Macht­spie­le in Ru­mä­ni­en

RU­DOLF GRU­BER

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ru­mä­ni­en steht vor schwie­ri­gen Wo­chen: Am Sonn­tag wählt das Land ein neu­es Par­la­ment. Das bür­ger­li­che La­ger will da­bei die Rück­kehr der als kor­rupt be­zeich­ne­ten So­zia­lis­ten an die Macht ver­hin­dern. Doch ei­ne zu ge­rin­ge Wahl­be­tei­li­gung könn­te das Vor­ha­ben am En­de durch­kreu­zen. Die Ru­mä­nen er­leb­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­nen der lang­wei­ligs­ten Wahl­kämp­fe seit der de­mo­kra­ti­schen Wen­de 1989. Der Grund: Die bis in die Kno­chen als kor­rupt ver­ru­fe­ne po­li­ti­sche Eli­te scheut den di­rek­ten Kon­takt zum Volk, be­son­ders in den Städ­ten will sie kaum ein Wäh­ler mehr se­hen. Der Wahl­kampf fand da­her vor­wie­gend im Fern­se­hen statt.

Trotz­dem konn­te ein New­co­mer das Par­tei­en­sys­tem auf­mi­schen: Mit Ni­cu­sor Dan, ei­nem Ma­the­ma­ti­ker, prä­sen­tiert sich den Wäh­lern ei­ne Art An­ti-Po­li­ti­ker. Er führt die eher lo­se or­ga­ni­sier­te Par­tei „Uni­on Ret­tet Ru­mä­ni­en“(USR). Pro­gno­sen se­hen die USR bei bis zu 19 Pro­zent­punk­ten. Par­tei­chef Dan hofft, dass

er vor al­lem die po­li­tisch ent­täusch­te jun­ge Ge­ne­ra­ti­on für sei­ne Be­we­gung be­geis­tern kann. Im Be­mü­hen um Se­rio­si­tät und Auf­rich­tig­keit wirkt er al­ler­dings häu­fig steif und un­nah­bar. Bei ei­nem gu­ten Ab­schnei­den wä­re Dans USR für das bür­ger­lich-li­be­ra­le La­ger ei­ne wert­vol­le Stüt­ze, um doch noch ei­ne neu­er­li­che Macht­über­nah­me der post­kom­mu­nis­ti­schen So­zia­lis­ti­schen Par­tei (PSD) zu ver­hin­dern.

Das EU-Mit­glieds­land Ru­mä­ni­en macht den Brüs­se­ler Eu­ro­kra­ten der­zeit ver­gleichs­wei­se we­nig Sor­gen, ob­wohl das Land am Schwar­zen Meer kaum de­mo­kra­tie­po­li­ti­sche Fort­schrit­te macht. Das Bud­get­de­fi­zit Ru­mä­ni­ens liegt knapp über den er­laub­ten drei Pro­zent­punk­ten des Brut­to­na­tio­nal­pro­dukts, die hei­mi­sche Wirt­schaft wächst in die­sem Jahr um fünf Pro­zent, stär­ker als an­ders­wo in Eu­ro­pa. Er­folg­reich ar­bei­tet die An­ti­kor­rup­ti­ons­be­hör­de DNA, die sich von der po­li­ti­schen Gän­ge­lei frei­spie­len konn­te.

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