Dort­mun­der Re­kord­jä­ger

BVB stellt im Bern­abéu von Ma­drid gleich zwei Best­mar­ken auf / „Es war ein Su­per­ge­fühl“

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mar­cus Bark

Ma­drid. Das Mo­bil­te­le­fon am Ohr ist aus der Mo­de ge­kom­men. Ei­ni­ge Spie­ler von Re­al Ma­drid zeig­ten am Mitt­woch­abend, dass Klein­kin­der auf dem Arm viel bes­ser ge­eig­net sind, um aus dem Sta­di­on zu hu­schen, oh­ne von Jour­na­lis­ten be­fragt zu wer­den. To­ni Kroos hät­te ei­nen Sohn und ei­ne Toch­ter zur Aus­wahl. Doch der Fuß­ball-Welt­meis­ter er­schien al­lein, und da auch noch ei­ne deut­sche Mann­schaft im Esta­dio San­tia­go Bern­abéu zu Gast ge­we­sen war, blieb er be­reit­wil­lig al­le paar Me­ter ste­hen, um sich den Fra­gen zu stel­len, et­wa der nach dem kom­men­den Wunsch­geg­ner. „Ich weiß gar nicht, wer in Fra­ge kommt“, zuck­te Kroos mit den Schul­tern, „aber das ist eh wurscht.“

Da Re­al Ma­drid ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund nur zu ei­nem 2:2 ge­kom­men war, be­en­de­te es die Grup­pen­pha­se der Cham­pi­ons Le­ague auf dem zwei­ten Platz. Dies hat zur Fol­ge, dass der spa­ni­sche Re­kord­meis­ter im Ach­tel­fi­na­le das Rück­spiel aus­wärts aus­tra­gen muss, was sta­tis­tisch ge­se­hen die Mög­lich­keit des Aus­schei­dens er­höht. Was dies zu be­deu­ten ha­be, wur­de Kroos ge­fragt. „Nix“, sag­te er, um mit brei­tem Kreuz an­zu­fü­gen: „Wir sind Ti­tel­ver­tei­di­ger.“

Ge­nau des­halb wa­ren die Dort­mun­der so stolz, dass sie in ei­nem at­trak­ti­ven Spiel trotz ei­nes 0:2-Rück­stan­des noch zu eben je­nem Punkt ge­kom­men wa­ren, der den Grup­pen­sieg, ei­nen ver­meint­lich leich­te­ren Geg­ner und das Heim­recht im Rück­spiel be­scher­te. „Es ist et­was sehr Be­son­de­res, auf die­sem Le­vel so zu­rück­zu­kom­men. Das fühlt sich top an“, sag­te Trai­ner Tho­mas Tu­chel.

Sein Team hat­te wei­te Tei­le der ers­ten Hälf­te sehr feh­ler­haft ge­spielt, auch weil ei­ni­ge tak­ti­sche Über­le­gun­gen des Trai­ners nicht pass­ten. Nach den Kor­rek­tu­ren wur­de es bes­ser, aber im­mer noch hin­gen ei­ni­ge Spie­ler bis zu ih­rer Aus­wechs­lung (An­dré Schürr­le) oder bis zum En­de (Marc Bar­tra) durch. Um­so er­staun­li­cher war die Auf­hol­jagd, die dann noch ge­lang. Ju­li­an Weigl lei­te­te sie mit ei­nem bril­lan­ten Pass auf Mar­cel Schmel­zer ein, des­sen Vor­la­ge ver­wer­te­te Tor­jä­ger Pier­re-Eme­rick Auba­meyang zum 1:2 (60.). Der ein­ge­wech­sel­te Mar­co Reus glich in der 88. Mi­nu­te aus. Da­mit stell­te der BVB gleich zwei Rekorde auf. Noch nie zu­vor hol­te ein Bun­des­li­gist in der Vor­run­de 16 Punk­te, die Mar­ke von 21 To­ren er­reich­te noch nie ein Teil­neh­mer.

„Es war ein Su­per­ge­fühl, das noch zu schaf­fen“, sag­te Weigl, der die Schwä­chen auch da­mit er­klär­te, dass die jun­gen Spie­ler sich bei ih­rer Pre­mie­re im Bern­abéu noch an die At­mo­sphä­re ge­wöh­nen muss­ten. Der 21 Jah­re al­te Weigl wird, wie auch Auba­meyang, im­mer wie­der mal mit Re­al in Ver­bin­dung ge­bracht. Ein spa­ni­scher Jour­na­list woll­te von Tu­chel wis­sen, ob er sei­nen Spie­ler schon für ei­nen sol­chen Wech­sel be­reit sä­he. „Stand jetzt, ist er das nicht“, sag­te der Trai­ner, aus ei­ge­nem In­ter­es­se, aber auch im all­ge­mei­nen Te­nor. Weigl schwank­te in den ver­gan­ge­nen Wo­chen deut­lich in sei­ner Form.

Vor al­lem der äl­tes­te Dort­mun­der Pro­fi sorg­te mit da­für, dass es letzt­lich noch et­was zu fei­ern gab. Tor­wart Ro­man Wei­den­fel­ler (36) zeig­te ei­ne groß­ar­ti­ge Leis­tung, ver­hin­der­te mehr­mals ei­nen noch hö­he­ren Rück­stand. Den Auf­tritt bei Re­al Ma­drid emp­fand Wei­den­fel­ler, der den ver­letz­ten Ro­man Bür­ki ver­trat, als „Weih­nachts­ge­schenk“.

KÖNIGLICHER JU­BEL IN GELB: Bo­rus­sia Dort­mund fei­ert die ge­lun­ge­ne Auf­hol­jagd bei Re­al Ma­drid und den Grup­pen­sieg. Fo­to: dpa

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