Ein Leib­niz-Preis geht an das KIT

Karls­ru­her Wis­sen­schaft­le­rin Brit­ta Nest­ler er­hält mit 2,5 Mil­lio­nen do­tier­te Aus­zeich­nung

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von An­ne Weiss und Sön­ke Möhl

Karls­ru­he/Bonn. Der Leib­niz-Preis der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) gilt als wich­tigs­ter For­schungs­för­der­preis in Deutsch­land. Zehn aus­ge­zeich­ne­te Wis­sen­schaft­ler er­hal­ten je­weils 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro für ih­re For­schungs­ar­bei­ten, dar­un­ter in die­sem Jahr auch ei­ne For­sche­rin des Karls­ru­her In­sti­tuts für Tech­no­lo­gie (KIT). Die 44 Jah­re al­te Phy­si­ke­rin Brit­ta Nest­ler er­hal­te den Preis für ih­re For­schungs­ar­bei­ten in der com­pu­ter­ge­stütz­ten Ma­te­ri­al­for­schung und zur Ent­wick­lung neu­er Ma­te­ri­al­mo­del­le, teil­ten die DFG so­wie das KIT mit.

Wie ent­wi­ckelt sich die Mi­kro­struk­tur ei­nes Werk­stoffs wäh­rend der Her­stel­lung, bei­spiels­wei­se beim Gie­ßen oder Wal­zen von Ble­chen? Wel­chen Ein­fluss auf die Le­bens­dau­er ha­ben Wär­me oder me­cha­ni­sche Be­an­spru­chung et­wa in Kraft­werks­kes­seln oder So­lar­an­la­gen? Um die­sen Fra­gen nach­ge­hen zu kön­nen, er­forscht Brit­ta Nest­ler mit­hil­fe com­pu­ter­ge­stütz­ter Si­mu­la­tio­nen die Mi­kro­struk­tu­ren von Ma­te­ria­li­en. Sie ha­be auf die­sem Ge­biet nach An­ga­ben der DFG her­aus­ra­gen­de grund­la­gen­wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se er­zielt, die auch gro­ße prak­ti­sche Re­le­vanz hät­ten. Ih­re Si­mu­la­ti­ons­rech­nun­gen helfen den An­ga­ben zu­fol­ge et­wa bei der Vor­her­sa­ge der Riss­aus­brei­tung in Werk­stof­fen wie Brems­schei­ben und er­mög­li­chen so, de­ren Le­bens­dau­er zu ver­län­gern.

„Brit­ta Nest­ler ar­bei­tet höchst er­folg­reich in­ter­dis­zi­pli­när in der com­pu­ter­ge­stütz­ten Ma­te­ri­al­for­schung und ge­hört zu den Top-Wis­sen­schaft­le­rin­nen in ih­rem Fach­ge­biet“, sagt der Prä­si­dent des KIT, Hol­ger Han­sel­ka. Nest­ler sei 2001 Deutsch­lands jüngs­te Pro­fes­so­rin ge­we­sen und er­hielt seit­her zahl­rei­che Prei­se, un­ter an­de­rem im Jahr 2007 den Lan­des­for­schungs­preis Ba­den-Würt­tem­berg. „Die Aus­zeich­nung mit dem Leib­niz-Preis ist hoch ver­dient und wir sind stolz auf Brit­ta Nest­ler“, be­tont Han­sel­ka wei­ter. Seit 2010 forscht und lehrt Brit­ta Nest­ler am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) und ist dort Mit­glied der kol­le­gia­len Lei­tung des In­sti­tuts für An­ge­wand­te Ma­te­ria­li­en. Zu­dem ist sie seit 2008 Di­rek­to­rin der Ab­tei­lung Com­pu­ta­tio­nal Ma­te­ri­als Sci­ence and En­gi­nee­ring am In­sti­tu­te of Ma­te­ri­als and Pro­ces­ses an der Hoch­schu­le Karls­ru­he Tech­nik Wirt­schaft (HsKA). Eben­falls 2008 grün­de­te die Mut­ter von vier Kin­dern das St­ein­beis-Trans­fer­zen­trum – und „Werk­stoff­si­mu­la­ti­on und Pro­zess­op­ti­mie­rung“, das sie auch lei­tet.

Ein wei­te­rer Ba­den-Würt­tem­ber­ger er­hält in­des ei­nen Leib­niz-Preis, wie die DFG wei­ter mit­teilt: Der 47 Jah­re al­te Che­mi­ker Joa­chim Spatz von der Ruprecht-Karls-Uni­ver­si­tät Hei­del­berg wird für sei­ne For­schun­gen an der Gren­ze von Ma­te­ri­al­wis­sen­schaft und Zell­bio­phy­sik aus­ge­zeich­net. Spatz ist auch Di­rek­tor am Max-Planck-In­sti­tut für In­tel­li­gen­te Sys­te­me in Stutt­gart. Bei

Seit 2010 forscht und lehrt Phy­si­ke­rin am KIT Ein wei­te­rer Preis­trä­ger aus Ba­den-Würt­tem­berg

sei­nen For­schun­gen ge­he es um die Haf­tung und Bin­dung von Zel­len an­ein­an­der und auf Ober­flä­chen.

Der Gott­fried-Wil­helm-Leib­niz-Preis wird seit 1986 jähr­lich von der DFG ver­ge­ben. Er zeich­net her­aus­ra­gen­de Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler für ih­re For­schun­gen auf al­len Ge­bie­ten der Wis­sen­schaft aus. Das Preis­geld kön­nen die For­scher in ei­nem Zei­t­raum von bis zu sie­ben Jah­ren nach ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen für ih­re wis­sen­schaft­li­che Ar­beit aus­ge­ben. Der Preis gilt welt­weit als ei­ner der wich­tigs­ten Wis­sen­schafts­prei­se – sie­ben Preis­trä­ger er­hiel­ten nach dem Leib­niz-Preis auch den No­bel­preis. Ver­lie­hen wer­den die Prei­se am 15. März 2017 in Ber­lin.

BRIT­TA NEST­LER er­hält den Preis für ih­re Ma­te­ri­al­for­schung am KIT. Fo­to: San­dra Göt­tis­heim, KIT

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