Ers­te Ra­te fürs En­de der Schloss­berg­auf­fahrt

Fi­nanz­aus­schuss be­en­det Haus­halts­be­ra­tung / Fi­nan­zi­el­ler Ein­stieg in Gestal­tung In­nen­stadt-Ost

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ro­land Wei­sen­bur­ger

Ei­ne star­ke Mil­li­ar­de Eu­ro wird Pforz­heim in den kom­men­den zwei Jah­ren be­we­gen. Ges­tern be­en­de­te der Fi­nanz­aus­schuss die drei­tä­gi­ge Haus­halts­be­ra­tung und schob den Ent­wurf der Ver­wal­tung mit nur we­ni­gen und recht klei­nen Än­de­run­gen an den Ge­mein­de­rat wei­ter, der das Zah­len­werk am 20. De­zem­ber wohl be­schlie­ßen wird. Ei­nen ers­ten Schritt geht man in der Fi­nanz­pla­nung auch in Rich­tung Neu­ge­stal­tung der In­nen­stadt-Ost. Für 2018 ist ei­ne ers­te Ra­te zum Rück­bau der Stra­ße am Schloss­berg in Hö­he von 150 000 Eu­ro ein­ge­plant. Um schon im Vor­feld aus­zu­pro­bie­ren, wie sich ein Ver­zicht auf die Stra­ße auf die Ver­kehrs­si­tua­ti­on aus­wirkt, will Bau­bür­ger­meis­te­rin Schüs­s­ler ei­ne Sper­rung der Stra­ße vor­zie­hen.

Vor­ent­schei­dung für Ab­riss des Tech­ni­schen Rat­hau­ses

Auch zum Ab­riss des Tech­ni­schen Rat­hau­ses fiel ei­ne Vor­ent­schei­dung. 140 000 Eu­ro sind be­reits für die kom­men­den zwei Jah­re vor­ge­se­hen, der grö­ße­re Teil der Ab­riss­kos­ten in Hö­he von 750 000 Eu­ro ist in der mit­tel­fris­ti­gen Fi­nanz­pla­nung für die Jah­re 2019 und 2020 ein­ge­preist.

Der An­trag der Grü­nen Lis­te, den Ab­riss des denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­des über den Um­weg des Haus­halts zu kip­pen schei­ter­te. Sie­ben von zwölf Aus­schuss­mit­glie­dern stimm­ten ge­gen den Vor­schlag, das Geld für den Ab­riss zu strei­chen. Ganz knapp, mit fünf zu sechs Stim­men, schei­ter­te ein An­trag von Bünd­nis 90 / Die Grü­nen, das Geld für ein Mar­ke­ting­kon­zept zum Um­bau der öst­li­chen In­nen­stadt zu strei­chen. Schüs­s­ler hat­te das ganz gro­ße Be­steck aus­ge­packt und ge­sagt: „Strei­chen Sie das Mar­ke­ting, dann strei­chen Sie das gan­ze Pro­jekt.“Der­art auf­ge­rüt­telt, fand sich dann doch noch ei­ne knap­pe Mehr­heit ge­gen das An­sin­nen der Grü­nen.

An al­len an­de­ren Ecken der Stadt wird wei­ter kräf­tig ge­spart. Weil statt 1,8 bald nur noch 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro für den Stra­ßen­bau zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den, geht Nor­bert Bern­hard, Lei­ter des Tief­bau­am­tes, von ei­nem lang­fris­ti­gen „Wer­te­ver­zehr“aus. Man kön­ne mit dem üb­rig ge­blie­be­nen Geld Stra­ßen künf­tig nicht mehr groß­flä­chig sa­nie­ren, son­dern nur noch das Al­ler­not­wen­digs­te „klein­tei­lig re­pa­rie­ren“. Hoff­nung macht er auf ei­nen wei­te­ren Mil­lio­nen­zu­schuss aus Ber­lin. Der Um­bau der West­li­chen Karl-Fried­rich-Stra­ße könn­te dank ei­ner 90-pro­zen­ti­gen För­de­rung zu ei­ner preis­güns­ti­gen Auf­wer­tung wer­den.

Kei­ne Mehr­heit fand Stadt­rat Joa­chim Bruch mit sei­ner Idee, Pforz­heim für die Dau­er des Schmuck­ju­bi­lä­ums an die „Ko­nus-Kar­te“des Schwarz­wal­des an­zu­glie­dern, um so Tou­ris­ten die Mög­lich­keit zu ge­ben, aus ih­ren Ur­laubs­or­ten im Schwarz­wald kos­ten­los mit Bus und Bahn in die Gold­stadt zu kom­men. Oli­ver Reitz, Di­rek­tor der städ­ti­schen Mar­ke­ting­ge­sell­schaft WSP, sah kei­nen ge­si­cher­ten Nut­zen.

Eher Scha­den sah Ober­bür­ger­meis­ter Ha­ger für den Fall, dass der Aus­schuss der Idee von Axel Baum­busch (GL) folgt und an­ge­sichts der in­zwi­schen ein­ge­spiel­ten 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro an Spon­so­ren­gel­dern fürs Schmuck­ju­bi­lä­um, den städ­ti­schen Zu­schuss zu kür­zen. „Das wür­de vie­le Spon­so­ren vor den Kopf sto­ßen“, so Ha­ger. Auch hier folg­te die Aus­schuss­mehr­heit der Ver­wal­tung und lehn­te den Baum­busch-An­trag ab. Ei­ne Spar­mög­lich­keit schlug Ralf Fuhr­mann (SPD) vor, der an­reg­te, bei der Neu­an­schaf­fung ei­nes Fried­hof­mo­bils et­was ge­nau­er aufs Geld zu schau­en. Statt der ein­ge­plan­ten 20 000 Eu­ro ha­be er im In­ter­net schon Golf­carts ab 3 000 Eu­ro ent­deckt. Die Ver­wal­tung sag­te ei­ne Prü­fung zu.

Hoch­po­li­tisch wur­de die Dis­kus­si­on letzt­lich, als Baum­busch an­reg­te, durch die Grün­dung ei­ner städ­ti­schen Ser­vice­ge­sell­schaft bis­lang an Pri­vat­fir­men ver­ge­be­ne Ar­bei­ten bei der Grün­pfle­ge und Stra­ßen­rei­ni­gung zu re­kom­mu­na­li­sie­ren und so auch Be­schäf­ti­gungs­för­de­rung zu be­trei­ben. „So­zi­al­ro­man­tik“warf dar­auf­hin Flo­ren­tin Gold­mann (CDU) dem Vor­mann der Grü­nen Lis­te vor.

„Im Win­ter­dienst zum Bei­spiel geht es um Si­cher­heit“, so Gold­mann. Da brau­che es Men­schen, die auch um halb vier in der Frü­he ver­läss­lich auf­stün­den. „Schlech­tes Bei­spiel“kon­ter­te dar­auf­hin OB Ha­ger: Der Räum- und Streu­di­enst wird be­reits von städ­ti­schen Mit­ar­bei­tern er­le­digt. Die Grün­dung ei­nes städ­ti­schen Toch­ter­un­ter­neh­mens will man den­noch prü­fen. Nach den bis­her ge­äu­ßer­ten Ab­stim­mungs­ab­sich­ten der Frak­tio­nen steht ei­ner Ver­ab­schie­dung des Haus­hal­tes vier Ta­ge vor Weih­nach­ten nichts im We­ge.

MIT DER SPITZHACKE soll es spä­tes­tens zum En­de die­ses Jahr­zehnts der Schloss­berg­auf­fahrt an den Kra­gen ge­hen. Deut­lich schnel­ler könn­te ei­ne Sper­rung kom­men, die die Fol­gen ei­nes Rück­baus im Vor­feld auf­zei­gen soll. Fo­to: Eh­mann

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