Rich­tungs­wahl in Ma­ze­do­ni­en

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - RU­DOLF GRU­BER

Wird Ma­ze­do­ni­en ein Dau­er­kri­sen­herd auf dem Bal­kan? Soll­ten die Na­tio­na­lis­ten nach der Wahl mor­gen an der Macht blei­ben, könn­ten al­le Frie­dens­be­mü­hun­gen der EU ver­geb­lich ge­we­sen sein. Der na­tio­na­lis­ti­sche Pre­mier Ni­ko­la Gruev­ski er­in­nert an Re­cep Tay­yip Er­do­gan. Wäh­rend sei­ner zehn­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­zeit ver­wan­del­te der 46-jäh­ri­ge Na­tio­na­list den EU-Kan­di­da­ten Ma­ze­do­ni­en in ei­nen au­to­ri­tä­ren Staat. Al­ler­dings hat die er­wei­te­rungs­mü­de EU dar­an ih­ren er­heb­li­chen An­teil, denn die Brüs­se­ler Kom­mis­si­on hält das Land seit 2006 mit Bei­tritts­ver­hand­lun­gen hin, wes­halb den rund zwei Mil­lio­nen Ma­ze­do­ni­ern die Eu­ro­pa-Per­spek­ti­ve längst ab­han­den­ge­kom­men ist.

Gruevs­kis Par­tei kon­trol­liert den ge­sam­ten Staats­ap­pa­rat, er­presst die

Loya­li­tät öf­fent­lich Be­diens­te­ter un­ter An­dro­hung des Job­ver­lusts, lässt re­gie­rungs­kri­ti­sche Bür­ger und Me­di­en über­wa­chen und ver­fol­gen und de­gra­diert die Op­po­si­ti­on als Teil der or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät. Um sei­ne Macht zu si­chern, schei­nen Gruev­ski kei­ner­lei Skru­pel zu hin­dern. So rief er auf ei­ner Wahl­kund­ge­bung in­di­rekt zur Er­mor­dung des so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Op­po­si­ti­ons­füh­rers Zoran Zaev auf.

Doch scheint auch manch hoch­ran­gi­gen Eu­ro­pa-Emis­sä­ren schlicht der Durch­blick zu feh­len. So ließ sich Ös­ter­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Kurz als Wahl­kampf­red­ner für Gruevs­kis Par­tei ein­span­nen. Er lob­te Ma­ze­do­ni­ens Bei­trag zur Schlie­ßung der Flücht­lings­rou­te über den Bal­kan und sah das Land „auf gu­tem Weg in die Eu­ro­päi­sche Uni­on“.

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