent­schei­den wür­de, kam in et­wa so über­ra­schend wie ein Sieg der Deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft über Va­nua­tu. An den Bör­sen klet­ter­ten die Kur­se ent­spre­chend schon ei­ni­ge Ta­ge vor der gest­ri­gen Be­kannt­ga­be. Das hängt auch da­mit zu­sam­men, dass in­zwi­schen auch ei­ni­gen „ge­wöhn­li­chen“Spa­rern ein Licht auf­ge­gan­gen ist: Mit der ak­tu­el­len Mar­sch­rich­tung der EZB wird Geld auf der Bank sehr wahr­schein­lich noch für län­ge­re Zeit kei­ne Ren­di­te mehr ab­wer­fen.

Die­ser Um­stand sorgt in gro­ßen Tei­len der Be­völ­ke­rung je­doch zu­neh­mend für Un­mut. Denn den Zen­tral­ban­kern um Ma­rio Draghi, die schon lan­ge bil­li­ges Geld auf den Markt pum­pen, ge­hen lang­sam die Ar­gu­men­te für ih­ren Kurs aus. Sie be­grün­den ihn vor al­lem da­mit, dass sie für Preis­sta­bi­li­tät sor­gen wol­len. Die sei ge­ge­ben, wenn die In­fla­ti­ons­ra­te bei et­wa zwei Pro­zent lie­ge. Von die­ser Mar­ke ist man laut of­fi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken zwar im­mer noch weit ent­fernt. Die Rea­li­tät für die Ver­brau­cher weist je­doch we­nig Be­zug zur Sta­tis­tik auf.

Wer bei­spiels­wei­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen mit dem Au­to an die Tank­stel­le fuhr, staun­te beim Blick auf die Preis­an­zei­ge nicht schlecht. Tan­ken wur­de wie­der deut­lich teu­rer. Ge­sorgt hat da­für die Opec mit ih­rem Be­schluss zur Kür­zung der Öl-För­der­men­ge. Und die Zapf­säu­len sind längst nicht der ein­zi­ge Ort, an dem tie­fer in die Ta­schen ge­grif­fen wer­den muss. Im Ge­gen­zug gibt es fürs Spa­ren kei­ne Be­loh­nung mehr. Schließ­lich müs­sen Ban­ken für ge­park­tes Geld in­zwi­schen Straf­zin­sen zah­len.

Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen wird die In­fla­ti­on kaum auf nied­ri­gem Ni­veau blei­ben. Sie zog zu­letzt schon wie­der an. Wer des­we­gen je­doch mit ei­ner Kehrt­wen­de der EZB rech­net, dürf­te ent­täuscht wer­den. Die In­fla­ti­on oder ei­ne gut lau­fen­de Wirt­schaft sind längst nicht mehr die ei­gent­li­chen Zie­le, die Draghi und Co ver­fol­gen. Es geht viel­mehr um Eu­ro­pa. Wie wirkt sich der Br­ex­it letzt­lich aus? Ge­lingt Grie­chen­land ein Schul­den­schnitt? Was plant ei­ne neue Re­gie­rung in Ita­li­en? Ob­wohl die­se Fra­gen von der Po­li­tik zu be­ant­wor­ten sind, mischt sich die EZB ein, in­dem sie den Geld­hahn of­fen lässt. Ne­ga­ti­ve Fol­gen nimmt sie bil­li­gend in Kauf.

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