Ko­ali­ti­on legt Streit bei

Kom­pro­miss zum The­ma re­li­giö­se Klei­dung im Ge­richt naht

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bet­ti­na Grach­trup

Stutt­gart. Der Ko­ali­ti­ons­streit zum Um­gang mit re­li­gi­ös be­set­zen Klei­dungs­stü­cken im Ge­richts­saal ist so gut wie bei­ge­legt. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Andre­as Schwarz sag­te in Stutt­gart, für haupt­amt­li­che Rich­ter und Staats­an­wäl­te sol­le das Tra­gen von re­li­giö­sen Sym­bo­len we­gen der Neu­tra­li­täts­pflicht der Jus­tiz aus­ge­schlos­sen sein. Für an­de­re Grup­pen, dar­un­ter Schöf­fen, Rechts­pfle­ger und Pro­to­kol­lan­ten, sol­le das Ver­bot aber nicht gel­ten, sag­te Schwarz. Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) si­gna­li­sier­te Zu­stim­mung: „Das Ent­schei­den­de ist für mich, dass es in Ba­den-Würt­tem­berg kei­ne Rich­ter und Staats­an­wäl­te mit re­li­giö­sen Sym­bo­len gibt.“

CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart sag­te, er be­grü­ße, dass sich die Grü­nen sich in der Sa­che doch noch be­weg­ten. „Da­her se­he ich ei­ne gu­te Chan­ce, dass wir ei­nen Kom­pro­miss beim Ver­bot re­li­gi­ös be­setz­ter Klei­dungs­stü­cke im Ge­richts­saal ver­ein­ba­ren und um­set­zen kön­nen.“„Wir mei­nen, dass wir da­mit ei­ne prag­ma­ti­sche Lö­sung ha­ben“, sag­te Schwarz. Den Vor­schlag wol­len die Grü­nen am kom­men­den Di­ens­tag mit der CDU im Ko­ali­ti­ons­aus­schuss dis­ku­tie­ren.

Bis­lang war sich die Ko­ali­ti­on bei dem The­ma nicht ei­nig ge­wor­den. Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf hat­te ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­ge­legt, weil aus sei­ner Sicht et­wa das Tra­gen von Kopf­tü­chern im Ge­richts­saal ge­gen das Neu­tra­li­täts­prin­zip der Jus­tiz spricht. Ei­ni­ge Grü­ne hat­ten aber be­zwei­felt, dass es über­haupt ei­nen Re­ge­lungs­be­darf gibt. Es geht bei der Dis­kus­si­on um al­le deut­lich sicht­ba­ren re­li­giö­sen Sym­bo­le, zum Bei­spiel auch die jü­di­sche Kip­pa. Mi­nis­ter Wolf sag­te zu dem sich ab­zeich­nen­den

Schöf­fen sol­len von Ver­bot aus­ge­nom­men sein

Kom­pro­miss: „Wenn wir uns am En­de dar­auf ver­stän­di­gen soll­ten, ist klar: In Ba­den-Würt­tem­berg wird es kei­ne Be­rufs­rich­ter oder Staats­an­wäl­te mit re­li­giö­sen Sym­bo­len wie zum Bei­spiel Kopf­tuch ge­ben.“Ba­den-Würt­tem­berg wer­de dann das ers­te Land sein, dass dies klar und ein­deu­tig ver­bie­te. „Ob­jek­ti­vi­tät und Neu­tra­li­tät der Jus­tiz sind ein ho­hes Gut, das es zu be­wah­ren gilt. Für Eh­ren­amt­li­che müss­ten dann im Ein­zel­fall Be­fan­gen­heits­re­ge­lun­gen ge­prüft wer­den.“Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Schwarz ver­wies dar­auf, dass Schöf­fen, al­so eh­ren­amt­li­che Rich­ter, die Be­völ­ke­rung in ih­rer Ge­samt­heit re­prä­sen­tier­ten. Da­her sol­len sie von dem Ver­bot, re­li­gi­ös be­setz­te Klei­dungs­stü­cke zu tra­gen, aus­ge­nom­men wer­den.

Für die FDP hin­ge­gen ist der Kom­pro­miss­vor­schlag al­ler­dings we­der lo­gisch be­grün­det noch sinn­voll. Frak­ti­ons­chef Hans-Ul­rich Rül­ke und der Rechts­ex­per­te Ni­co Wein­mann teil­ten mit: „Das prin­zi­pi­el­le Ver­bot re­li­giö­ser Klei­dungs­stü­cke vor Ge­richt hat nur dann ei­nen Sinn, wenn es kon­se­quent um­ge­setzt wird und für al­le Per­so­nen, die bei Ge­richt tä­tig sind, ver­bind­li­chen Cha­rak­ter be­sitzt.“

IM GE­RICHT soll das Tra­gen re­li­giö­ser Sym­bo­le für haupt­amt­li­che Rich­ter und Staats­an­wäl­te aus­ge­schlos­sen sein – ein Kom­pro­miss zwi­schen Grü­nen und CDU. Fo­to: dpa

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