Ret­tung in Sicht

Über­nah­me-Hür­de für Au­to­werk­statt­ket­te ATU ge­nom­men

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter An­dré Jahn­ke

Wei­den. Die gut 10000 Be­schäf­ti­gen bei ATU kön­nen auf­at­men: Im zä­hen Rin­gen um die Zu­kunft der an­ge­schla­ge­nen Au­to­werk­statt­ket­te ist nach An­ga­ben aus Ver­hand­lungs­krei­sen ei­ne Ei­ni­gung er­zielt wor­den. Da­mit ist die ent­schei­den­de Hür­de für die ge­plan­te Über­nah­me durch den fran­zö­si­schen Kon­zern Mo­bi­via ge­nom­men. ATU woll­te dies we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren. Mo­na­te­lang war ver­han­delt wor­den, zu­letzt stand die Ei­ni­gung auf der Kip­pe, es droh­te so­gar die In­sol­venz.

„Heu­te ist ein gro­ßer Tag für ATU“

Mo­bi­via ist nach ei­ge­nen An­ga­ben mit rund 11 000 Mit­ar­bei­tern und 1,76 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz Markt­füh­rer in Eu­ro­pa. Die Fran­zo­sen hat­ten be­reits im Sep­tem­ber ei­nen Kauf­ver­trag un­ter Vor­be­halt un­ter­schrie­ben. Der Knack­punkt wa­ren je­doch die bis­he­ri­gen, ho­hen Mie­ten für die Werk­stät­ten. Mo­bi­via war zu­nächst nicht be­reit, Miet­ver­trä­ge für knapp die Hälf­te der rund 600 Nie­der­las­sun­gen zu über­neh­men. Nach­dem die Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten markt­üb­li­che Mie­ten in Aus­sicht stell­ten, hat­ten sie zu­letzt ei­ne Son­der­zah­lung von 100 Mil­lio­nen Eu­ro ge­for­dert.

Hin­ter dem nie­der­län­di­schen Ver­mie­ter Li­no ste­cken als Kre­dit­ge­ber un­ter an­de­rem die Deut­sche Bank so­wie Hed­ge­fonds. Am 17. No­vem­ber war bei ATU des­halb ei­ne Not­ge­schäfts­füh­rung ein­ge­setzt wor­den. Ei­ne Frist für ei­ne Ei­ni­gung galt bis ges­tern um Mit­ter­nacht. Hät­ten sich die Be­tei­lig­ten nicht ge­ei­nigt, hät­te ATU ei­ne In­sol­venz ge­droht. „Heu­te ist ein gro­ßer Tag für ATU und da­mit für Wei­den – und für die ATU-Mit­ar­bei­ter ein vor­ge­zo­ge­ner Hei­li­ger Abend“, sag­te der Ober­bür­ger­meis­ter von Wei­den, Kurt Seg­ge­weiß (SPD) der Zei­tung „Der Neue Tag“.

Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner (CSU) hat­te die Be­tei­lig­ten zur Ver­nunft auf­ge­ru­fen. „Ich ap­pel­lie­re an die Ver­hand­lungs­part­ner, ins­be­son­de­re das Ma­nage­ment der Deut­schen Bank, ih­rer ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung ge­recht zu wer­den“, hat­te Ai­g­ner vor der Ent­schei­dung mit­ge­teilt. Ei­ne In­sol­venz ken­ne kei­ne Ge­win­ner und ge­fähr­de 10 000 Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land. „Ich ha­be kein Ver­ständ­nis für Macht­po­ker auf dem Rü­cken der Ar­beit­neh­mer.“ATU wur­de 1985 von Pe­ter Un­ger ge­grün­det und be­treibt heu­te 577 Werk­stät­ten in Deutsch­land, 25 in Ös­ter­reich und sechs in der Schweiz.

Nach vie­len Ei­gen­tü­mer- und Chef­wech­seln ge­hört ATU der­zeit noch ei­ner In­ves­to­ren­grup­pe um den Hed­ge­fonds Center­bridge. Nach Un­ter­neh­mens­krei­sen muss­te ATU für knapp die Hälf­te der Nie­der­las­sun­gen bis zu zwölf Eu­ro Mie­te pro Qua­drat­me­ter zah­len statt markt­üb­li­cher vier Eu­ro. Für das Ge­schäfts­jahr 2016/17 hat­te ATU ei­nen Um­satz von knapp ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro an­ge­peilt, was nach Jah­ren schrump­fen­der Er­lö­se erst­mals wie­der ei­nen leich­ten An­stieg be­deu­ten wür­de. Die fran­zö­si­sche Werk­statt­ket­te Mo­bi­via ist in Deutsch­land bis­her nicht ver­tre­ten.

SELBST EIN FALL FÜR DIE WERK­STATT ist die Au­to­werk­statt­ket­te ATU, die nun vor der Über­nah­me durch den fran­zö­si­schen Kon­zern Mo­bi­via steht. Da­mit kön­nen gut 10 000 Be­schäf­ti­ge wie­der auf­at­men. Fo­to: dpa

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