Por­trait des Ta­ges

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Geert Wil­ders

Knapp 100 Ta­ge vor den Par­la­ments­wah­len in den Nie­der­lan­den hat der Rechts­po­pu­list Geert Wil­ders (Foto: dpa) ei­nen wich­ti­gen Sieg ver­bucht. Das ist die ein­hel­li­ge Ana­ly­se von Mei­nungs­for­schern und Kom­men­ta­to­ren ges­tern nach dem Ur­teil ei­nes Ams­ter­da­mer Straf­ge­richts: Schul­dig – aber kei­ne Stra­fe. Wil­ders wur­de zwar der Dis­kri­mi­nie­rung und Be­lei­di­gung von Ma­rok­ka­nern schul­dig ge­spro­chen, das Ge­richt ver­häng­te al­ler­dings kei­ne Stra­fe und sprach ihn vom Vor­wurf der Het­ze frei. Der Rechts­au­ßen der nie­der­län­di­schen Po­li­tik kann da­von nur pro­fi­tie­ren.

Seit Be­ginn des Pro­zes­ses im Ok­to­ber war sei­ne „Par­tei für die Frei­heit“(PVV) in den Um­fra­gen auf­ge­stie­gen. Nach ei­nem deut­li­chen Ab­wärts­trend in den Wo­chen zu­vor steht die PVV nun un­be­strit­ten auf Platz eins bei al­len Um­fra­gen. Wil­ders könn­te bei der Par­la­ments­wahl im März 2017 mehr als 30 der 150 Sit­ze im Par­la­ment ge­win­nen – dop­pelt so viel wie bei der vo­ri­gen Wahl 2012. Der Rechts­au­ßen mit der cha­rak­te­ris­ti­schen blon­den Haar­tol­le nutz­te das Ur­teil auch so­fort für sei­nen Wahl­kampf und wand­te sich an sei­ne Wäh­ler, als „Mär­ty­rer des frei­en Wor­tes“.

Kon­se­quen­zen für sein Man­dat im Par­la­ment hat der Schuld­spruch nicht. Der 53-Jäh­ri­ge könn­te theo­re­tisch auch mit ei­ner Vor­stra­fe Mi­nis­ter­prä­si­dent wer­den. Das scheint zur Zeit zwar po­li­tisch aus­ge­schlos­sen. Die Chan­ce, dass an­de­re Par­tei­en mit ihm ei­ne Ko­ali­ti­on bil­den wür­den, sind ge­ring. Doch nun wird das Ur­teil und da­mit Wil­ders selbst den Wahl­kampf be­herr­schen und die Po­la­ri­sie­rung ver­stär­ken. Im Mit­tel­punkt des Pro­zes­ses stand ei­ne Re­de des Po­li­ti­kers im Früh­jahr 2014. Da­mals hat­te er An­hän­ger ge­fragt: „Wollt ihr mehr oder we­ni­ger Ma­rok­ka­ner in den Nie­der­lan­den?“Als die­se „We­ni­ger, we­ni­ger“rie­fen, sag­te Wil­ders: „Dann wer­den wir das re­geln.“An­net­te Bir­schel

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