Ein un­beug­sa­mer Drauf­gän­ger

Wes­tern­held und Gangs­ter, Spar­ta­cus und Van Gogh: Der Schau­spie­ler Kirk Dou­glas wird 100

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

1999 gab das Ame­ri­can Film In­sti­tu­te ei­ne Lis­te der 50 größ­ten „Lein­wand-Le­gen­den“aus Hol­ly­woods gol­de­ner Ära her­aus. Nur drei sind heu­te noch am Le­ben: So­phia Lo­ren (82), Sid­ney Poi­tier (89) und Kirk Dou­glas – der mar­kan­te Darstel­ler, der mit Hel­den­fi­gu­ren wie Spar­ta­cus be­rühmt wur­de, wird heu­te 100 Jah­re alt. Kurz vor dem run­den Ge­burts­tag hat Schwie­ger­toch­ter Ca­the­ri­ne Ze­ta-Jo­nes ein Fa­mi­li­en­bild ins Netz ge­stellt. Dou­glas sitzt mit schloh­wei­ßen Haa­ren am ge­deck­ten Tisch, die En­kel Ca­rys und Dy­lan drü­cken dem be­rühm­ten Opa ein Küss­chen auf die Wan­ge. Die Söh­ne Jo­el so­wie Micha­el samt Ehe­frau Ca­the­ri­ne strah­len in die Ka­me­ra. „Heu­te für so vie­les dank­bar“, schreibt die Schau­spie­le­rin En­de No­vem­ber am Thanks­gi­ving-Fei­er­tag auf Ins­ta­gram zu dem Bild.

Kirk Dou­glas hat das Tem­po ein biss­chen ge­dros­selt. Vor fünf Jah­ren half er mit Ehe­frau An­ne (97) an Thanks­gi­ving noch tat­kräf­tig mit, Trut­hahn-Es­sen an Ob­dach­lo­se in Los An­ge­les zu ver­tei­len. Nun lässt er sich nur noch sel­ten in der Öf­fent­lich­keit bli­cken. Als ihn der Jü­di­sche Welt­kon­gress Mit­te No­vem­ber in New York mit ei­nem Preis für sein En­ga­ge­ment für die jü­di­sche Kul­tur ehr­te, nahm Os­carP­reis­trä­ger Micha­el Dou­glas die Aus­zeich­nung im Na­men sei­nes Va­ters „als ver­früh­tes Ge­burts­tags­ge­schenk“ent­ge­gen. Kurz zu­vor hat­te der „Wall Street“-Darstel­ler in der bri­ti­schen TV-Sen­dung „The Jo­na­than Ross Show“ver­si­chert, dass es sei­nem Va­ter „ab­so­lut groß­ar­tig“ge­he. Mit ei­nem Rol­la­tor als Geh­hil­fe „flie­ge“er re­gel­recht. Er sei „su­per stolz“auf sei­nen Dad, der sich als Sohn jü­disch-rus­si­scher Ein­wan­de­rer aus ärms­ten Ver­hält­nis­sen hoch­ge­ar­bei­tet ha­be und nun sein Mil­lio­nen­ver­mö­gen für gu­te Zwe­cke spen­de. Mit 100 Jah­ren ar­bei­te er an ei­nem wei­te­ren Buch, ba­sie­rend auf Brie­fen, die er sei­ner Frau An­ne ge­schrie­ben ha­be.

Beim Schrei­ben nimmt Kirk Dou­glas kein Blatt vor den Mund. In ei­nem Blog bei der „Huf­fing­ton Post“warn­te der li­be­ra­le Star mit dem mar­kan­ten Grüb­chen im Kinn Mit­te Sep­tem­ber vor den Fol­gen ei­nes Wahl­sie­ges von Do­nald Trump. In sei­nem Ein­trag zi­tier­te er aus ei­ner Wahl­kampf­re­de des Re­pu­bli­ka­ners, die sich ge­gen Ein­wan­de­rer rich­te­te. „Dies sind nicht die ame­ri­ka­ni­schen Wer­te, für de­ren Schutz wir im Zwei­ten Welt­krieg ge­kämpft ha­ben“, wet­ter­te Dou­glas. So ei­ne Pa­nik­ma­che ei­nes USPrä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten ha­be er nie zu­vor er­lebt. Er selbst sei 16 Jah­re alt ge­we­sen, als 1933 ein Mann in Deutsch­land an die Macht kam, den zu­erst nie­mand ernst ge­nom­men ha­be. „Er wur­de als Clown an­ge­se­hen, der un­mög­lich ein ge­bil­de­tes, zi­vi­li­sier­tes Volk mit sei­nen na­tio­na­lis­ti­schen, hass­er­füll­ten Re­den täu­schen konn­te“, führ­te Dou­glas wei­ter aus. Er sei im­mer sehr stolz dar­auf ge­we­sen, Ame­ri­ka­ner zu sein. In der Zeit, die ihm noch blei­be, wer­de er da­für be­ten, dass sich das nicht än­dert.

Sei­ne Kar­rie­re muss­te sich Dou­glas an­fangs hart er­kämp­fen. Als Is­sur Da­nielo­vitch Dems­ky ge­bo­ren, wuchs er mit sechs Schwes­tern im Ar­men­vier­tel der In­dus­trie­stadt Ams­ter­dam im USBun­des­staat New York auf. Mit Jobs als Haus­meis­ter und Rin­ger auf Jahr­märk­ten fi­nan­zier­te er sein Stu­di­um, um mög­lichst schnell auf die Schau­spiel­schu­le zu kom­men. Nach dem Krieg hat­te er Glück. Sei­ne frü­he­re Klas­sen­ka­me­ra­din Lau­ren Ba­call emp­fahl ihn bei den Stu­dio­bos­sen in Hollywood. Als Al­ko­ho­li­ker-Ehe­mann von Bar­ba­ra St­an­wyck de­bü­tier­te er 1946 in „Die selt­sa­me Lie­be der Mar­tha Ivers“so über­zeu­gend, dass schnell wei­te­re Haupt­rol­len folg­ten, et­wa als „Re­por­ter des Sa­tans“.

Ins­ge­samt spiel­te Dou­glas in mehr als 80 Fil­men mit, oft un­ter gro­ßen Re­gis­seu­ren wie Bil­ly Wil­der, Ho­ward Hawks, Ot­to Pre­min­ger und Elia Ka­zan. Al­lein mit sei­nem Lein­wand­freund Burt Lan­cas­ter stand er sie­ben Mal vor der Ka­me­ra – an­ge­fan­gen beim Gangs­ter­dra­ma „14 Jah­re Sing Sing“bis hin zu der selbst­iro­ni­schen Gau­ner­ko­mö­die „Ar­chie & Har­ry“. Be­setzt wur­de Dou­glas oft als Drauf­gän­ger oder schmut­zi­ger Held. Drei­mal wur­de er für den Os­car no­mi­niert: für die Rol­le des rück­sichts­los-ehr­gei­zi­gen Bo­xers in „Zwi­schen Frau­en und Sei­len“, für den macht­be­ses­se­nen Film­pro­du­zen­ten in „Stadt der Il­lu­sio­nen“und für sein ein­drucks­vol­les Künst­ler­por­trät „Vin­cent van Gogh – Ein Le­ben in Lei­den­schaft“. Er­hal­ten hat er 1996 dann den Eh­renOs­car für sein Le­bens­werk.

Wie vie­le sei­ner Hel­den hat auch Dou­glas sich nie dem Druck von oben ge­beugt. Mit der Grün­dung ei­ner Pro­duk­ti­ons­fir­ma wur­de er schließ­lich sein ei­ge­ner Herr. Für die Groß­pro­duk­ti­on „Spar­ta­cus“(1960) un­ter der Re­gie von St­an­ley Ku­brick ver­pflich­te­te Dou­glas Dal­ton Trum­bo als Dreh­buch­schrei­ber, ob­wohl die­ser auf der schwar­zen Lis­te der ge­äch­te­ten kom­mu­nis­ti­schen Künst­ler stand. Er selbst trumpf­te in der Ti­tel­rol­le als der le­gen­dä­re Skla­ven­an­füh­rer auf.

Mit sei­nem Os­car-ge­krön­ten Sohn Micha­el stand Dou­glas zum ers­ten Mal 2003 ge­mein­sam vor der Ka­me­ra, in der au­to­bio­gra­fisch an­ge­hauch­ten Ko­mö­die „Es bleibt in der Fa­mi­lie“. Ihr frü­her schwie­ri­ges Ver­hält­nis – Micha­el stand lan­ge im Schat­ten des be­rühm­ten Va­ters – hat sich längst ge­bes­sert. Auch ExFrau Dia­na Dou­glas (1923 bis 2015) spiel­te mit. Das Paar trenn­te sich, als die Söh­ne Micha­el und Jo­el noch klein wa­ren. Seit 1954 ist die in Han­no­ver ge­bo­re­ne Pro­du­zen­tin An­ne Dou­glas an sei­ner Sei­te. Bar­ba­ra Munker

MAR­KANT UND MÄNN­LICH zeig­te sich Kirk Dou­glas in über 80 Fil­men mit, et­wa als „Re­por­ter des Sa­tans“(rechts oben) oder mit schö­nen Frau­en wie Sen­ta Ber­ger („Der Schat­ten des Gi­gan­ten“, gro­ßes Bild). Bei der Ber­li­na­le 2001 wur­de er für sein Le­bens­werk ge­ehrt und al­ber­te mit den Fo­to­gra­fen. Fo­tos: dpa

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