Du­ell der Über­ra­schungs­teams

Un­ge­schla­ge­ne Hof­fen­hei­mer gas­tie­ren bei da­heim noch un­be­sieg­ter Ein­tracht

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter To­bi­as Schäch­ter

Sins­heim/Frank­furt. Vor zwei Wo­chen hat Ju­li­an Na­gels­mann Ar­min Reu­ters­hahn ei­ne SMS ge­schickt, in der der Trai­ner von 1899 Hof­fen­heim sei­nem ehe­ma­li­gen As­sis­ten­ten zu des­sen er­folg­rei­cher Ar­beit bei Ein­tracht Frank­furt gra­tu­lier­te. Heu­te (20.30 Uhr) er­öff­net nun die Par­tie Ein­tracht ge­gen Hof­fen­heim den 14. Spiel­tag der Fuß­ball-Bun­des­li­ga als Top-Spiel – und Reu­ters­hahn sen­det im Vor­feld nur net­te Wor­te für den 27 Jah­re jün­ge­ren Na­gels­mann. Selbst er, er­zähl­te Reu­ters­hahn der Frank­fur­ter Rund­schau, ha­be in der Trai­nings­ar­beit mit Na­gels­mann Übun­gen er­lebt, die er noch nicht kann­te: „Ich ha­be pro­fi­tiert“, sagt der 56 Jah­re al­te Zu­ar­bei­ter, der ja schon so lan­ge in der Bun­des­li­ga ar­bei­tet, wie Na­gels­mann alt ist. Ge­kom­men war er nach Hof­fen­heim, weil ihn Huub Ste­vens ge­ru­fen hat­te. Nach der De­mis­si­on des Nie­der­län­ders schaff­te das Trai­ner­team mit Na­gels­mann und Reu­ters­hahn noch den Klas­sen­ver­bleib.

Ge­gan­gen ist Reu­ters­hahn im Som­mer dann zur Ein­tracht, weil ihn Ni­ko Ko­vac in sei­nem Trai­ner­team ha­ben woll­te. Die bei­den ken­nen sich aus ge­mein­sa­men Zei­ten beim HSV. „Es war kei­ne Ent­schei­dung ge­gen Hof­fen­heim“, sagt Reu­ters­hahn, der schon von 2004 bis 2009 in Frank­furt ar­bei­te­te. Be­reut hat er den Weg zu­rück nicht, die Ein­tracht mischt ja eben­so krass wie un­er­war­tet oben mit wie die Hof­fen­hei­mer. Die Kraich­gau­er sind noch un­ge­schla­gen, ha­ben wie die vor ei­ge­nem Pu­bli­kum noch un­be­sieg­ten Hes­sen 25 Punk­te auf dem Kon­to.

Bei­de Er­folgs­ge­schich­ten sind auch die Er­folgs­ge­schich­ten der bei­den Trai­ner. Na­gels­mann und Ko­vac ret­te­ten ih­re Teams in der ver­gan­ge­nen Sai­son vor dem Ab­stieg und for­men nun ih­re Mann­schaf­ten nach ih­ren Ide­en. „Mit die­ser Se­rie ha­be ich na­tür­lich nicht ge­plant. Dass wir gu­ten Fuß­ball spie­len, über­rascht mich aber we­ni­ger“, sag­te Na­gels­mann: „Das war mein An­spruch. Da steckt viel har­te Ar­beit drin – von der Mann­schaft, mir und mei­nem Team.“Ähn­li­ches hört man am Main. Ko­vac, der zu­sam­men mit sei­nem Bru­der und As­sis­tent Ro­bert sei­nen Ver­trag vor­zei­tig um zwei Jah­re bis 2019 ver­län­ger­te, ist ein Grund­prin­zi­pi­en­pre­di­ger, die Wer­te, die ihn als Spie­ler bei den Bay­ern und in der kroa­ti­schen Na­tio­nal­elf aus­zeich­ne­ten, lebt er nun au­then­tisch als Trai­ner vor: Har­te Ar­beit, Leis­tungs­wil­le, Zu­ver­läs­sig­keit, Dis­zi­plin, Un­nach­gie­big­keit – aber auch tak­ti­sche Raf­fi­nes­se.

Die Ein­tracht ist so fit wie nie un­ter Ko­vac, selbst Alt­vor­de­re wie Alex­an­der Mei­er, Sz­abolcs Husz­ti, bei­de 33, und Ma­ko­to Hase­be, 32, ren­nen wie Teen­ager über den Platz. Ko­vac hat die lang­jäh­ri­ge Ab­hän­gig­keit der Ein­tracht von Tor­jä­ger und Ka­pi­tän Mei­er ge­bro­chen, die Mann­schaft spielt nun viel fle­xi­bler. Dass aus ei­ner Mann­schaft mit vie­len Zu­gän­gen aus vie­len Län­dern schnell ei­ne Ein­heit ge­wor­den ist, hat auch mit ei­nem wei­te­ren ehe­ma­li­gen Hof­fen­hei­mer in Frank­furt zu tun. Da­vid Abra­ham, 30, ist in der Form sei­nes Le­bens und der­zeit ei­ner der bes­ten In­nen­ver­tei­di­ger der Li­ga. Zu­dem ist der Ar­gen­ti­ni­er wich­ti­ger An­sprech­part­ner der spa­nisch­spre­chen­den Frak­ti­on.

Abra­ham und der Köl­ner Ant­ho­ny Mo­des­te sind die pro­mi­nen­tes­ten Na­men in ei­ner Rei­he von Pro­fis, mit de­nen der ehe­ma­li­ge Hof­fen­hei­mer Coach Mar­kus Gis­dol nichts an­fan­gen konn­te – und die nun wo­an­ders re­üs­sie­ren.

GE­HEN IN FRANK­FURT vor­ne­weg: Ro­bert und Ni­ko Ko­vac (re.), die bis 2019 ver­län­ger­ten, mit Ar­min Reu­ters­hahn. Fo­to: dpa

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