Mer­kels Ab­sa­ge sorgt für Un­mut in der CDU

„Kanz­le­rin ist bei der Min­der­heit“/ Lob von der CSU

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Mar­tin Ferber

Ber­lin. Die klei­ne Schwes­ter ist zu­frie­den und spart nicht mit Lob – auch wenn ihr un­term Strich die Be­schlüs­se der gro­ßen Schwes­ter noch im­mer nicht weit ge­nug ge­hen. Doch in Mün­chen re­gis­triert man mit Wohl­wol­len, dass die CDU auf ih­rem Par­tei­tag in Es­sen in der Aus­län­der- und Flücht­lings­po­li­tik deut­lich vom bis­he­ri­gen Kurs der Bun­des­kanz­le­rin ab­ge­rückt ist und sich wie­der ein kon­ser­va­ti­ve­res Pro­fil zu­ge­legt hat. Ab­schaf­fung der dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaft und Rück­kehr zur al­ten Re­ge­lung, dass sich in Deutsch­land ge­bo­re­ne Kin­der von Aus­län­dern zwi­schen 18 und 23 Jah­ren für ei­nen Pass ent­schei­den müs­sen, stren­ge­re Auf­la­gen für Flücht­lin­ge, kon­se­quen­te­re Ab­schie­bung, Ein­rich­tung von Auf­nah­me­la­gern in Nord­afri­ka so­wie das Be­kennt­nis der Kanz­le­rin, dass sich so et­was wie 2015 nie mehr wie­der­ho­len darf – hat die CDU mit die­sen Po­si­tio­nen Frie­den mit der CSU ge­schlos­sen und den Streit kurz vor Be­ginn des Wahl­jah­res bei­ge­legt?

Für CSU-Chef Horst See­ho­fer, der als Fol­ge des Streits mit sei­ner CDU-Kol­le­gin An­ge­la Mer­kel zum ers­ten Mal in sei­ner Amts­zeit nicht auf ei­nem CDUPar­tei­tag ge­spro­chen hat, stimmt die Rich­tung, Mer­kel und die CDU wür­den sich auf die CSU-Po­si­tio­nen zu­be­we­gen, at­tes­tiert er in der „Süd­deut­schen Zei­tung“, um al­ler­dings ein­zu­schrän­ken: „Wir sind noch längst nicht über den Berg.“So po­che die CSU wei­ter­hin auf die Fest­le­gung ei­ner Ober­gren­ze bei der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen.

In der CDU sor­gen vor al­lem der Be­schluss zur Ab­schaf­fung der dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaft und die Äu­ße­run­gen von Par­tei­che­fin Mer­kel, sich als Bun­des­kanz­le­rin nicht an die­sen Be­schluss hal­ten zu wol­len, da sie ihn für falsch hal­te, für Dis­kus­sio­nen. Die CDU ha­be sich in die­ser Fra­ge „klar po­si­tio­niert“, sagt Axel E. Fi­scher, CDU-Ab­ge­ord­ne­ter für den Wahl­kreis Karls­ru­he-Land, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. „Wenn die Bun­des­kanz­le­rin dar­auf hin­weist, dass es in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode kei­ne Än­de­run­gen ge­ben wer­de, ist sie rea­lis­tisch. Wenn sie den Be­schluss für falsch hält, ist sie in die­ser Sach­fra­ge bei der Min­der­heit. Das kann auch Re­gie­rungs­chefs pas­sie­ren.“

Im La­ger der Kon­ser­va­ti­ven hat man we­nig Ver­ständ­nis für Mer­kel. „Wenn die Vor­sit­zen­de Mehr­heits­be­schlüs­se des obers­ten Ent­schei­dungs­or­gans der CDU nicht be­ach­tet, kön­nen wir uns künf­tig den gan­zen Auf­wand ei­nes Bun­des­par­tei­tags spa­ren“, kri­ti­siert Chris­te­an Wa­gner, der Vor­sit­zen­de des kon­ser­va­ti­ven „Ber­li­ner Krei­ses in der Uni­on“. Der Vor­sit­zen­de der CDU-Lan­des­grup­pe Ba­den-Würt­tem­berg im Bun­des­tag, der Kon­stan­zer Andre­as Jung, weist ge­gen­über un­se­rer Zei­tung den Vor­wurf des Ko­ali­ti­ons­part­ners wie der Op­po­si­ti­on zu­rück, die CDU sei in Es­sen nach rechts ge­rückt. „Un­ser Platz ist und bleibt die Mit­te.“Un­ter­stüt­zung er­hält Mer­kel vom hes­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Vol­ker Bouf­fier und der rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­vor­sit­zen­den Ju­lia Klöck­ner. „Ich den­ke nicht, dass die­ser Be­schluss in die Re­gie­rungs­ar­beit in Ber­lin ein­ge­hen wird“, sagt Bouf­fier. Klöck­ner ver­weist dar­auf, dass je­der Par­tei­tag „im­mer ei­ne ei­ge­ne Dy­na­mik“ha­be, für „CDU pur“ste­he und nicht da­für, „dass am nächs­ten Tag der Ko­ali­ti­ons­ver­trag um­ge­schmis­sen wird“.

STREITTHEMA: Die Mehr­heit der CDU will den Dop­pel­pass nicht. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.