Rot­licht-Mi­lieu und Lo­kal­ko­lo­rit

Ehe­ma­li­ger Straf­rich­ter Ha­rald Ki­wull stellt sei­nen ers­ten Kri­mi vor

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Mar­ti­na Er­hard

Ma­xi­mi­li­an Knall sitzt in sei­nem Ho­tel­zim­mer in Ett­lin­gen, nimmt die Gi­tar­re zur Hand und singt sein „Lei­bund Ma­gen­lied ‚Mid­ni­ght Spe­cial’“. Er fühlt sich wohl in der „elen­den Um­ge­bung“, die sein Zu­hau­se ist, nach­dem sei­ne Ehe ge­schei­tert war. Was wie das En­de ei­ner Ge­schich­te klingt, ist der An­fang ei­nes Kri­mis, denn Ma­xi­mi­li­an Knall ist der Held im Ro­man „Die Trüf­fel-Con­nec­tion“, bei dem es auch um das Rot­licht-Mi­lieu geht. Sein geis­ti­ger Va­ter, der ehe­ma­li­ge Karls­ru­her Straf­rich­ter Ha­rald Ki­wull, nimmt bei je­der Le­sung, bei der er sein Buch vor­stellt, eben­falls die Gi­tar­re zur Hand und singt „Mid­ni­ght Spe­cial“. So auch bei sei­ner Le­sung in der Buch­hand­lung Rüppurr. „Ich will die Zu­hö­rer da­mit mit­neh­men in die Welt von Ma­xi­mi­li­an Knall“, meint Ki­wull, stützt sei­nen Fuß auf ei­ne Wein­kis­te, greift zur Gi­tar­re und legt los.

Der heu­te 73-Jäh­ri­ge, der vie­le Jah­re Vor­sit­zen­der Rich­ter ei­ner Straf­kam­mer am Land­ge­richt Karls­ru­he war, über­leg­te erst­mals vor neun Jah­ren, mit dem Schrei­ben an­zu­fan­gen. „Da­mals ging ich in Pen­si­on und hat­te plötz­lich viel Zeit“, so Ki­wull, der in der Nä­he von Karls­ru­he lebt, sich aber auch ger­ne in Spa­ni­en auf­hält. „Vie­le Men­schen spie­len doch mit dem Ge­dan­ken, ein Buch zu schrei­ben“, weiß er. Er weiß aber auch, wie schwer es ist, die­sen Vor­satz in die Tat um­zu­set­zen.

Der nö­ti­ge Im­puls kam von sei­nem Freund Wolf­gang Blank, der auch die Il­lus­tra­tio­nen zum Buch lie­fer­te. „Ich war mit ihm auf sei­nem Schiff un­ter­wegs, und am En­de soll­te die­se Rei­se do­ku­men­tiert wer­den, wo­bei auch ich ei­ni­ge Tex­te bei­steu­er­te“, er­in­nert sich der ehe­ma­li­ge Rich­ter. „Mensch, du hast so ei­nen tol­len Stil – schreib doch ein Buch“, so der Kom­men­tar des Freun­des.

Über die Ge­schich­te, die er schrei­ben woll­te, muss­te Ki­wull nicht lan­ge nach­den­ken: „Sie ist ein­fach in mir ge­wach­sen“, meint er. „So zum Bei­spiel bei den täg­li­chen Schwimm­run­den, bei de­nen Knall in mir ge­ar­bei­tet hat.“Aus die­sem Grund ha­be er am An­fang auch noch nicht ge­nau ge­wusst, wie das Buch ein­mal en­den wer­de. Der Schreib­pro­zess, der sich rund ein Jahr hin­zog, war für den kopf­ge­steu­er­ten Ju­ris­ten ein er­sehn­ter Aus­gleich. Er, der über zwei Jahr­zehn­te die Aus­stel­lun­gen für „Kunst am Land­ge­richt“ku­ra­tier­te, be­nei­de­te die Künst­ler im­mer um ih­re Emo­tio­na­li­tät, ein Ge­fühl, wel­ches er sich im Ge­richts­saal nicht ha­be er­lau­ben dür­fen. „Ich war sehr eu­pho­risch, als das Buch fer­tig war, aber die ei­gent­li­che Ar­beit ging erst nach dem Schrei­ben los“, gibt er zu. Rund 50 Ver­la­ge ha­be er an­ge­schrie­ben, aber kei­ne Zu­sa­ge be­kom­men. Schließ­lich kam je­doch der er­lö­sen­de An­ruf von Ver­le­ger Tho­mas Lin­de­mann. Ei­ne Lek­to­rin ha­be dann aber auch noch et­li­che Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge un­ter­brei­tet, er­zählt Ki­wull und gibt zu, dass sein Buch, bei dem auch al­ler­hand Karls­ru­her Lo­kal­ko­lo­rit zu fin­den ist, da­durch noch enorm ge­won­nen ha­be. Als Bei­spiel nennt er Sze­nen aus der Ju­gend des Prot­ago­nis­ten, die von der Lek­to­rin an­ge­regt wor­den sei­en: „Da­bei ha­be ich auf mei­ne ei­ge­nen Ju­gen­der­in­ne­run­gen zu­rück­ge­grif­fen“, er­zählt Ki­wull, der in Nord­deutsch­land, in der Nä­he von Sta­de, auf­ge­wach­sen ist. „Für mich war die­ser per­sön­li­che Be­zug wich­tig, da ich da­durch viel emo­tio­na­ler und au­then­ti­scher schrei­ben konn­te“, sagt er.

Auf die Fra­ge, ob viel­leicht bald ein zwei­ter Fall rund um den Rich­ter Ma­xi­mi­li­an Knall zu er­war­ten ist, muss Ki­wull nicht lan­ge nach­den­ken: „Nein, das ist nicht ge­plant. Ich ru­he mich jetzt erst ein­mal auf mei­nen Lor­bee­ren aus“, meint er la­chend und er­zählt, dass er sehr stolz dar­auf sei, zu den Karls­ru­her Kri­mi­ta­gen ein­ge­la­den wor­den zu sein. „Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit für ei­nen Erst­lings­au­tor“, ist Ki­wull über­zeugt.

Bald wer­den er und sei­ne Frau in ih­re zwei­te Hei­mat Spa­ni­en auf­bre­chen, wo sie in der Nä­he von Va­len­cia ein Fe­ri­en­haus be­sit­zen. „Die kal­te Jah­res­zeit ver­brin­gen wir ger­ne im Sü­den“, er­zählt er. Das ha­ben er und Knall üb­ri­gens ge­mein­sam: Auch der Haupt­prot­ago­nist des Ro­mans reist nach Spa­ni­en, wo die Ge­schich­te schließ­lich en­det. Wie sie en­det, wird hier na­tür­lich nicht ver­ra­ten.

DER FRÜ­HE­RE KARLS­RU­HER RICH­TER Ha­rald Ki­wull liest in der Rüppur­rer Buch­hand­lung aus sei­nem Rich­ter-Kri­mi „Die Trüf­felCon­nec­tion“. Fo­to: jo­do

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.