Oh­ren­be­täu­ben­der Lärm und ei­ne spür­ba­re Druck­wel­le

Ei­ne Grup­pe von Jour­na­lis­ten durf­te sich die Spren­gun­gen am Isprin­ger Tun­nel ge­nau­er an­schau­en

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Es war kein vor­ge­zo­ge­nes Sil­ves­ter­feu­er­werk, schon we­gen der enor­men Laut­stär­ke der Spreng­la­dun­gen: Zu­erst knat­tern un­ter Fun­ken­bil­dung die klei­nen Lo­cke­rungs-Spreng­la­dun­gen, be­vor mit fünf ge­wal­ti­gen Schlä­gen der Haupt­spren­gung Fels aus der Stros­se/ Soh­le beim neu­en Isprin­ger Bahn­tun­nel her­aus ge­schleu­dert wird. Oh­ne Stöp­sel in den Oh­ren wä­re der Lärm kaum aus­zu­hal­ten. Aber auch so läuft die Druck­wel­le durch den Kör­per – noch im Si­cher­heits­ab­stand von 200 Me­tern.

Tun­nel­pa­tin Sa­bi­ne Ha­ger war da­bei, als ei­ne Jour­na­lis­ten­schar ges­tern Mit­tag ei­ne der täg­lich drei Spren­gun­gen beim Tun­nel­vor­trieb mit­er­le­ben durf­te. Schutz wie Gum­mi­stie­fel, Schutz­helm, Wes­te, Ret­tungs­han­dy und Selbstret­ter mit Sau­er­stoff­vor­rat ge­hör­ten selbst­ver­ständ­lich zur Aus­rüs­tung, ge­nau wie bei dem gu­ten Dut­zend Mi­n­eu­ren der Fir­ma Ba­re­sel, die je­weils in ei­ner Schicht im Berg ar­bei­ten. Von den rund 900 Me­tern Tun­nel­län­ge ha­ben sie be­reits gut 600 Me­ter ge­schafft und sind mit der Ka­lot­ten-Spren­gung nun un­ter dem Krei­sel am Haupt­fried­hof an­ge­langt. Ka­lot­te, das ist die obe­re Hälf­te des Tun­nel­quer­schnitts, der zu­erst ge­sprengt wird, „da­mit der Berg drum her­um sta­bil bleibt“, er­klär­te Jür­gen Fried­mann von der DB Netz, der zu­sam­men mit dem Pro­jekt­lei­ter Ste­fan Geck­le und sei­ner Kol­le­gin Ute Schmidt die Tun­nel­füh­rung lei­te­te.

Wo die Ka­lot­te schon am höchs­ten Punkt des Bergs an­ge­langt ist, lie­gen die Mi­n­eu­re bei der Stros­se/Soh­le noch 100 Me­ter zu­rück. Sind Ka­lot­te und Stros­se/ Soh­le her­aus­ge­bro­chen, hat der Tun­nel ei­ne lich­te Hö­he von zehn Me­tern und ei­ne Brei­te von 13 Me­tern. Kaum wa­ren die Schlä­ge ver­hallt, wur­de durch ei­nen rie­si­gen Schlauch an der De­cke Frisch­luft in den Tun­nel ge­bla­sen, die die Spreng­ga­se in ei­ner grau­en Wol­ke ins Freie drückt.

Mit dem Tem­po hin­ken die Bau­ar­bei­ten et­was hin­ter­her, räum­te Ste­fan Geck­le ein. „Wir woll­ten schon 100 Me­ter wei­ter sein.“Schuld an der Ver­zö­ge­rung sei die schwie­ri­ge Geo­lo­gie, die zu hö­he­re Si­che­rungs­maß­nah­men und ge­rin­ge­ren Ab­schlags­län­gen zwang. Si­cher­heit wird groß ge­schrie­ben, et­wa mit Mes­sun­gen der Er­schüt­te­run­gen im al­ten Tun­nel von 1860, der ja wei­ter ge­nutzt wird. We­gen zu viel Lärm und Er­schüt­te­run­gen zur Nacht­zeit wird schon ei­ne Wei­le nachts nicht mehr ge­sprengt. Ne­ben der Geo­lo­gie ist das der zwei­te Grund für die Zeit­ver­zö­ge­rung, die aber wie­der ein­ge­holt wer­den soll.

Die letz­te Spren­gung wird am 21. De­zem­ber statt­fin­den, am 3. Ja­nu­ar geht es wei­ter. Den rund 151 Haus­hal­ten an der Ha­chel­brü­cke ste­hen ab 9. Ja­nu­ar un­ru­hi­ge Näch­te be­vor, wenn sie nicht auf das An­ge­bot der Bahn ein­ge­hen und sie­ben Näch­te kos­ten­los im Ho­tel ver­brin­gen wol­len: Die Grün­dungs­ar­bei­ten für die Ober­lei­tungs­mas­ten müs­sen we­gen des Zug­ver­kehrs nachts er­fol­gen.

JE­DEN TAG DREI MAL wird der­zeit am Isprin­ger Tun­nel ge­sprengt. Bis un­ter den Krei­sel am Haupt­fried­hof ist die Bahn schon ge­kom­men. Fo­to: Pe­che

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